Dioxinbildung bei der Verbrennung von Pfiffikus und anderen C-Kampfstoffen in Munster
der Abgeordneten Frau Garbe und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Seit 1916 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war das Gelände des heutigen Truppenübungsplatzes Munster-Nord als Gasplatz Breloh maßgebliches Zentrum der deutschen Giftgasherstellung und -erprobung. Jeweils nach Ende des Ersten und Zweiten Weltkriegs vollzog sich in diesem Areal die ungeordnete Vernichtung von zehntausenden Tonnen an Kampfstoffbeständen durch Explosionen, Verscharren und Verbrennen in offenen Eisenwannen. Noch bis 1975 wurden auf dem Gelände offene Verbrennungen der Kampfstoffe fortgesetzt. Seit 1982 werden die Kampfstoffe in der Kampfmittelbeseitigungsanlage der Wehrwissenschaftlichen Dienststelle der Bundeswehr für ABC-Schutz (WWDBw) in Munster unter Nachschaltung einer Rauchgaswäsche vernichtet.
Auf dem Truppenübungsplatz Munster-Nord wurden in den vergangenen Monaten Arsenkonzentrationen bis zu 750 mg pro Kilogramm Boden ermittelt. Wegen Kampfmittelverseuchung waren bereits in den vergangenen Jahrzehnten 370 Hektar des mehr als 11 000 Hektar großen Truppenübungsplatzes gesperrt. Aufgrund der bekanntgewordenen Arsenverseuchung wurden Ende Januar dieses Jahres ein weiterer Quadratkilometer in der Mitte des Platzes und kurze Zeit später das gesamte Areal für den Übungsbetrieb gesperrt.
Im Bereich Munster wurden seit Jahrzehnten auch aromatische Chlorarsenverbindungen wie Pfiffikus, Blaukreuz, Adamsit und aromatische Bromverbindungen wie Weißkreuz eingesetzt und durch Verbrennung vernichtet. Solche Verbindungen neigen bei der Verbrennung zur Dioxinbildung.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Sieht die Bundesregierung das Problem, daß bei der Verbrennung der genannten Kampfstoffe die Entstehung von Dioxinen nicht ausgeschlossen werden kann?
Welche Mengen an Pfiffikus und anderen halogenierten Kohlenwasserstoffen sind seit 1916 auf dem Gelände des alten Gasplatzes Breloh bzw. dem später hinzugekommenen militärischen Gelände bei Munster verbrannt worden?
Kann die Bundesregierung ausschließen, daß es hierbei zu einer Dioxinverseuchung des Geländes gekommen ist?
Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Dioxinbelastung des Geländes in Munster-Nord ein?
Hat die Bundesregierung Messungen der Dioxinbelastung des Truppenübungsplatzes Munster-Nord vornehmen lassen oder sind solche geplant?
Wenn nein, warum nicht?
Wenn ja, welches waren die Ergebnisse?
Kann die Bundesregierung die Entstehung von Dioxinen bei der in Kürze wieder in Betrieb gehenden C-Kampfstoff-Verbrennungsanlage der WWDBw in Munster ausschließen?
Wenn nein, warum hat die Bundesregierung bis zum heutigen Tag keine Dioxinmessungen im Abgas der Kampfstoffbeseitigungsanlage vorgenommen?
Was wird die Bundesregierung unternehmen, um die mögliche Dioxinbelastung des Truppenübungsplatzes Munster-Nord zu überprüfen und gegebenenfalls die Truppe und die umliegende Bevölkerung vor der Belastung mit diesem Supergift durch Staubverwehungen u. a. zu schützen?