Atomkraftwerke und Tiefflug
der Abgeordneten Frau Kelly und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen10
Nach Informationen der Bundeskoordinationsstelle der Tieffluggegner beruhen 80 Prozent der Abstürze von militärischen Strahlflugzeugen auf „menschlichem Versagen". In vielen Fällen sollen die Belastungen der Piloten derart groß sein, daß sie teilweise sogar bewußtlos werden. Wie versteht die Bundesregierung unter diesem Aspekt die Äußerung des Bundesministers der Verteidigung: „... besteht im Notfall die Möglichkeit, das Flugzeug auf unbebautes Gebiet zu steuern"?
Gibt es Untersuchungen über die einzelnen Absturzursachen? Wo und wann wurden sie veröffentlicht?
Welche Abstürze sind der Bundesregierung seit 1980 bekannt, in denen die Piloten so frühzeitig den Jet verließen, daß die abstürzende Maschine noch führerlos mehr als 1 500 m zurücklegte?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Aussage des Bundesministers der Verteidigung: „Im übrigen sind Atomkraftwerke baulich gegen einen direkten Aufprall abgesichert", wenn sie selbst zugibt, daß einige überhaupt nicht und andere nur bis zu einem bestimmten Aufprallgewicht geschützt sind?
Warum beruhen die Berechnungen für die Auslegung eines Atomkraftwerkes auf einer angenommenen Absturzgeschwindigkeit von 745 km/h, wenn die „Planungsgeschwindigkeit" eines Phantom-Kampfflugzeuges bei 835 km/h und die „Endanfluggeschwindigkeit" sogar bei 890 km/h liegen?
Warum beruhen die Berechnungen für die Auslegung von Atomkraftwerken auf dem angenommenen Aufprallgewicht von 20 t, wo das gleiche Flugzeug ein maximales Startgewicht von 28 t hat und eine F-15 sogar bis zu 30 t? Üben die Piloten nie unter realistischen Bedingungen, d. h. mit kompletter Waffenladung und voller Betankung?
Sind alle bundesdeutschen Atomkraftwerke in den entsprechenden Tiefflugkarten eingezeichnet? Läßt sich anhand des Symbols erkennen, daß es sich bei den Objekten um Atomkraftwerke handelt?
Nach Angaben der Bundeskoordinationsstelle der Tieffluggegner soll sich in unmittelbarer Nähe des AKW Biblis eine 75 m Tiefstflugschneise befinden, die „Verbindungsstrecke 19". Gibt es diese Tiefstflugstrecken wirklich? Werden sie noch genutzt? Falls nicht, warum sind sie dann in den neuesten Karten eingezeichnet?
Wie erklärt sich die Bundesregierung die Tatsache, daß am 17. Februar 1989 eine F-16 über das AKW Gundremmingen flog, wenn die Piloten dieses „bei der Vorbereitung von Tiefflügen aussparen"?
Wann und wie wurden die Alliierten darüber informiert, daß es eine erweiterte Schutzzone für AKW gibt?