Zur Existenzgefährdung der Yanomami-Indianer und der damit verbundenen Vernichtung des Regenwaldes durch Goldsucher
der Abgeordneten von Schmude, Frau Seiler-Albring, Kühbacher, Frau Vennegerts, Deres, Nehm, Dr. Schroeder (Freiburg)
Vorbemerkung
Vorbemerkung
Der Goldrausch in dem brasilianischen Bundesstaat Roraima hat sich für die Yanomami-Indianer zu einer lebensbedrohenden Existenzgefährdung zugespitzt.
Obwohl den Indianern in Kapitel 8 der brasilianischen Verfassung die alleinige Nutzung des Landes, das sie traditionell besetzen, zugesprochen wird, dringen täglich neue illegale Goldsucher, deren Zahl inzwischen auf über 100 000 geschätzt wird, in diese Gebiete ein.
Sie zerstören die unwiederbringliche Regenwaldvegetation und entziehen damit den Ureinwohnern die Lebensgrundlage. Von 120 illegalen Landepisten aus dringen die Goldsuchertrupps vor, vertreiben und töten die Indianer, schleppen Infektionskrankheiten ein, verseuchen die Flüsse mit Quecksilber und lassen die Gebiete als Wüste zurück.
Diese ernsthafte Bedrohung der Indianer und des tropischen Regenwaldes hat inzwischen ein Ausmaß erreicht, das ein sofortiges Einschreiten zu einer erfolgreichen Rettung dieses Lebensraumes erforderlich macht.
Wir fragen deshalb die Bundesregierung:
Fragen13
Welche Zahlen und Informationen liegen der Bundesregierung bezüglich der Vernichtung des tropischen Regenwaldes weltweit und insbesondere in Brasilien vor?
Sind der Bundesregierung Zahlen bekannt, die den Waldverlust in Brasilien nach den Ursachen Brandrodung, geplante Großprojekte, unsachgemäße Holznutzung und Vernichtung durch die Goldsucher differenzieren?
Wie beurteilt die Bundesregierung die rechtliche und faktische Situation der Yanomami-Indianer in Brasilien?
Welche Maßnahmen der brasilianischen Indianerschutzbehörde (FUNAI) sind der Bundesregierung zu diesem Problemkreis bekannt?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Zerstörung des tropischen Regenwaldes durch die Goldsucher?
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, Maßnahmen zu treffen, die sowohl die Bedrohung der Indianer als auch die Vernichtung der Regenwaldes stoppen könnten?
Schätzt die Bundesregierung die Vergabe von Krediten und von Entwicklungshilfe an Brasilien, die mit Bedingungen für eine Lösung des Yanomami-Konfliktes verbunden sind, als eine geeignete Maßnahme zur Rettung dieses Naturvolkes ein?
Welche Projekte werden auf der Grundlage des mit der brasilianischen Regierung 1988 vereinbarten 3-Jahres-Programms der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit durchgeführt, und werden die vereinbarten Zielsetzungen erreicht?
Liegt bzw. liegen eines oder mehrere dieser Projekte im Stammesgebiet der Yanomami-Indianer?
Welche Maßnahmen und Absprachen hat die Bundesregierung im Rahmen dieses Entwicklungsprojektes zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Yanomami-Indianer getroffen bzw. gedenkt sie zu treffen?
Ist die Bundesregierung bereit, eine Bildungsoffensive in brasilianischen Schulen und Universitäten zugunsten bildungswilliger Yanomami-Indianer anzuregen und zu unterstützen?
Welche weiteren Beiträge kann die Bundesregierung zur Unterstützung Brasiliens bei diesem Problem leisten?
Sieht die Bundesregierung die Möglichkeit, den Yanomami-Indianern durch ihren Einfluß bei der UNO, der Weltbank und anderen supranationalen Organisationen helfen zu können?