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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Nutzung von Abwasser-Analysen zur Feststellung der Corona-Ausbreitung

(insgesamt 6 Einzelfragen)

Fraktion

FDP

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

14.09.2020

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2195828.08.2020

Nutzung von Abwasseranalysen zur Feststellung der Corona-Ausbreitung

der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Manuel Höferlin, Reinhard Houben, Olaf in der Beek, Dr. Marcel Klinge, Oliver Luksic, Alexander Müller, Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich und der Fraktion der FDP

Vorbemerkung

Analysen des Abwassers aus Klärwerken werden schon seit längerer Zeit genutzt, um Einträge in das Abwasser zu analysieren. Im Bereich der Drogenforschung etwa wurden zuletzt an 70 Orten in Europa Abwasseranalysen vorgenommen, um den Drogenkonsum der Bewohner zu erforschen (https://www.emcdda.europa.eu/topics/pods/waste-water-analysis_de). Aber auch Krankheitserreger wie Hepatitis A oder Norovirus-Erreger lassen sich nachweisen (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4249052/).

In Italien haben Abwasseranalysen zuletzt ergeben, dass das Coronavirus bereits Ende 2019 zirkuliert haben muss, es konnte in Proben aus dem Dezember 2019 im Abwasser der Städte Mailand und Turin nachgewiesen werden (https://www.aerztezeitung.de/Nachrichten/Corona-Spuren-schon-2019-im-Abwasser-entdeckt-410501.html).

In den Niederlanden prüfen Forscher aktuell, ob sich Analysen des Abwassers als Corona-Frühwarnsystem nutzen lassen. So konnten Corona-Spuren in einigen Städten der Niederlande sechs Tage vor dem ersten bestätigten Fall nachgewiesen werden. Ein ähnliches Forschungsprojekt soll es auch in Bayern geben (https://www.welt.de/wissenschaft/article213462876/Wissenschaftler-wollen-Corona-Ausbrueche-fruehzeitig-im-Abwasser-erkennen.html).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen6

1

Welche Forschungsprojekte zur Corona-Vorhersage und Corona-Analyse durch Abwasseranalysen sind der Bundesregierung in Deutschland bekannt, welche unterstützt sie in welchem Umfang?

2

Wie bewertet die Bundesregierung die Möglichkeit, durch Abwasseranalysen Informationen über die Ausbreitung des Coronavirus und weiterer Krankheitserreger zu erhalten?

3

Besteht nach Kenntnis der Bundesregierung ein regelmäßiges Monitoring an Abwasseranlagen in Deutschland zur Ausbreitung von Krankheitserregern?

a) Wenn ja, wo, und wie unterstützt die Bundesregierung diese Projekte?

b) Wenn nein, warum nicht, und ist ein solches Monitoring geplant?

4

Plant die Bundesregierung, Abwasseranalysen zur Bekämpfung des Coronavirus einzusetzen, wenn ja, wann, und in welchem Umfang?

5

Besteht auf europäischer Ebene eine Zusammenarbeit bei Abwasseranalysen zu Erkrankungen, wenn ja, in welcher Form, und wie unterstützt die Bundesregierung diese Zusammenarbeit?

6

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über die Ausbreitung des Coronavirus aus Abwasseranalysen vor, wenn ja, was sind die Ergebnisse, und welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung?

Berlin, den 26. August 2020

Christian Lindner und Fraktion

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