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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Vorbereitung der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen auf Hitzewellen
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium für Gesundheit
Datum
02.09.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1242415.08.2019
Vorbereitung der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen auf Hitzewellen
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 19/12424
19. Wahlperiode 15.08.2019
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Andrew Ullmann, Michael Theurer, Renata Alt, Jens Beeck,
Christian Dürr, Dr. Marcus Faber, Katrin Helling-Plahr, Dr. Christoph Hoffmann,
Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Karsten Klein, Dr. Marcel Klinge, Konstantin Kuhle,
Michael Georg Link, Oliver Luksic, Matthias Seestern-Pauly,
Bettina Stark-Watzinger, Katja Suding, Manfred Todtenhausen,
Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbereitung der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen auf Hitzewellen
Klimamodelle sagen voraus, dass die extremsten Hitzesommer in Zukunft
häufiger werden. Auf die Folgen des Temperaturanstiegs und damit verbunden
intensiveren Hitzewellen für die Gesundheit der Menschen macht eine Studie in der
Fachzeitschrift Lancet aus dem Jahr 2018 aufmerksam. Die Ergebnisse zeigen,
dass der Klimawandel schon heute die Gesundheit von Millionen Menschen
gefährde (Watts, Nick et al. (2018): The 2018 report of the Lancet Countdown on
health and climate change: shaping the health of nations for centuries to come,
Lancet). Danach waren 2017 18 Millionen mehr gefährdete Personen Hitzewellen
ausgesetzt als 2016. Im Vergleich zum Jahr 2000 waren es 157 Millionen mehr.
Als hitzegefährdert gelten Menschen, die an Diabetes, einer Herz-Kreislauf-
Erkrankung oder chronischen Atemwegsproblemen leiden oder über 65 Jahre alt
sind, vor allem wenn sie in Städten leben. Dort steigen die Temperaturen
verhältnismäßig stark. Zwischen 1986 und 2017 betrug der Unterschied in
dichtbesiedelten Gebieten 0,8 Grad Celsius. Im gleichen Zeitraum stieg die weltweite
Durchschnittstemperatur nur um 0,3 Grad Celsius. Allein in Berlin sind im
vergangenen Sommer knapp 500 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben,
berichtet das Robert Koch-Institut. Wissenschaftler bestätigen, dass die Sterbequote
an heißen Tagen mit mehr als 30 Grad Celsius um etwa ein Zehntel und die
Krankenhauseinlieferungen um ein Zwanzigstel steigen (Karlsson, Martin &
Ziebarth, Nicolas (2018): Population health effects and health-related costs of
extreme temperatures: Comprehensive evidence from Germany, Journal of
Environmental Economics and Management).
Krankenhäuser sehen sich jedoch mit der erhöhten Belastung im Zusammenspiel
mit den steigenden Temperaturen überlastet. Nur in wenigen Pflegeeinrichtungen
kann ein hinreichender Patientenschutz durch eine umfangreiche Ausstattung mit
klimatechnischen Regulierungseinrichtungen wie Klimaanlagen gewährleistet
werden. Dies führt dazu, dass Patienten unter erheblichen Kreislaufproblemen,
Dehydrierung sowie Schwächeanfällen leiden und einer teils lebensbedrohlichen
Situation ausgesetzt werden (Müller, Andreas (2017): Auch Kliniken kämpfen
mit der Hitze, Stuttgarter Zeitung). Angesichts der riesigen Finanzlücken für Bau
und Erhalt der Häuser seien zusätzliche Millionenausgaben für die Kühlung der
Zimmer aber derzeit undenkbar (Schraa, Rolf (2018): Kein Geld für
Klimaanlagen – Hitzestress im Krankenzimmer, WAZ). Bisher gibt es keine Regeln, wie
warm es in Pflegeeinrichtungen sein darf.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Sind nach Auffassung der Bundesregierung Gesundheits- und
Pflegeeinrichtungen ausreichend auf die Zunahme von Hitzewellen vorbereitet?
2. Wie bewertet die Bundesregierung das Ausmaß von Hitze für die öffentliche
Gesundheit in Deutschland?
3. Wie groß waren nach Kenntnissen der Bundesregierung die gesundheitlichen
Folgen und damit verbunden die gesamtwirtschaftlichen Kosten der
Hitzewelle des Jahres 2018 in Deutschland?
4. Wie vielen Allgemeinkrankenhäusern in Deutschland mangelt es nach
Kenntnissen der Bundesregierung an einer hinreichenden Klimatechnik zur
Raumluftregulierung?
5. Wie hoch schätzt die Bundesregierung den Investitionsbedarf für die
Implementierung klima- und insbesondere CO2-neutraler
Raumluftregulierungsanlagen in den Allgemeinkrankenhäusern?
6. Welchen Handlungsbedarf sieht die Bundesregierung angesichts des hohen
Anteils von Pflegeeinrichtungen, deren Patientenzimmer nicht mit
Klimaanlagen oder sonstigen Vorrichtungen ausgestattet sind?
7. Wie hoch schätzt die Bundesregierung den Investitionsbedarf, um die
notwendige Ausstattung der Pflegeinrichtungen zu gewährleisten?
8. Wie wird nach Kenntnis der Bundesregierung bei der Beschaffung von
Raumluftregulierungsanlagen der Aspekt der Klima- insbesondere CO2-
Neutralität, insbesondere bei der öffentlichen Auftragsvergabe,
berücksichtigt?
9. Welche Informationen liegen der Bundesregierung vor, die die
Auswirkungen von Hitze auf die Behandlungsdauer sowie die Behandlungskosten der
Patienten belegen?
Berlin, den 31. Juli 2019
Christian Lindner und Fraktion]
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