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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Beratungsunternehmen des Bundes
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium der Finanzen
Datum
08.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1331118.09.2019
Beratungsunternehmen des Bundes
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christoph Meyer, Christian Dürr, Grigorios Aggelidis,
Renata Alt, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr,
Katja Hessel, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Dr. Christian Jung, Pascal Kober,
Oliver Luksic, Roman Müller-Böhm, Dr. Martin Neumann, Dr. Stefan Ruppert,
Dr. h. c. Thomas Sattelberger, Frank Schäffler, Dr. Wieland Schinnenburg,
Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann,
Michael Theurer, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Beratungsunternehmen des Bundes
Die BwConsulting GmbH befindet sich zu 100 Prozent im Eigentum des
Bundes; beteiligungsführendes Haus ist das Bundesministerium der Verteidigung
(BMVg). Mit dem Unternehmen und seinen 124 Mitarbeitern (Stand 2017, vgl.
Beteiligungsbericht des Bundes 2018, S. 105) steht dem BMVg ein
eigenständiges, privatwirtschaftlich organisiertes Beratungsunternehmen direkt zur Seite.
Presseberichten (www.tagesspiegel.de/wirtschaft/so-viel-rat-ist-teuer-
diehinterlassenschaft-von-frau-von-der-leyen-ist-skandaloes/24692276.html) ist zu
entnehmen, dass das Bundesministerium in den Jahren 2015 und 2016
mindestens 200 Mio. Euro für Beratungs- und Unterstützungsleistungen ausgegeben
hat.
Die 53,1 prozentige Beteiligung des Bundes an der PD – Berater der
öffentlichen Hand GmbH wird, ausweislich des Beteiligungsberichts 2018 (S. 63),
durch das Bundesministerium der Finanzen (BMF) geführt. Gegenstand des
Unternehmens ist die Investitions- und Modernisierungsberatung der
öffentlichen Hand und Dritter (vgl. a. a. O.). Unter „II. Geschäftsentwicklung“ heißt es
zur PD – Berater der öffentlichen Hand GmbH im Beteiligungsbericht 2018:
„Die PD steht als Beratungsunternehmen in spürbarem Wettbewerb mit
anderen Beratern. Hierzu gehören neben großen internationalen
Wirtschaftsprüfungs- und Strategieberatungsgesellschaften viele kleinere
Berater. Da diese Berater – im Gegensatz zur PD – neben der öffentlichen Hand
auch private Unternehmen beraten können, ist ihr Marktpotenzial deutlich
höher. (…)“.
Der in Berlin erscheinende „Tagesspiegel“ berichtet, die Bundesregierung habe
im ersten Halbjahr 2019 mindestens 333 Mio. Euro für externe Berater
ausgegeben (www.tagesspiegel.de/politik/berateraffaere-im-verteidigungsministeri
um-was-von-der-leyen-ihrer-nachfolgerin-hinterlaesst/24886106.html). Den
höchsten Bedarf an externer Beratung hatten demnach das CDU-geführte
Bundesministerium der Verteidigung mit 155 Mio. Euro. Ebenfalls hohen
Beratungs- und Unterstützungsbedarf hatten das CSU-geführte
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat sowie das CSU-geführte
Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (www.tagesspiegel.de/politik/vor-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13311
19. Wahlperiode 18.09.2019
allem-seehofer-und-scheuer-bundesregierung-gibt-mehr-als-178-
millioneneuro-fuer-berater-aus/24689118.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hält es die Bundesregierung, angesichts des finanziellen Umfangs der
Inanspruchnahme von Beratungs- und Unterstützungsleistungen, für
notwendig, eine einheitliche Definition des Begriffs „Beratungs- und
Unterstützungsleistung“ vorzunehmen, und wenn ja, welche Parameter würden in
die Definition einfließen, bzw. wenn nein, warum nicht?
a) Inwiefern wird eine allgemeingültige Regelung derzeit vorangetrieben?
b) Welche Definitionen, Maßstäbe oder Einordnungshilfen werden von den
verschiedenen Ressorts derzeit genutzt, wenn auf Anfragen zu
„Beratungs- und Unterstützungsleistungen“ Angaben gemacht werden
müssen (bitte nach Bundesministerien getrennt ausweisen)?
2. An welchen Beratungsunternehmen ist der Bund mit welchem Anteil
beteiligt?
3. Welches Bundesministerium ist jeweils beteiligungsführend?
4. Wann wurden die Unternehmensanteile erworben bzw. das Unternehmen
gegründet?
5. Welche Rechtsform weisen die Unternehmen jeweils auf?
6. In welchen Politikbereichen sind die Unternehmen jeweils
schwerpunktmäßig tätig?
7. Welches Unternehmen wurde von welcher Organisationseinheit im
Geschäftsbereich der jeweiligen Bundesministerien in den Jahren 2016 bis
2018 mit welcher Beratungs- oder Unterstützungsleistung beauftragt?
a) Fand eine Ausschreibung statt?
b) Wie hoch war das jeweilige Auftragsvolumen?
c) Wurden Unteraufträge vergeben, und wenn ja, wer waren die jeweiligen
Auftragnehmer?
8. Werden Beratungs- und Unterstützungsleistungen grundsätzlich zunächst
bei Unternehmen angefragt, die ganz oder teilweise im Eigentum des
Bundes stehen, und wenn nein, warum nicht?
9. Über wie viele Mitarbeiter verfügen die Unternehmen aktuell jeweils?
10. Wie hoch sind die Personalkosten der Unternehmen jeweils?
11. In welcher Höhe erwirtschafteten die Unternehmen jeweils in den Jahren
von 2016 bis 2018 Gewinne bzw. Verluste?
a) Wurden diese Gewinne an den Bundeshaushalt abgeführt, und wenn ja,
in welcher Haushaltsstelle wurden sie vereinnahmt, bzw. wenn nein,
warum nicht (bitte nach Unternehmen und Jahresscheiben
aufschlüsseln)?
b) Wie hoch waren die Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt an die
jeweiligen Unternehmen, mit welcher Begründung wurden sie gewährt
und aus welchen Haushaltsstellen finanziert (bitte nach Unternehmen
und Jahresscheiben aufschlüsseln)?
12. Wie beurteilt die Bundesregierung die jeweilige Wettbewerbssituation der
Unternehmen?
13. Welche Strategie im Hinblick auf die nachfolgenden Aspekte verfolgt die
Bundesregierung bei ihrer Beteiligung an den Unternehmen.
a) Kapazität der Beratungs- und Unterstützungsleistungen der jeweiligen
Unternehmen,
b) Gewinn und Abführungen an den Bundeshaushalt,
c) Personalgewinnung?
14. Worin liegt jeweils einzeln das unabweisbare Bundesinteresse an der
Beteiligung begründet (bitte je Unternehmen einzeln ausweisen)?
15. Ist mit der Beteiligung des Bundes an den Unternehmen ein Vorteil im
Hinblick auf die Preisgestaltung oder auf die zur Verfügung stehenden
Beratungskapazitäten verbunden?
16. Wie verläuft organisatorisch der Abwägungs- und Entscheidungsprozess
innerhalb der Bundesregierung zur Verwendung von durch den
Haushaltsgesetzgeber zur Verfügung gestellten Mitteln für den Erwerb von
Unternehmensanteilen bzw. die Gründung von Unternehmen exemplarisch?
17. Beabsichtigt die Bundesregierung, ihre Beteiligungen an den
Beratungsunternehmen ganz oder teilweise zu veräußern, und wenn ja, wie sieht der
jeweilige Zeitplan hierfür aus?
18. Wie hoch war die Auslastung der Berater der BwConsulting in den Jahren
2016, 2017 und 2018 (bitte jeweils nach Jahresscheiben ausweisen)?
a) Wie viele Consultants waren in den Jahren jeweils beschäftigt, und wie
viele abgerechnete Personentage im jeweiligen Jahr pro Consultant
konnten erzielt werden?
b) Was haben die Mitarbeiter in den Zeiten getan, als sie nicht gebucht
wurden?
Berlin, den 28. August 2019
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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