Jahresbericht der Drogenbeauftragten: Fehlende Daten zum Alkoholkonsum
der Abgeordneten Dr. Wieland Schinnenburg, Michael Theurer, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Jens Beeck, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Carl-Julius Cronenberg, Britta Katharina Dassler, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Dr. Christoph Hoffmann, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Pascal Kober, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Dr. Martin Neumann, Matthias Seestern-Pauly, Dr. Hermann Otto Solms, Bettina Stark-Watzinger, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Katja Suding, Linda Teuteberg, Stephan Thomae, Dr. Florian Toncar, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Der am 26. November 2020 vorgelegte Jahresbericht der Drogenbeauftragten der Bundesregierung unterscheidet sich nach Ansicht der Fragesteller deutlich von den Berichten der vorherigen Jahre. Während im Drogen- und Suchtbericht des Jahres 2019 auf 220 Seiten viele Fachdaten veröffentlicht wurden (https://www.drogenbeauftragte.de/assets/Service/DSB_2019_mj_barr.pdf), wurde der Jahresbericht des Jahres 2020 erheblich gekürzt. Auf nun nur noch 86 Seiten finden sich deutlich weniger Daten und Fakten als in den Berichten der Vorjahre. Auffällig ist zudem, dass im Bericht des Jahres 2020 30 Fotos der Drogenbeauftragten der Bundesregierung enthalten sind, erheblich mehr als in den Vorjahren (https://www.drogenbeauftragte.de/assets/Jahresbericht_2020/DSB_2020_final_bf.pdf).
Hinzu kommt, dass der Drogen- und Suchtbericht deutlich später als vor einigen Jahren erscheint. Im Jahr 2014 etwa erschien er Ende Mai (https://www.faz.net/aktuell/politik/drogenbericht-2014-synthetisches-rauschgift-auf-dem-vormarsch-12960446.html), 2018 erschien er im Oktober (https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/drogen-und-suchtbericht-2018-1545480) und 2020 erst Ende November.
Nach Auffassung der Fragesteller stellten die ursprünglich veröffentlichten Fachdaten eine wichtige Informationsquelle dar, die von vielen in der Drogen- und Suchtarbeit tätigen Personen aufmerksam verfolgt wurden. Diese Kleine Anfrage soll daher im Bereich des Alkoholkonsums die fehlenden Fachdaten abfragen und weitere wichtige Fachdaten liefern.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen19
Welche Prävalenzen des Alkoholkonsums bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung in den einzelnen Altersgruppen (Jugendliche, junge Erwachsene, Erwachsene, ältere Erwachsene) der Bevölkerung (bitte Jahr der Datenerhebung angeben und nach Geschlechtern aufschlüsseln) für folgende Konsumarten:
a) Jemalskonsum,
b) Alkoholkonsum mindestens einmal in der Woche,
c) Konsum in den letzten 30 Tagen,
d) Konsum mindestens monatlich in den letzten zwölf Monaten,
e) Riskanter Konsum (bitte Alkoholmengen angeben),
f) Rauschtrinken (bitte Mengen angeben)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der riskante Alkoholkonsum in den einzelnen Bundesländern und Altersgruppen jeweils bei Männern und Frauen sowie insgesamt seit 2014 entwickelt?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Prävalenz von Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit in Deutschland und in den jeweiligen Bundesländern?
Welchen Einfluss hatte nach Kenntnis der Bundesregierung die Corona-Pandemie auf die Prävalenzzahlen von Alkoholmissbrauch und Alkoholabhängigkeit in Deutschland?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche Alkoholkonsum bei Männern und Frauen jeweils stratifiziert nach Alters- und Sozialstatusgruppen?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Prävalenz von Risikokonsum in Deutschland, und wie hat sich diese seit dem Jahr 1995 entwickelt (bitte nach Geschlechtern aufschlüsseln)?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Prävalenz von Risikokonsum und regelmäßigem Alkoholkonsum bei Minderjährigen in Deutschland, und wie haben sich die Zahlen seit dem Jahr 2000 entwickelt (bitte nach Geschlechtern aufschlüsseln)?
Welchen Einfluss hatte nach Kenntnis der Bundesregierung die Corona-Pandemie auf den durchschnittlichen Alkoholkonsum in Deutschland, und wie haben sich die Verkaufszahlen der einzelnen alkoholischen Getränke (Wein, Bier, Spirituosen, Zwischenerzeugnisse, Alkopops) im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt?
Welche Anzahl an Menschen sind nach Kenntnis der Bundesregierung jährlich seit 2000 an den Folgen des Alkoholkonsums bzw. durch Alkoholkonsum-bedingte Erkrankungen in den einzelnen Bundesländern und insgesamt verstorben (bitte nach Geschlechtern und Alter aufschlüsseln)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Gesamt- und Pro-Kopf-Konsum der einzelnen alkoholischen Getränke (Wein, Bier, Spirituosen, Zwischenerzeugnisse, Alkopops) gemessen in Reinalkohol jährlich seit dem Jahr 2000 in Deutschland entwickelt?
Wie hoch liegt nach Kenntnis der Bundesregierung der Pro-Kopf-Konsum der einzelnen alkoholischen Getränke (Wein, Bier, Spirituosen, Zwischenerzeugnisse, Alkopops) gemessen in Reinalkohol in Deutschland im Vergleich zu den anderen EU-Ländern (bitte für jedes Land angeben)?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der deutsche Pro-Kopf-Alkoholkonsum im europäischen Vergleich?
Welche volkswirtschaftlichen Schäden hat nach Kenntnis der Bundesregierung der Alkoholkonsum in den Jahren 2019 und 2020 in Deutschland verursacht?
Welche Anzahl an Personen wurde nach Kenntnis der Bundesregierung auf Grund von Alkoholkonsum bzw. der durch den Alkoholkonsum verursachten Gesundheitsschäden in den Jahren 2019 und 2020 in einem Krankenhaus behandelt, und wie verhält sich diese Zahl der Einweisungen im Vergleich zu den Gesamteinweisungen (bitte nach Geschlechtern und Alter aufschlüsseln)?
Welche Anzahl an Alkoholentwöhnungsbehandlungen hat nach Kenntnis der Bundesregierung die Deutsche Rentenversicherung in den Jahren 2019 und 2020 durchgeführt bzw. finanziert, und wie hoch sind die Rückfallquoten bei solchen Behandlungen (bitte jeweils nach Geschlechtern und Alter aufschlüsseln)?
Wie viele Alkoholentzüge wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2019 und 2020 durchgeführt (bitte jeweils nach Geschlechtern und Alter aufschlüsseln)?
Was hat die Bundesregierung in den Jahren 2019 und 2020 auf europäischer Ebene unternommen, um einen riskanten Alkoholkonsum zu vermindern und die Prävention im Bereich Alkohol zu verbessern?
Welche Präventions- und Suchthilfeprojekte im Bereich Alkohol hat die Bundesregierung jeweils in den Jahren 2019 und 2020 finanziell gefördert?
a) In welcher Höhe wurden diese Projekte gefördert?
b) Welche Zielvorgaben gab es jeweils für die Gewährung der Fördermittel?
c) Wie wurde überprüft, ob diese Zielvorgaben eingehalten bzw. erreicht wurden?
d) Welche dieser Projekte wurden wann, wie und mit welchem Ergebnis evaluiert?
e) Sind weitere Evaluationen der Projekte geplant, wenn ja, wann, und für welche Projekte?
Welche messbaren Ziele hat sich die Bundesregierung im Bereich Prävention und Suchthilfe im Bereich Alkohol für die Zukunft gesetzt?