BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Abgabe von Naloxon in Deutschland

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

24.03.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/1767006.03.2020

Abgabe von Naloxon in Deutschland

der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Jens Beeck, Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Dr. Marcel Klinge, Ulrich Lechte, Oliver Luksic, Matthias Seestern-Pauly, Frank Sitta, Dr. Hermann Otto Solms, Katja Suding und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Etwa die Hälfte der Rauschgifttoten in Deutschland lässt sich auf opioidhaltige Substanzen zurückführen (Drogen- und Suchtbericht 2019, S. 83). Naloxon ist ein Opiatantagonist, der die Wirkung von Opiaten innerhalb von Minuten teilweise oder ganz aufheben und dadurch den tödlichen Verlauf einer Überdosierung verhindern kann.

In den letzten Jahren konnten mehrere Take-Home-Naloxon-Programme weltweit zeigen, dass der Zugang zu Naloxon für Konsumenten in Kombination mit einem Training die Todesraten durch Überdosierung signifikant senken können (https://www.who.int/substance_abuse/information-sheet/en/). Seit 2018 ist ein Naloxon-Nasenspray in Deutschland auf Rezept für Konsumenten verfügbar, jedoch nicht für Angehörige oder andere den Suchtkranken nahestehenden Personen. Studien zeigen, dass ein Kernelement des Erfolgs von Take-Home-Naloxon-Programmen die tatsächliche Anzahl verbreiteter Naloxon-Kits ist, welche etwa 20-mal so hoch sein sollte wie die Zahl der opioidbasierten Drogentote in einem Land (https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(19)30153-9/fulltext).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Wie haben sich die Zahlen der Drogentoten durch opioidhaltige Substanzen seit der Einführung des Naloxon-Nasensprays als verschreibungspflichtiges Medikament im September 2018 in den einzelnen Bundesländern jeweils im Vergleich zum Jahr 2017 entwickelt?

2

Wie viele Naloxon-Rezepte wurden seither nach Kenntnis der Bundesregierung ausgestellt?

3

Wie viele Naloxon-Kits wurden insgesamt seit 2017 jährlich in den einzelnen Bundesländern nach Kenntnis der Bundesregierung ausgegeben?

4

Wie häufig wurde Naloxon nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2017 eingesetzt, und durch welche Personengruppen (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?

5

Wie viele Take-Home-Naloxon-Programme gibt es in den einzelnen Bundesländern nach Kenntnis der Bundesregierung?

a) Wie viele Teilnehmer haben diese Programme jeweils seit 2017 durchlaufen?

b) Welche Anzahl an Teilnehmern soll bis 2025 diese Programme jeweils durchlaufen?

c) Welche dieser Programme werden in welcher Form von der Bundesregierung unterstützt?

6

Sehen Take-Home-Naloxon-Programme nach Kenntnis der Bundesregierung die Abgabe von Naloxon-Kits an Angehörige und betreffende Berufsgruppen vor?

7

Plant die Bundesregierung, die Verschreibungspflicht von Naloxon aufzuheben, wie es etwa in Italien der Fall ist (https://www.deutsche-apothekerzeitung.de/news/artikel/2019/06/14/opioid-arzneimittel-locken-drogenkonsumenten), um eine bessere Verfügbarkeit für Angehörige und betreffende Berufsgruppen zu erleichtern?

8

Möchte die Bundesregierung Maßnahmen ergreifen, um Naloxon für betroffene Personen besser verfügbar zu machen, und wenn ja, wann, und welche?

Berlin, den 26. Februar 2020

Christian Lindner und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen