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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Country-by-Country-Reporting und Unattraktivität von Steueroasen sowie Hochsteuerländern
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium der Finanzen
Datum
07.10.2019
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1332519.09.2019
Country-by-Country-Reporting und Unattraktivität von Steueroasen sowie Hochsteuerländern
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Christian Dürr, Dr. Florian Toncar, Frank Schäffler,
Bettina Stark-Watzinger, Markus Herbrand, Katja Hessel, Renata Alt,
Mario Brandenburg (Südpfalz), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber,
Daniel Föst, Otto Fricke, Katrin Helling-Plahr, Reinhard Houben, Ulla Ihnen,
Dr. Marcel Klinge, Pascal Kober, Konstantin Kuhle, Michael Georg Link,
Oliver Luksic, Alexander Müller, Dr. Stefan Ruppert, Christian Sauter,
Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Benjamin Strasser,
Katja Suding, Michael Theurer, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der
Fraktion der FDP
Country-by-Country-Reporting und Unattraktivität von Steueroasen sowie
Hochsteuerländern
Das ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH
Mannheim – veröffentlichte im Juni 2019 einen Policy Brief 05-2019 zu den
Auswirkungen des Country-by-Country-Reporting (CbCR). Unter Bezugnahme
auf die Studie „Real Effects of Private Country-by-Country Disclosure“ von
Lisa de Simone und Marcel Olbert wird berichtet (Studie liegt den Fragestellern
vor), das CbCR dämme Ausgestaltungen sogenannter aggressiver
Steuergestaltung ein und führe zu einem signifikanten Rückgang aus Steueroasen.
Von dieser Entwicklung würden innerhalb Europas jedoch hauptsächlich die
europäischen Mitgliedstaaten profitieren, die nicht wie etwa Deutschland zu
den sogenannten Hochsteuerländern gehören würden (www.zew.de/de/presse/
pressearchiv/country-by-country-reporting-macht-steueroasen-aber-
auchhochsteuerlaender-weniger-attraktiv/). Mitgliedstaaten mit niedrigen bzw.
moderaten Steuersätzen würden reale Investitionen der großen Konzerne anziehen.
Die Ergebnisse der Studie würden zeigen, dass von CbCR betroffene
Unternehmen ihre Präsenz in Steueroasen signifikant verringert hätten. Gleichzeitig sei
die Mitarbeiteranzahl der betroffenen Unternehmen in den zwei Jahren seit der
Einführung von CbCR deutlich geringer gewachsen als die der nicht
betroffenen Unternehmen. Außerdem würden die Untersuchungen suggerieren, dass
betroffene Unternehmen ihre Realinvestitionen vermehrt in europäische
Niedrigsteuerländer verlagern. Dies zeigten die niedrigeren Gewinnsteuersätze,
denen die betroffenen Unternehmen im Schnitt, gewichtet nach Kapitalanlagen
und Mitarbeitern ihrer Tochtergesellschaften, ausgesetzt seien. In der Folge
scheinen auch Steuerzahlungen seit 2016 vermehrt in Ländern anzufallen,
deren Steuersatz in Europa unter dem Medianwert liegt.
Zum Schluss der Studie heißt es unter anderem:
Auf konsolidierter Ebene bzw. auf Ebene der Muttergesellschaften haben wir
recht belastbare Beweise für eine Verringerung des Wachstums der Gesamtbe-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/13325
19. Wahlperiode 19.09.2019
schäftigung bei Unternehmen gefunden, die dem CbCR unterliegen. („At the
consolidated level, we find fairly robust evidence of a reduction in total
employment growth for CbCR firms.“)
Auf Ebene der Tochtergesellschaften haben wir einige Beweise für höhere
Einnahmen und Beschäftigungswachstum gefunden, jedoch nur in
Niedrigsteuerjurisdiktionen und sowie bei Unternehmen, die sich in Steueroasen befinden bzw.
verschiedene Maßnahmen zur Steueroptimierung unternehmen oder bei
Muttergesellschaften, die öffentlich gelistet sind. („At the subsidiary level, we find
some evidence of increased revenues and employment growth, but only in
lowtax jurisdictions and within firms with tax haven operations, diversified
operations, or a parent that is publicly listed.“)
Letztlich haben wir einen Anstieg einer steuerbedingten Umverteilung von
Wirtschaftsaktivitäten verbunden mit einem Anstieg der Steuereinnahmen in
Europäischen Mitgliedstaaten mit niedriger Unternehmensteuerbelastung
infolge des CbCR registrieren können. („Finally, we document an increase in
taxmotivated allocation of real economic activity together with an increase in tax
payments in European low-tax countries for firms subject to CbCR relative to
other firms.“)
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) hat im Rahmen des „Base Erosion and Profit Shifting“-Projekts
(BEPS) Maßnahmen zur Vermeidung aggressiver Steuerplanung
multinationaler Unternehmen zur Erhöhung der Steuertransparenz vorgeschlagen. Die
Europäische Union hat diese Vorschläge u.a mit der EU-Richtlinie 2016/881
umgesetzt. Seit 2016 müssen betroffene Unternehmen den zuständigen nationalen
Steuerbehörden im Rahmen des CbCR ihre Gesamtaktivität (u.a.
Tochtergesellschaften, Mitarbeiter, Gewinne, Steuerzahlungen) auf Länderebene in einem
separaten Bericht aufschlüsseln. Ziel dieser erhöhten Steuertransparenz ist vor
allem, aggressive Steuerplanung einzudämmen und internationalen
Steuerbehörden eine bessere Überprüfung der Verrechnungspreisstrategien zu ermöglichen.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Ist der Bundesregierung die in der Vorbemerkung der Fragesteller genannte
Studie bekannt?
Wenn ja, welche Schlussfolgerungen zieht sie aus dieser Studie?
2. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Medianwert für die
Steuerbelastung aus Unternehmensteuern (inkl. Gewerbesteuer) innerhalb
der Europäischen Union?
3. Welche Mitgliedstaaten liegen nach Kenntnis der Bundesregierung unterhalb
dieses Medianwertes?
4. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung daraus, dass nach
Angaben der oben genannten Studie das CbcR im Hinblick auf die
Erhöhung der Steuertransparenz wirksam sein soll, aber vor allem
Mitgliedstaaten innerhalb der Europäischen Union mit niedrigen Unternehmensteuern
vom Rückzug der multinationalen Konzerne aus den Steueroasen
profitieren?
Wenn ja, welche Mitgliedstaaten haben nach Kenntnis der Bundesregierung
seit 2016 am stärksten durch das CbCR im Hinblick auf gestiegene
Steuereinnahmen profitiert?
5. Gibt es Erhebungen oder Schätzungen der Bundesregierung, zu welchen
Steuermehr- oder -mindereinnahmen die Einführung der CbCR in
Deutschland geführt hat?
6. Gibt es Erhebungen oder Schätzungen der Bundesregierung, zu welchen
Steuermehr- oder mindereinnahmen die Einführung der CbCR innerhalb der
Europäischen Union geführt hat (bitte gesondert nach Mitgliedstaaten
aufschlüsseln)?
7. Bieten die Kernaussagen der Studie nach Ansicht der Bundesregierung
einen Anlass, die Absage des Bundesministers der Finanzen Olaf Scholz
gegenüber einer Unternehmensteuerreform (vgl. hierzu Bundestagsdrucksache
19/6308, www.handelsblatt.com/politik/deutschland/konjunktur-
keineaussicht-auf-grosse-firmensteuer-reform/23731730.html) in Deutschland zu
überdenken?
Wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
8. Teilt die Bundesregierung die im Lichte der Studie mögliche Ansicht der
Fragesteller, dass eine Unternehmensteuersenkung zur Ansiedlung von
Unternehmen in Deutschland führen kann?
Wenn nein, wieso nicht?
Berlin, den 14. August 2019
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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