Förderung einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung in Familie und Beruf
der Abgeordneten Dr. Marliese Dobberthien, Angelika Barbe, Ludwig Eich, Anni Brandt-Elsweier, Dr. Konrad Elmer, Elke Ferner, Monika Ganseforth, Renate Jäger, Ilse Janz, Siegrun Klemmer, Eckart Kuhlwein, Christa Lörcher, Dr. Christine Lucyga, Ulrike Mascher, Dorle Marx, Dr. Jürgen Meyer (Ulm), Jutta Müller (Völklingen), Dr. Edith Niehuis, Adolf Ostertag, Peter Paterna, Renate Rennebach, Ursula Schmidt (Aachen), Horst Sielaff, Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Antje-Marie Steen, Uta Titze-Stecher, Ralf Walter (Cochem), Hans Wallow, Gerd Wartenberg (Berlin), Dr. Konstanze Wegner, Lydia Westrich, Dr. Margrit Wetzel, Hanna Wolf, Uta Zapf
Vorbemerkung
Im Haushalt einer vierköpfigen Familie sind 216 Qualifikationen notwendig, haben Wissenschaftler festgestellt. Schwere körperliche Arbeit ist zu leisten. In einem Jahr sind sieben Tonnen Geschirr zu bewegen, 30 000 qm Fußboden zu reinigen, 1 825 Töpfe, 5 078 Teller, 14 324 Bestecke abzuwaschen. Diese Arbeit wird vor allem von Frauen geleistet.
Obwohl etwa die Hälfte aller Mütter berufstätig ist, ist Hausarbeit weitgehend Frauen- und Töchtersache geblieben. Auch die Kinderbetreuung und -erziehung ist noch weitgehend den Frauen überlassen. Diese traditionelle Arbeitsteilung innerhalb der Familie findet ihre Fortsetzung in der Erziehung, wenn Töchter zur Mithilfe im Haushalt herangezogen werden, Söhne jedoch nicht.
Kinder und Jugendliche erleben demnach in der eigenen Familie eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, bei der Berufsarbeit Männersache ist und Hausarbeit selbst dann noch als Angelegenheit der Frauen gilt, wenn die Mutter berufstätig ist. Mädchen werden offensichtlich bereits mit der Erziehung auf die Doppelbelastung durch Familie und Beruf vorbereitet. Sie akzeptieren zwar die zwischen den Eltern herrschende Arbeitsteilung, wonach der Vater sich nicht an der Hausarbeit beteiligt, fühlen sich jedoch gegenüber den Brüdern benachteiligt. Die Mädchen möchten deshalb die traditionelle Arbeitsteilung nicht in ihrer eigenen zukünftigen Familie fortsetzen, sondern sie wünschen sich eine partnerschaftliche Haushaltsführung, bei der sich Mann und Frau Haus- und Berufsarbeit teilen. Daher muß schon in der Erziehung die Verantwortlichkeit von Jungen für Familienarbeit verwurzelt werden. Aber nicht nur die Sozialisation spielt eine große Rolle, auch praktische Fertigkeiten in Sachen Haushaltsführung müssen von Jungen erlernt werden. Andernfalls wird weiterhin in vielen Köpfen von Männern ein naives Bild von Haushalt vorherrschen, das der Bedeutung privater Hausarbeit und Haushaltsführung nicht gerecht wird.
Interviews mit 13- bis 15jährigen Schülerinnen, die in Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurden, und repräsentative Untersuchungen zeigen, daß die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für junge Mädchen ein wichtiges Thema ist, nicht jedoch für gleichaltrige Jungen.
Einer repräsentativen Umfrage zufolge, die ebenfalls in Nordrhein-Westfalen stattfand, sind die meisten Männer nicht bereit, zugunsten von Familienarbeit beruflich zurückzustecken. Sie halten statt dessen an der traditionellen geschlechtsspezifischen Rollenverteilung fest und fordern gleichzeitig staatliche Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Wir fragen daher die Bundesregierung:
Fragen14
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß die familiäre Arbeit partnerschaftlich gestaltet werden muß und daß eine partnerschaftliche Arbeitsteilung der besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie förderlich wäre?
Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß die heute vorherrschende Arbeitsteilung zu Lasten der Frauen eine Belastung für Familien und Ehen darstellen kann?
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, Männer und Väter verstärkt zur Beteiligung an der Familien- und Hausarbeit zu bewegen?
Wie müssen die Rahmenbedingungen im Erwerbsleben gestaltet werden, damit eine partnerschaftliche Arbeitsteilung in der Familie realisiert werden kann?
Welche konkreten Vorstellungen hat die Bundesregierung hierzu?
Wie beurteilt die Bundesregierung vor diesem Hintergrund die Diskussion um Arbeitszeitverkürzung vs. Arbeitszeitverlängerung?
Welche Rahmenbedingungen für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind nach Auffassung der Bundesregierung darüber hinaus erforderlich?
Welche Maßnahmen werden von der Bundesregierung derzeit ergriffen, und welche weiteren Maßnahmen sind geplant, um diese Rahmenbedingungen zu schaffen?
Wie beurteilt die Bundesregierung den Vorschlag, die Gewährung von Erziehungsgeld und Erziehungsurlaub an die Voraussetzung zu koppeln, daß Vater und Mutter sich den Erziehungsurlaub teilen?
Überlegt die Bundesregierung, über die momentan vorhandenen Regelungen hinaus, Erziehungszeiten rentenwirksam einzubeziehen?
Wie können Jungen nach Auffassung der Bundesregierung zur Übernahme von Verantwortung für Haushalt und Familie erzogen werden?
Wie beurteilt die Bundesregierung vor diesem Hintergrund die Behandlung des Themas Hausarbeit und partnerschaftliche Arbeitsteilung im Bereich Bildung und Ausbildung?
Welche Maßnahmen will die Bundesregierung ergreifen, um darauf hinzuwirken, daß dieses Thema im Bereich Bildung und Ausbildung verstärkt berücksichtigt wird, damit Jungen und junge Männer zu einem partnerschaftlichen Handeln angeregt werden?
Welche sonstigen Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, eine partnerschaftliche Arbeitsteilung zu fördern, und welche Maßnahmen wird sie hierzu ergreifen?
Ist der Bundesregierung die Ankündigung der österreichischen Frauenministerin Johanna Dohnel bekannt, familienrechtliche Änderungen vorzunehmen, welche Männer zur Mithilfe im Haushalt verpflichten, wie bewertet sie diese Ankündigung, und ist sie gegebenenfalls bereit, einen ähnlichen Weg zu beschreiten?