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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

EU-Asien-Konnektivitätsstrategie

(insgesamt 9 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Auswärtiges Amt

Datum

10.07.2019

Aktualisiert

20.01.2023

Deutscher BundestagDrucksache 19/1078307.06.2019

EU-Asien-Konnektivitätsstrategie

der Abgeordneten Alexander Kulitz, Alexander Graf Lambsdorff, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Thomas L. Kemmerich, Dr. Marcel Klinge, Michael Georg Link, Bernd Reuther, Dr. Stefan Ruppert, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Michael Theurer, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Im September 2018 präsentierten die Europäische Kommission und die Hohe Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik Federica Mogherini ihre EU-Asien-Strategie („Connecting Europe and Asia – Building blocks for an EU strategy“) zur besseren Verbindung von Europa und Asien. Diese wurde in der Folge dem Rat der Europäischen Union vorgelegt und im Oktober 2018 von ihm angenommen (Dokumentennummer des Rats: 12720/18). Die EU-Asien-Strategie zielt vor allem auf die Verbesserung von Verkehrsnetzen, Energienetzen und digitale Netzen ab (https://ec.europa.eu/germany/news/20190919_de). Zudem sollen aber auch die Beziehungen zwischen den Menschen gefördert werden.

Außerdem umfasst die Strategie die Förderung von Konnektivitätspartnerschaften mit Ländern in Asien und regionalen Organisationen sowie die Förderung nachhaltiger Finanzierungen durch den Einsatz verschiedener Finanzierungsinstrumente. Mogherini äußerte, dass der europäische Ansatz für eine nachhaltige Konnektivität auf dem Respekt für gemeinsame Regeln basiere (http://europa.eu/rapid/press-release_IP-18-5803_de.htm). Dieser europäische Ansatz muss zwingend auch als eigene Antwort auf die sogenannte Belt and Road Initiative (BRI) der Regierung der Volksrepublik China gesehen werden. In seiner Fokussierung auf nachhaltige, umfassende sowie auf Regeln basierende Konnektivität beruht er aber auch teilweise auf einer während des 13. Asia-Europe Foreign Ministers’ Meetings (ASEM FMM 13) im November 2017 beschlossenen, gemeinsamen Definition von Konnektivität zwischen europäischen und asiatisch-pazifischen Staaten (www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/regionaleschwerpunkte/asien/asem-day/1668172). Kaum Erwähnung findet in der EU-Asien-Strategie erstaunlicherweise Zentralasien. Angesichts der großen Wachstumspotenziale Zentralasiens finden die Fragesteller, dass dieser Teil der Erde in der EU-Asien-Strategie zu wenig Berücksichtigung erhält.

Laut der EU-Asien-Strategie der Europäischen Kommission beläuft sich der interkontinentale Handel zwischen Europa und Asien auf ein jährliches Volumen von 1,5 Trillionen Euro und macht 60 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts aus. Gerade die Wachstumsregion Zentralasien (Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan) bietet nach Ansicht der Fragesteller vielfältige Möglichkeiten für die deutsche Wirtschaft, insbesondere in der Energie-, Bau- und Logistikbranche. Die deutsche Außenhandelsbilanz mit Zentralasien betrug 2018 5,3 Mrd. Euro (AHK Zentralasien) und weist damit über die letzten Jahre eine sich stabilisierende Entwicklung auf. Pläne für eine Neugründung der Zentralasiatischen Union während des Zentralasiatischen Gipfels im letzten Jahr deuten auf den Willen zu einer stärkeren Marktliberalisierung, zu rechtsstaatlichen Reformen und zu einer besseren internationalen Zusammenarbeit hin. Diese Entwicklungen scheinen dennoch in der neuen EU-Asien-Strategie der Europäischen Kommission nicht genügend berücksichtigt zu werden. Als einzig ausgewiesenes europäisches Investitionsprojekt in Zentralasien wird dort das von der Europäischen Investitionsbank (EIB) mit 70 Mio. Euro geförderte, sogenannte „Electricity Transmission System“ angeführt. Auch im Finanzrahmen der Europäischen Union für die Jahre 2021 bis 2027 wird ganz Asien sowie der pazifische Raum zusammengenommen lediglich mit einer Summe von 10 Mrd. Euro für u. a. Investitionen bedacht. Dies ist weitaus weniger als zum Beispiel Subsahara-Afrika oder der „EU-Nachbarschaft“ zugedacht werden. Gerade aber der zentralasiatischen Region kommt eine Brückenrolle der Konnektivität zwischen der Europäischen Union und der Volksrepublik China zu.

Im April 2019 fand das zweite Belt and Road Forum in Peking statt, zu dem Präsident Xi Jingping 37 Staatschefs sowie weitere Vertreter aus rund 150 Ländern einlud (www.nzz.ch/wirtschaft/xi-jinping-besaenftigt-beim-belt-and-road-forumdie-gemueter-ld.1477961). Nach dem ersten Belt and Road Forum 2017 ist viel passiert. Insbesondere ist es der Volksrepublik China gelungen mit einigen EU-Mitgliedsländern bilaterale bzw. multilaterale Verträge und Absichtserklärungen innerhalb der sogenannten 16+1 abzuschließen. Aber auch Zentralasien wird von China viel Aufmerksamkeit gewidmet. Es bildet als Zwischenhandelsplatz entlang der „Neuen Seidenstraße“ einen Fokus chinesischer Investitionen in ein interkontinentales Streckennetz. Erste Sorgen zu Überschuldung, Umweltverschmutzung und der Diskriminierung lokaler Arbeitskräfte bei chinesischen Projekten wurden in der Abschlusserklärung des diesjährigen Belt and Road Forums erhört und Verträge sollen entsprechend angepasst werden. Chinesische Unternehmen drohen aufgrund massiver staatlicher Hilfe und massiven staatlichen Drucks deutschen und europäischen Unternehmen in Zentralasien bei Chancen auf zukünftige Großaufträge im Energie- und Logistikbereich zuvorzukommen. Der damit einhergehende Export chinesischer Konnektivitätsstandards, die weniger nachhaltig sind und auf weniger fairen Rahmenbedingungen basieren, dafür aber mindestens so umfassend sind, liegt auf der Hand. Die geringe Aufmerksamkeit, welche Zentralasien in der EU-Asien-Strategie der Europäischen Kommission zu Teil wird, sehen wir daher mit Sorge.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

Sieht die Bundesregierung die EU-Asien-Konnektivitätsstrategie der EU-Kommission als ausreichend an, um freien und international regelbasierten Handel zukünftig zwischen der EU und der Volksrepublik China zu fördern?

2

Hat die Bundesregierung Kenntnisse von Überlegungen zu einer geplanten europäisch-eurasischen Außenhandelsstrategie?

a) Wenn ja, wie sehen diese aus?

b) Wenn nein, warum nicht?

3

Gibt es seitens der Bundesregierung Überlegungen oder Pläne zu einer Überarbeitung der EU-Asien-Konnektivitätsstrategie auf EU-Ebene?

a) Wenn ja, wie sehen diese aus?

b) Wenn nein, warum nicht?

4

Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus den von China innerhalb der BRI gesetzten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (unter Berücksichtigung der drei europäischen Konnektivitätsprioritäten: nachhaltig, umfassend, regelbasiert) bei chinesischen Infrastruktur-, Energie- und Logistikprojekten in den zentralasiatischen Staaten Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan?

5

Welche Konsequenzen sieht die Bundesregierung für die Entwicklung der deutsch-zentralasiatischen Wirtschaftsbeziehungen mit voranschreitender Vertiefung von BRI?

6

Sieht die Bundesregierung Vorteile für die Entwicklung der deutsch-zentralasiatischen Wirtschaftsbeziehungen in einer sich neu formierenden Zentralasiatischen Union (CAU) als Ergänzung der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Zentralasien?

7

Sieht die Bundesregierung Potenziale in den von der EU-Kommission angesprochenen „Regional Cooperation Approach“ innerhalb der Konnektivitätsstrategie (auch unter Berücksichtigung einer möglichen Zentralasiatischen Union)?

8

Sind der Bundesregierung Details zu den Plänen einer geplanten europäischen Zentralasienstrategie bekannt?

9

Hat die Bundesregierung eigene, deutsche Pläne für eine Zentralasienstrategie?

a) Wenn ja, wie sehen diese aus?

b) Wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 29. Mai 2019

Christian Lindner und Fraktion

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