Aktueller Umsetzungsstand der Ergebnisse des Runden Tisches zur Förderung von Frauen in Kultur und Medien
der Abgeordneten Simone Barrientos, Dr. Petra Sitte, Doris Achelwilm, Birke Bull-Bischoff, Anke Domscheit-Berg, Brigitte Freihold, Nicole Gohlke, Cornelia Möhring, Katrin Werner und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Frauen sind im Kultur- und Medienbereich noch immer strukturell benachteiligt und unterrepräsentiert. Sie verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen, selbst bei gleicher Qualifikation. Bei renommierten und höher dotierten Stellen und Funktionen sind sie deutlich geringer vertreten als Männer. All dies hat u. a. die Studie des deutschen Kulturrates von 2016 gezeigt. Die Studie ergab zudem, dass Frauen in der öffentlichen Kulturförderung und am Kunstmarkt unterrepräsentiert sind. Ebenso sind Frauen in Gremien, Jurys und in Führungspositionen deutlich geringer vertreten als ihre männlichen Kollegen (Schulz, Ries, Zimmermann (Hrsg.): Frauen in Kultur und Medien. Ein Überblick über aktuelle Tendenzen, Entwicklungen und Lösungsvorschläge. 2016). Eine strukturelle und praktische Förderung von Frauen in der Kultur ist notwendig.
Der Runde Tisch „Frauen in Kultur und Medien“ hat im Dezember 2016 seine Arbeit aufgenommen. Dort wurden konkrete Vorschläge erarbeitet, wie eine Gleichstellung von Frauen in Kultur- und Medienbranchen erreicht werden kann. Am 30. März 2017 wurden sechs Hauptforderungen durch die Mitglieder des Runden Tisches formuliert: Paritätische Besetzung von Jurys und Gremien im Zuständigkeitsbereich der Kulturstaatsministerin, Gender-Monitoring durch kontinuierliche Datenerhebung, Verleihung frauenspezifischer Preise durch die Kulturstaatsministerin, Verbesserung der sozialen Situation von Künstlerinnen und Mentoring. Zahlreiche weitere konkrete Maßnahmen wurden von Arbeitsgruppen herausgearbeitet und eingebracht (www.bundesregierung.de/Content/DE/ StatischeSeiten/Breg/BKM/RunderTisch/artikel/2017-07-20-runder-tisch-frauen.html).
Die Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters stellte im Juli 2017 konkrete Maßnahmen vor, mit denen diese sechs Kernforderungen umgesetzt werden sollen. So kündigte sie an, bei bestehenden Neuberufungen von Jurys ab 1. Januar 2018 eine Besetzung von mindestens 50 Prozent Frauen und in der Kulturförderung eine paritätische Verteilung zu erreichen (www.bundesregierung. de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/BKM/RunderTisch/artikel/2017-07-20- runder-tisch-frauen.html).
Mit der vorliegenden Kleinen Anfrage sollen die durchgeführten und geplanten Maßnahmen sowie ihre Wirkung erfragt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen29
Welche Jurys, die im Zuständigkeitsbereich der Kulturstaatsministerin Monika Grütters liegen, vergeben Mittel zur Kulturförderung (bitte alle benennen)?
Wie ist der Geschlechteranteil derzeit innerhalb dieser Jurys jeweils verteilt?
Hat in dem Zeitraum ab Juli 2017 eine Neuberufung einer Jury, die im Zuständigkeitsbereich der Kulturstaatsministerin liegt, stattgefunden (wenn ja, bitte benennen)?
Wenn Neuberufungen einer Jury, die im Zuständigkeitsbereich der Kulturstaatsministerin Monika Grütters liegt, stattgefunden haben, wie hoch war hier jeweils der Anteil von Frauen an der Gesamtgröße der Jury?
Welche Jurys und Kommissionen, die im Zuständigkeitsbereich der Kulturstaatsministerin Monika Grütters liegen, sollen während der aktuellen Legislaturperiode neu berufen werden?
Wie plant die Kulturstaatsministerin Monika Grütters konkret, eine paritätische Mittelvergabe im Rahmen der öffentlichen Kulturförderung zu erreichen?
Wann sind die nächsten Treffen des Runden Tisches „Frauen in Kultur und Medien“ geplant?
Wie erfolgt die Auswahl der Teilnehmenden des Runden Tisches „Frauen in Kultur und Medien“?
Welche frauenspezifischen Förderpreise der Bundesregierung gab es von 2015 bis heute (bitte alle inklusive Datum der Vergabe benennen)?
In wessen Verantwortung liegt die Neukonzeption des GABRIELE MÜNTER PREISES, und wann ist mit einem Ergebnis zu rechnen (Antwort auf die Schriftliche Frage 72 der Abgeordneten Simone Barrientos auf Bundestagsdrucksache 19/2217)?
Ist die Einführung weiterer frauenspezifischer Preise und Stipendien geplant, und wenn ja, welche, und für wann?
Wie hoch sind die Kosten des Projektbüros „Frauen in Kultur & Medien“ im Jahr (bitte nach unterschiedlichen Kostenpunkten aufschlüsseln)?
Wieviel Geld erhält das Projektbüro aus dem Einzelplan 04 BKM im Jahr?
Wer ist außerdem in welcher Form und Höhe an der Finanzierung des Projektbüros beteiligt?
Innerhalb welches Zeitraums erhält das Projektbüro eine Förderung durch das Bundesministerium Kultur und Medien?
Ist eine Fortsetzung der Arbeit des Projektbüros im Anschluss an den Förderzeitraum geplant?
Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten aktuell in dem Projektbüro (bitte aufschlüsseln nach Vollzeit- und Teilzeitstellen, Honorarmitarbeiterinnen und Honorarmitarbeitern und Praktikantinnen und Praktikanten), und wie hat sich die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Gründung des Büros entwickelt?
Hat die Erarbeitung ergänzender Datenreports zu spartenspezifischen Einzelrecherchen, unter Verantwortung der Projektbüros, bereits begonnen, und für wann ist eine Präsentation der Ergebnisse geplant?
Nach welchen Kriterien und von wem wurden die Mentorinnen und Mentoren des Mentoring-Programms des Projektbüros „Frauen in Kultur und Medien“ ausgewählt?
In welcher Form und von wem wurden die Mentorinnen und Mentoren für das Mentoring-Programm fortgebildet und informiert?
Wie wird die Arbeit der Mentorinnen und Mentoren evaluiert?
Wurde für das Mentoring-Programm geworben? Wenn ja, in welcher Form?
Nach welchen Kriterien wurden die Mentees ausgewählt? Wurde bei der Auswahl der Mentees insbesondere die soziale und geographische Herkunft berücksichtigt? Wenn ja, in welcher Form?
Wie viele Personen haben sich für das Mentoring-Programm beworben, und wie viele wurden ausgewählt?
Wer hat die Auswahl der Mentees getroffen?
Ist ein Förderprogramm geplant, das junge weibliche Kunstschaffende bei dem Einstieg in den Kulturbetrieb unterstützt?
Hat der angekündigte Austausch der Kulturstaatsministerin Monika Grütters mit der Bundesagentur für Arbeit stattgefunden, durch den sie Erkenntnisse gewinnen wollte, wie kreative Frauen nach der Familienphase schneller wieder in ihren Beruf zurück vermittelt werden (Quelle: www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/BKM/RunderTisch/artikel/2017-07-20- runder-tisch-frauen.html)?
Wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Plant die Kulturstaatsministerin, auf der Grundlage des Austauschs mit der Bundesagentur für Arbeit konkrete Maßnahmen zu erarbeiten?