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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Presse- und Medienfreiheit in Europa: Montenegro
(insgesamt 19 Einzelfragen)
Fraktion
FDP
Ressort
Auswärtiges Amt
Datum
26.09.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1272827.08.2019
Presse- und Medienfreiheit in Europa: Montenegro
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Thomas Hacker, Katja Suding, Renata Alt,
Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Britta Katharina Dassler,
Christian Dürr, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Otto Fricke, Peter Heidt,
Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Katja Hessel, Manuel Höferlin,
Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek,
Gyde Jensen, Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Konstantin Kuhle,
Alexander Kulitz, Michael Georg Link, Oliver Luksic, Alexander Müller,
Dr. Stefan Ruppert, Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Matthias Seestern-Pauly,
Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Michael Theurer,
Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Presse- und Medienfreiheit in Europa: Montenegro
Jährlich veröffentlicht die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ (ROG) eine
Rangliste, in der einzelne Länder nach dem jeweiligen Grad der Pressefreiheit
gelistet werden. Es fällt auf, dass Europa beim neuesten veröffentlichten
Ranking von April 2019 eine der Regionen mit der stärksten Verschlechterung
der Lage der Pressefreiheit ist. Auch in den Ranglisten der vergangenen Jahre
war dieser Trend bereits zu erkennen (vgl. www.tagesschau.de/ausland/
pressefreiheit-125.html).
Presse- und Medienfreiheit sind Grundpfeiler der freien Willensbildung und
somit elementar für eine demokratische Gesellschaft und um ein selbstbestimmtes
Leben führen zu können. Die Bedrohung dieser Freiheiten ist vielseitig. Es ist
zum Beispiel zu beobachten, dass auf der einen Seite in manchen europäischen
Ländern versucht wird, Zeitungen unter staatliche Regulierung zu nehmen und
dass Gewalt gegenüber Journalisten zunimmt. Auf der anderen Seite üben
externe Akteure negativen Druck auf die Presse- und Medienlandschaft in
einzelnen Ländern aus.
Ein Schlusslicht im europäischen Vergleich ist der Westbalkanstaat Montenegro
(MNE). MNE belegt nur Platz 104 von 180 des oben erwähnten Rankings. Im
neusten Fortschrittsbericht der Europäischen Kommission, wie auch in denen
der vergangenen Jahre, wurden keine Fortschritte im Bereich der Stärkung von
Presse- und Medienfreiheit festgestellt. Die EU-Kommission rät MNE im
Bericht von 2019 konkret, die Aufklärung von Fällen von Gewalt gegenüber
Journalisten voranzutreiben und den öffentlichen Sender „Radio and Television of
Montenegro“ (RTCG) und andere Medienbetriebe vor politischer
Einflussnahme zu schützen (https://ec.europa.eu/neighbourhood-enlargement/sites/near/
files/20190529-montenegro-report.pdf).
Das Ausmaß der Gefährdung von Journalisten in MNE zeigt zum Beispiel der
Fall von Olivera Lakić, eine Journalistin der größten montenegrinischen Tages-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/12728
19. Wahlperiode 27.08.2019
zeitung „Vijesti“. Nach einem Bericht über illegalen Zigarettenschmuggel
wurde Lakić vor ihrem Apartment in Podgorica aufgelauert und man schoss ihr ins
Bein. Die Aufklärung des Falles ist über ein Jahr nach dem Verbrechen noch
immer nicht abgeschlossen (https://freedomhouse.org/blog/montenegro-eu-
accession-front-runner-moves-backward-media-freedom).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung von ROG, wonach Presse- und
Medienfreiheit in MNE starke Defizite aufweisen?
2. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung des Fortschrittsberichts der
EU-Kommission von 2019, wonach MNE keine Fortschritte im Bereich
der Presse- und Medienfreiheit gemacht hat?
3. Welche Fortschritte verzeichnete MNE nach Kenntnis der Bundesregierung
bei der Aufklärung von Fällen von Gewalt gegen Journalisten seit Mai
2018?
4. Wie bewertet die Bundesregierung die Arbeit der seit September 2016 in
MNE eingerichteten „Ad-hoc-Kommission zur Überwachung von Gewalt
gegen Medien“?
5. Ist nach Ansicht der Bundesregierung die politische Unabhängigkeit des
öffentlichen Senders RTCG gewährleistet?
6. Ergreift MNE derzeit nach Ansicht der Bundesregierung Maßnahmen, um
die Unabhängigkeit von RTCG wiederherzustellen, und falls ja, sind diese
Maßnahmen nach Ansicht der Bundesregierung ausreichend?
7. Inwiefern wurden Defizite der Presse- und Medienfreiheit in MNE beim
„Mini-Westbalkan-Gipfel“ am 29./30. April 2019 in Berlin thematisiert?
8. Bei welchen Gelegenheiten hat sich die Bundesregierung bei Gesprächen
mit Vertretern von MNE seit Mai 2018 über die kritische Lage der Presse-
und Medienfreiheit ausgetauscht?
9. Welche Projekte zur Stärkung der Pressefreiheit in MNE unterstützt die
Bundesregierung?
10. Wird die Bundesregierung das Engagement bei den gegebenenfalls in
Frage 9 genannten Projekten verstärken und/oder plant die Bundesregierung
neue Projekte in diesem Bereich?
11. Was sind nach Ansicht der Bundesregierung neben den Empfehlungen
der EU-Kommission (vgl. https://ec.europa.eu/neighbourhood-
enlargement/sites/near/files/20190529-montenegro-report.pdf, S. 27 f)
weitere wichtige Herausforderungen, die MNE zur Stärkung von Presse- und
Medienfreiheit bewältigen muss?
12. Welche Maßnahmen bzw. Kampagnen betreibt die Bundesregierung derzeit
im Kontext der strategischen Auslandskommunikation hinsichtlich der
Themen „Fake-News“, gezielter Desinformationskampagnen und dem
missbräuchlichen Einsatz von Social Bots in MNE, und auf welche
Zielgruppen beziehen sich diese?
13. Wie viele Personen sind in der Abteilung 6-B-3 insgesamt und
insbesondere in den dazugehörigen Referaten 607 – Steuerungsgruppe strategische
Kommunikation und 608 – strategische Auslandskommunikation des
Auswärtigen Amtes beschäftigt?
a) Wie viele sind dort für den Westbalkan zuständig?
b) Wie viele sind dort konkret für MNE zuständig?
c) Falls für a und/oder b keine Mitarbeiter zuständig sind, warum nicht,
was sind die Gründe dafür?
14. Wie bewertet die Bundesregierung die Medienkompetenz der Bevölkerung
in MNE im Umgang mit Desinformationskampagnen und „Fake News“?
15. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, ob und welche
Initiativen in MNE geplant sind, um die Resilienz gegen
Desinformationskampagnen und „Fake-News“ zu „stärken” und dadurch die Medienkompetenz
zu verbessern?
16. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die wöchentliche Zahl der
Nutzerkontakte von russischen Auslandssendern, und wie bewertet die
Bundesregierung deren medialen Auftritt und die Medienreichweite in
MNE?
17. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die wöchentliche Zahl der
Nutzerkontakte von chinesischen Auslandssendern, und wie bewertet die
Bundesregierung deren medialen Auftritt und die Medienreichweite in
MNE?
18. Wie bewertet die Bundesregierung die Stellung der Deutschen Welle
hinsichtlich der Reichweite im Vergleich zu anderen Auslandssendern in
MNE?
19. Welche Entwicklungen zeichnen sich nach Ansicht der Bundesregierung
hinsichtlich der strategischen Kommunikation ausländischer Akteure
in den letzten fünf Jahren in MNE ab?
Berlin, den 14. August 2019
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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