Geplanter Pionierübungsplatz Westertimke
des Abgeordneten Werner (Dierstorf) und der Fraktion DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Der Rat der Gemeinde Westertimke hat sich am 3. März 1986 einstimmig hinter die Bürgerinitiative zur Verhinderung eines geplanten Übungsgeländes für niederländische Pioniere gestellt.
Der Rat lehnt das Projekt aus folgenden Gründen ab:
- Das gesamte Gelände befindet sich im Wasserschutzgebiet. Die drohende Verseuchung des Grundwassers durch größere Mengen auslaufenden Getriebeöls sowie Hydrauliköls (PCP-haltig) könnte zur Schließung der Trinkwasserbrunnen führen.
- Ein großer Teil der vorgesehenen Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet. Militärische Aktivitäten würden die Tier- und Pflanzenwelt nicht nur dort, sondern auch in dem sich anschließenden „Ostenmoor" und "Erlenbruchwald" empfindlich stören. Auch die Westertimker Jägerschaft schließt sich dem Protest an.
- Das Neubaugebiet Westertimke, das erst in den letzten Jahren entstanden ist, schließt sich direkt an das geplante Übungsgelände an. Es ist ein Skandal, daß eine Behörde Baugrundstücke an Privatpersonen verkauft und ihnen ein paar Jahre später einen Truppenübungsplatz an den Grundstücksgrenzen zumutet. Die Häuser sind nicht nur in ihrem Wert gemindert, sie werden wertlos.
- Das Problem Bodenerosion ist historisch belegt. Das Ortsrandgebiet „Buddenkuhle" bestand im wesentlichen aus aufgewehten Sanddünen. In früheren Zeiten war man froh, durch Kieferanpflanzungen einen Bewuchs auf das Gelände zu bekommen. Der Name „Weihsand" für ein Waldstück westlich der Timke-Kaserne spricht für sich. Wenn im betroffenen Gebiet tiefe Gräben gezogen werden, wird bei den in Westertimke vorwiegend herrschenden Windverhältnissen der Flugsand zu einer unerträglichen Belästigung führen. Es ist ein Irrtum zu glauben, das so bearbeitete Gelände würde sich rekultivieren; der Mutterboden wird durch die ständigen Erdbewegungen total zerstört und der Verlust landwirtschaftlicher Fläche wäre – bezogen auf die hier vorhandenen Betriebsgrößen – zu beklagen.
- Die jetzige Lärmbelästigung durch Tiefflüge als Angriffsübungen auf die Einrichtungen des Standortes Westertimke sowie die dauernden Truppenbewegungen zu den umliegenden Kampfeinheiten haben bereits jetzt die Grenze der akzeptablen Verträglichkeit erreicht. Nach eigenen Aussagen der niederländischen Streitkräfte sollen etwa an 180 Tagen jährlich Übungen in diesem Gelände stattfinden. 180 Tage im Jahr das bedeutet, wenn man alle Feiertage und Wochenenden nicht rechnet, eine tägliche Gefährdung, insbesondere für unsere Kinder.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen4
Wie beurteilt die Bundesregierung die Gefahren, die entstehen, wenn in einem Wasserschutzgebiet ein großflächiges Pionierübungsgelände genehmigt wird, in welchem nicht sichergestellt werden kann, daß keine Getriebe- oder Hydrauliköle in Boden und Grundwasser gelangen?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Sachlage, daß in einem Wasserschutzgebiet mit intensiver Landwirtschaft die landwirtschaftliche Nutzung abrupt eingestellt wird und keine ausreichende Begrünung des Bodens den Nitrateintrag in das Grundwasser verhindert? Mit welchem Nitratanstieg des Grundwassers ist dann jährlich zu rechnen? Wie hoch ist der Nitratgehalt des oberflächennahen Grundwassers in diesem Gebiet zur Zeit?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Tatsache, daß fast die Hälfte der vorgesehenen Fläche im Landschaftsschutzgebiet liegt? Wie wird sich nach Meinung der Bundesregierung die Fauna und Flora im Landschaftsschutzgebiet nach einer Inbetriebnahme des Übungsplatzes entwickeln? Da im Falle einer Inbetriebnahme des Pionierübungsplatzes wahrscheinlich mit Bodenschädigung durch Winderosion zu rechnen ist, was gedenkt die Bundesregierung dagegen zu unternehmen?
Wird die Bundesregierung dieses Projekt auch gegen den Willen der schon jetzt durch Tiefflieger und ständige Truppenbewegungen schwer belasteten Bevölkerung durchsetzen? Ist der Bundesregierung bekannt, daß fast 500 Einwohner sich mit Unterschriften gegen dieses Projekt gewandt haben und nur vier Westertimker den Aufruf „Nein zum Truppenübungsplatz Westertimke" nicht unterschrieben haben?