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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Rolle der Financial Intelligence Unit beim Wirecard-Skandal
Fraktion
FDP
Ressort
Bundesministerium der Finanzen
Datum
28.10.2020
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/2316807.10.2020
Rolle der Financial Intelligence Unit beim Wirecard-Skandal
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Markus Herbrand, Christian Dürr, Renata Alt, Christine
Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-
Neckar), Mario Brandenburg (Südpfalz), Sandra Bubendorfer-Licht, Dr. Marco
Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Hartmut Ebbing, Dr. Marcus Faber, Daniel
Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-
Plahr, Torsten Herbst, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf
in der Beek, Karsten Klein, Dr. Marcel Klinge, Daniela Kluckert, Pascal Kober,
Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Till Mansmann, Alexander Müller, Frank Müller-
Rosentritt, Dr. Wieland Schinnenburg, Dr. Hermann Otto Solms, Benjamin
Strasser, Michael Theurer, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Rolle der Financial Intelligence Unit beim Wirecard-Skandal
Laut Medienberichten lagen gegenüber dem deutschen börsennotierten
Zahlungsabwicklungs- und Finanzdienstleistungsunternehmen Wirecard, das in
der Folge von Bilanzmanipulationen im Juni 2020 Insolvenz angemeldet hat,
schon seit geraumer Zeit Hinweise über kriminelle Handlungen vor (vgl.
Warnruf ohne Folgen, in: Der Spiegel vom 19. September 2020, S. 73). Die
Geldwäsche-Spezialbehörde des Zolls, die Financial Intelligence Unit (FIU) in
Köln, stand bereits vor Bekanntwerden des Wirecard-Skandals in der Kritik. So
wurden von den Fragestellenden immer wieder die unzureichende EDV-
Infrastruktur, die unangemessene personelle wie fachliche Aufstellung der
Behörde, die unzureichenden Bürokapazitäten sowie das Fehlen von für die Arbeit
der Behörde essenziellen Zugriffsrechten auf Datenbanken thematisiert. In
einem nicht veröffentlichten Bericht des Bundesrechnungshofs, über den im
September 2020 verschiedene Medien berichteten, werden diese aus Sicht der
Fragestellenden gravierenden Missstände von den obersten Rechnungsprüfern
deutlich kritisiert (vgl. Massives Staatsversagen, in: Wirtschaftswoche vom
18. September 2020, S. 28). Vor diesem Hintergrund möchten sich die
Fragestellenden näher nach den Arbeitsmechanismen und Handlungen der Financial
Intelligence Unit erkundigen, die auch bei Wirecard Meldungen über
verdächtige Finanztransaktionen untersucht, die im Zusammenhang mit Geldwäsche
stehen könnten.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl bei der
Financial Intelligence Unit (FIU) eingegangener Verdachtsmeldungen mit
Bezug zum Wirecard-Konzern und mit Bezug zu den aktuellen Vorwürfen,
aufgeschlüsselt nach den jeweiligen Jahren seit dem 26. Juni 2017 bis zum
heutigen Stichtag, dar (bitte tabellarisch darstellen)?
Deutscher Bundestag Drucksache 19/23168
19. Wahlperiode 07.10.2020
a) In welcher Frist wurden die Verdachtsmeldungen, aufgeschlüsselt auf
die jeweiligen Jahre, bearbeitet (bitte Bearbeitungsverlauf, also wann
eingegangen, und wann an die zuständige Stelle weitergeleitet, pro
Anzeige aufschlüsseln)?
b) In welcher Frist wurden Geldwäscheverdachtsmeldungen gemäß den
§§ 43 Absatz Absatz 1, 46 Absatz 1 i. V. m. § 32 Absatz 2 des
Geldwäschegesetzes (GwG) – sogenannte Fristfälle –, aufgeschlüsselt auf die
jeweiligen Jahre, bearbeitet (bitte Bearbeitungsverlauf, also wann
eingegangen und wann an die zuständige Stelle weitergeleitet, pro Anzeige
aufschlüsseln)?
c) In welchen der in den Fragen 1a und 1b) aufgeführten
Verdachtsmeldungen wurden Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte der Wirecard AG in
Vermutung einer Beteiligung an einer Straftat aufgeführt?
d) Welche der in den Fragen 1a bis 1c aufgeführten Verdachtsmeldungen
sind nach heutigem Kenntnisstand (primär) welchen Straftaten
zuzuordnen?
e) Welchen der in den Fragen 1a bis 1c aufgeführten Verdachtsmeldungen
wurden der Financial Intelligence Unit per Fax übermittelt?
2. Wie viele Vollzeitäquivalente (VZÄ) werden nach Kenntnis der
Bundesregierung zum aktuellen Stichtag in der Wirecard Special Task Force von
der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der
Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) eingesetzt (bitte
tabellarisch darstellen)?
a) Wie viele VZÄ werden von Mitarbeitern der FIU und wie viele VZÄ
werden von Mitarbeitern der BaFin gestellt?
b) Aus welchen Arbeitsbereichen wurden die Mitarbeiter der FIU, die nun
in der Wirecard Special Task Force eingesetzt werden, abgezogen?
c) Aus welchen Arbeitsbereichen wurden die Mitarbeiter der BaFin, die
nun in der Wirecard Special Task Force eingesetzt werden, abgezogen?
d) Wie stellt die Bundesregierung sicher, dass die Tätigkeiten, mit denen
die Mitarbeiter der FIU, die nun in der Wirecard Special Task Force
eingesetzt werden, regulär betraut sind, zufriedenstellend abgearbeitet
werden?
e) Welche Stellen der Bundesregierung werden mit wie vielen VZÄ neben
der BaFin und FIU in der Wirecard Special Task Force eingesetzt?
3. Wie viele Stellen wurden in der Zollverwaltung für den Aufgabenbereich
„FIU“, aufgeschlüsselt auf die letzten vier Haushalte jeweils, bewilligt
(nach Behörde, Anzahl an Stellen und Besoldungsgruppe aufschlüsseln)?
4. Wie viele Stellen wurden in der Zollverwaltung für den Aufgabenbereich
„FIU“, aufgeschlüsselt zum Stichtag 31. Dezember und für das laufende
Jahr zum heutigen Stichtag, besetzt (nach Behörde, Anzahl der Stellen und
Besoldungsgruppe aufschlüsseln)?
Berlin, den 30. September 2020
Christian Lindner und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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