„Mach Dich Schlau“ – Social-Media-Kampagne zur Cannabisprävention
der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Renata Alt, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Hartmut Ebbing, Daniel Föst, Otto Fricke, Reginald Hanke, Peter Heidt, Markus Herbrand, Torsten Herbst, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Dr. Christian Jung, Dr. Marcel Klinge, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Alexander Müller, Roman Müller-Böhm, Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Gerald Ullrich, Sandra Weeser und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Am 29. Mai 2020 stellte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Daniela Ludwig zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und der Agentur BUZZ Medien eine neue Präventionsmaßnahme zu Cannabis vor (https://www.drogenbeauftragte.de/presse/pressekontakt-und-mitteilungen/2020/i-quartal/bundesweiter-kick-off-fuer-gemeinsame-cannabispraevention-via-social-media.html). Die neue Kampagne soll über die sozialen Medien geführt werden und Zwölf- bis 17-Jährige erreichen. Zehn Prozent dieser Zielgruppe hätten bereits Cannabis konsumiert, heißt es in der Pressemitteilung. Allerdings haben bei den 18- bis 25-Jährigen bereits 42,5 Prozent mindestens einmal Cannabis konsumiert.
Die Drogenbeauftragte wird in der Pressemitteilung zur Vorstellung der Kampagne zitiert, dass Cannabis bei den illegalen Drogen „Spitzenreiter“ sei und die Bundesregierung diesem Trend „mit den passenden, zeitgemäßen Mitteln“ begegnen wolle. Dr. Thaiss von der BZgA verweist weiter auf die bereits bestehenden Programme drugcom.de und „Quit the shit“.
Nach Auffassung der Fragesteller wurde allerdings lediglich eine Konzepthülse vorgestellt, konkrete Maßnahmen und konkrete Ziele wurden auch bei der Pressekonferenz zur Kampagne nicht genannt (https://www.youtube.com/watch?v=c8ioWABpVdA). Somit bleiben viele Fragen zu „Mach Dich Schlau“ offen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen25
Welche Präventionsprogramme betreibt, finanziert oder unterstützt die Bundesregierung aktuell im Bereich Cannabis?
Welche Finanzmittel sind jährlich seit 2014 für diese Programme aufgewendet worden?
An welche Zielgruppe richten sich die Programme?
Welche Anzahl an Personen wurde durch diese Programme erreicht?
Welchen messbaren Erfolg in der Prävention haben diese Programme jeweils?
Wann und in welcher Form wurden diese Programme mit welchem Ergebnis evaluiert?
Bedeutet die Aussage der Drogenbeauftragten, die Bundesregierung wolle dem Cannabis-Konsum „mit den passenden, zeitgemäßen Mitteln“ (Pressemitteilung) entgegentreten, dass dies bei den anderen Kampagnen zur Cannabis-Prävention nicht der Fall ist und diese veraltet sind und ersetzt oder überarbeitet werden müssen?
Welche Finanzmittel sollen bzw. wurden schon in welchen Jahren für „Mach Dich Schlau“ aufgewendet?
Welche dieser Mittel wurden bzw. werden für die Erstellung der Kampagne aufgewendet?
Welche dieser Mittel fließen in die Erstellung der Werbemittel?
Welche dieser Mittel sollen für bezahlte Werbung in welchen Medien bzw. Internetportalen ausgegeben werden?
Welche dieser Mittel entfallen auf Verwaltung und weitere Kostenpunkte (bitte angeben)?
Welche konkreten messbaren Zielvorgaben gibt es für die Kampagne von Seiten der Bundesregierung, etwa über die Anzahl erreichter Personen, und wann und wie werden diese Zielvorgaben gemessen und ausgewertet?
Ist eine wissenschaftliche Evaluation der Kampagne vorgesehen, wenn ja, wann, und durch wen wird diese Evaluation vorgenommen?
Welche sozialen Netzwerke und anderen Medien sollen wann in welchem Umfang mit Medien der neuen Kampagne bespielt werden?
Warum soll mit der neuen Kampagne ausgerechnet die Zielgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen erreicht werden, wenn der Cannabis-Konsum in der Zielgruppe von 18 bis 25 Jahren drastisch höher ist und diese Zielgruppe die am stärksten konsumierende ist?
Welche konkreten Maßnahmen ergreift die Bundesregierung um die Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren zu erreichen?
Welchen Effekt erhofft sie sich auf die Altersgruppe von 18 bis 25 durch die Prävention in der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen?
Welche Anzahl an Agenturen hat an dem Wettbewerb für das Präventionsprogramm, der laut Pressemitteilung (siehe Vorbemerkung der Fragesteller) stattgefunden hat, mit welcher Anzahl an Vorschlägen teilgenommen?
Wie hoch waren die Preisgelder für welche Plätze?
Welche Personen welcher Organisationen saßen in der Jury, wie wurden sie ausgewählt, und wie waren die Alters- und Geschlechterverhältnisse in der Jury?
Saßen auch Personen aus der Zielgruppe in der Jury, wenn ja, in welcher Anzahl, und wie wurden sie ausgewählt?
Auf welche Studien bezieht sich die Drogenbeauftragte, wenn sie in der Pressekonferenz zu „Mach Dich Schlau“ ausführte, dass „ein früher und regelmäßiger Cannabis-Konsum insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu schweren Gehirnschäden führen kann“ (https://youtu.be/c8ioWABpVdA?t=153), und wie bewertet sie die Ergebnisse der durch das Bundesministerium für Gesundheit geförderten Capris-Studie von 2019 (https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Hoch_et_al_Cannabis_Potential_u_Risiko_SS.pdf 94), dass „Kognitive Funktionsdefizite durch chronischen Cannabiskonsum […] transient zu sein scheinen“ und „ein Einfluss des Einstiegsalters für den Cannabiskonsum auf langfristige Kognitionsstörungen […] nicht abschließend geklärt“ sei?
Wie möchte die Bundesregierung sicherstellen, dass (potenzielle) Cannabis-Konsumenten auch wirklich verlässliche und neutrale Informationen bekommen, wie sie bei der Kampagnenvorstellung angekündigt wurden?
Welchen Einfluss nehmen die Bundesregierung und die BZgA auf die Kampagneninhalte?