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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Situation der Legehennenhaltung in der Bundesrepublik Deutschland (G-SIG: 12011134)

Derzeitige Formen der Legehennenhaltung in Deutschland, Gründe für und gegen die Legebatterie-Haltung aus betriebswirtschaftlicher und Tierschutzsicht, Verbraucherverhalten beim Eierkauf hinsichtlich der Haltungsformen; Ursachen für Salmonellen-Vergiftungen von Eiern, ggfs. bestimmte Nutztier-Haltungsformen, auch im Vergleich zu anderen europäischen Ländern; Verlagerung der Eiererzeugung in andere EG-Länder bzw. zunehmender Eier-Import bei einem Verbot der Legebatterie-Haltung, Übernahme des Schweizer Modells des faktischen Verbots in der Bundesrepublik und in der EG

Ressort

Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Datum

10.12.1992

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/379020.11.92

Situation der Legehennenhaltung in der Bundesrepublik Deutschland

der Abgeordneten Marianne Klappert, Ingrid Becker-Inglau, Dr. Ulrich Böhme (Unna), Dr. Eberhard Brecht, Klaus Hasenfratz, Dieter Heistermann, Ernst Kastning, Fritz Rudolf Körper, Walter Kolbow, Rolf Koltzsch, Hinrich Kuessner, Eckart Kuhlwein, Brigitte Lange, Dieter Maaß (Herne), Christoph Matschie, Ulrike Mehl, Michael Müller (Düsseldorf), Jan Oostergetelo, Joachim Poß, Margot von Renesse, Bernd Reuter, Lisa Seuster, Horst Sielaff, Heinz-Alfred Steiner, Joachim Tappe, Dr. Gerald Thalheim, Hans-Eberhard Urbaniak, Josef Vosen, Ralf Walter (Cochem), Wolfgang Weiermann, Matthias Weisheit, Hildegard Wester, Dr. Margrit Wetzel, Gudrun Weyel, Verena Wohlleben, Uta Zapf

Vorbemerkung

Die Massentierhaltung im Bereich der Legehennen wirft immer wieder tierschutzrechtliche Probleme auf, da die Haltung in Legebatterien zu einer deutlichen Belastung der Tiere führt.

Pressemeldungen aus diesem Sommer, wonach zahlreiche Tiere den hohen Temperaturen in den Ställen in Verbindung mit der hohen Luftfeuchtigkeit zum Opfer gefallen sind, verdeutlichen diese Problematik. Zudem scheinen auch verstärkte gesundheitliche Gefahren für den Verbraucher durch Produkte aus der Legehennenhaltung nicht auszuschließen zu sein. Eine Beziehung zwischen Infektionen und verschiedenen Haltungsformen scheint möglich. Betriebswirtschaftliche Erfordernisse konkurrieren offensichtlich mit Tierschutzaspekten und gesundheitlichen Gefährdungen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen14

1

Welche Legehennenhaltungsformen werden gegenwärtig in der Bundesrepublik Deutschland betrieben, und wie hoch ist der jeweilige prozentuale Anteil?

2

Welche Gründe sprechen für, welche gegen eine Legebatterie-Haltung

a) aus wirtschaftlicher Sicht,

b) aus Tierschutzgesichtspunkten?

3

Welche betriebswirtschaftlichen bzw. Wettbewerbsnachteile entstehen durch eine andere als die Legebatterie-Haltung insbesondere im Hinblick auf eine eventuelle Verteuerung der Produkte?

4

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über das Verbraucherverhalten beim Eierkauf hinsichtlich der Herkunft der Eier aus bestimmten Haltungsformen vor?

5

Sind — nach Einschätzung der Bundesregierung — die Verbraucher bereit, höhere Produktpreise zu zahlen für Eier aus anderen Haltungsformen als der Batteriehaltung?

6

Verfügt die Bundesregierung über gesicherte Erkenntnisse darüber, worauf die jüngst bekanntgewordenen Salmonellen-Vergiftungen von Eiern zurückzuführen sind?

7

Teilt die Bundesregierung die Auffassung von Prof. Kist, Freiburg, die dieser in der „Panorama"-Sendung vom 12. Juli 1992 geäußert hat, daß die Ursprungsinfektion der Dotterhaut von Hühnereiern mit Salmonellen bereits in den Bruteiern angelegt ist, die Legehennen mithin schon im Kükenstadium salmonellenverseuchte Eierstöcke haben?

Wenn ja, welche Konsequenzen will sie daraus ziehen?

8

Teilt die Bundesregierung die Vermutung, daß bestimmte Nutztier-Haltungsformen die Infektionen mit und die Ausbreitung von Salmonellen begünstigen?

Wenn ja, welche Konsequenzen will die Bundesregierung daraus ziehen?

9

Liegen der Bundesregierung Informationen über Salmonellen Infektionen bei Geflügelzucht- und Legehennenhaltungs-Betrieben in anderen europäischen Ländern vor, insbesondere in solchen mit einer anderen Präferenz als der Legebatterie-Haltung?

10

Befürchtet die Bundesregierung eine Verlagerung der Eierproduktion in andere Mitgliedstaaten der EG bzw. einen zunehmenden Import von Eiern, wenn in der Bundesrepublik Deutschland die Legebatterie-Haltung verboten würde?

Wenn ja, wie quantifiziert die Bundesregierung diese Verlagerung?

11

Wie würde — nach Einschätzung der Bundesregierung — die EG-Kommission einen deutschen Alleingang zugunsten artgerechterer Haltungsformen beurteilen?

12

Wie beurteilt die Bundesregierung die Schweizer Erfahrungen mit dem faktischen Verbot der verbreiteten Legebatterie-Haltung, insbesondere im Hinblick auf das Verbraucherverhalten und die Durchsetzbarkeit des Verbotes gegenüber dem Hersteller und dem Markt?

13

Sieht die Bundesregierung eine Möglichkeit, das Schweizer Modell zur Grundlage einer EG-einheitlichen Legehennenhaltungsverordnung zu machen?

14

Ist die Bundesregierung gegebenenfalls bereit, im Alleingang das Schweizer Modell für die Bundesrepublik Deutschland zu übernehmen?

Bonn, den 20. November 1992

Marianne Klappert Ingrid Becker-Inglau Dr. Ulrich Böhme (Unna) Dr. Eberhard Brecht Klaus Hasenfratz Dieter Heistermann Ernst Kastning Fritz Rudolf Körper Walter Kolbow Rolf Koltzsch Hinrich Kuessner Eckart Kuhlwein Brigitte Lange Dieter Maaß (Herne) Christoph Matschie Ulrike Mehl Michael Müller (Düsseldorf) Jan Oostergetelo Joachim Poß Margot von Renesse Bernd Reuter Lisa Seuster Horst Sielaff Heinz-Alfred Steiner Joachim Tappe Dr. Gerald Thalheim Hans-Eberhard Urbaniak Josef Vosen Ralf Walter (Cochem) Wolfgang Weiermann Matthias Weisheit Hildegard Wester Dr. Margrit Wetzel Gudrun Weyel Verena Wohlleben Uta Zapf

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