Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Frauen im Leistungsbezug des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch
der Abgeordneten Pascal Kober, Michael Theurer, Johannes Vogel (Olpe), Jens Beeck, Carl-Julius Cronenberg, Matthias Nölke, Grigorios Aggelidis, Renata Alt, Christine Aschenberg-Dugnus, Nicole Bauer, Dr. Jens Brandenburg (Rhein-Neckar), Dr. Marco Buschmann, Dr. Marcus Faber, Daniel Föst, Otto Fricke, Thomas Hacker, Reginald Hanke, Peter Heidt, Katrin Helling-Plahr, Markus Herbrand, Katja Hessel, Dr. Gero Clemens Hocker, Reinhard Houben, Ulla Ihnen, Olaf in der Beek, Karsten Klein, Carina Konrad, Konstantin Kuhle, Ulrich Lechte, Michael Georg Link, Frank Müller-Rosentritt, Dr. Martin Neumann, Matthias Seestern-Pauly, Judith Skudelny, Dr. Hermann Otto Solms, Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Benjamin Strasser, Katja Suding, Linda Teuteberg, Stephan Thomae, Manfred Todtenhausen, Dr. Andrew Ullmann, Gerald Ullrich, Nicole Westig und der Fraktion der FDP
Vorbemerkung
Bereits vor der Corona-Pandemie war es für Frauen im Leistungsbezug des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch (SGB II) deutlich schwerer, einen Weg (zurück) in das Erwerbsleben zu finden als für Männer. Während im Jahr 2018 beinahe jeder dritte Mann in eine Erwerbstätigkeit integriert werden konnte, war dies nur bei knapp jeder fünften Frau der Fall (Faktenblatt Gleichstellung im SGB II – März 2018). Auch wenn Kinder allein nicht ursächlich für diese Ungleichheit sind, wird diese durch Kinder verstärkt (https://www.sgb2.info/DE/Themen/Chancengleichheit/Hintergrundartikel/inhalt.html). In einer Bedarfsgemeinschaft ohne Kinder nimmt mehr als jeder vierte Mann, jedoch nur jede siebte Frau eine Erwerbstätigkeit auf. In Haushalten mit Kindern gelingt dies mehr als jedem dritten Mann und weniger als jeder achten Frau (Faktenblatt Gleichstellung im SGB II – März 2018).
Die Vermutung liegt nach Ansicht der Fragesteller nahe, dass sich diese Ungleichheit durch die Corona-Pandemie weiter verschärft hat. Denn die Schließungen von Schulen und Kindertagesstätten sowie reduzierte Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen stellen Familien vor besondere Herausforderungen. Dabei obliegt in Deutschland zumeist noch immer Frauen die Hauptverantwortung bei der Kinderbetreuung und Kindererziehung (Dörfler 2019; Schutter/Zerle-Elsäßer, 2012). Immer häufiger wird die Frage aufgeworfen, inwiefern die Corona-Pandemie Frauen in veraltete Rollenbilder drängt. Mit dieser Kleinen Anfrage möchten die Fragesteller erfahren, wie sich dies speziell bei Frauen im Leistungsbezug des SGB II gestaltet.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen16
Wie viele Frauen sind seit 2018 arbeitslos geworden (bitte monatlich angeben)?
Wie viele Männer sind seit 2018 arbeitslos geworden (bitte monatlich angeben)?
Um wie viel Prozent stieg die Arbeitslosigkeit unter Frauen seit Februar 2020 an?
Um wie viel Prozent stieg die Arbeitslosigkeit unter Männern seit Februar 2020 an?
Welche sind, nach Kenntnis der Bundesregierung, die zehn Branchen mit dem höchsten Frauenanteil bei den Beschäftigten (bitte den Frauenanteil pro Brancheprozentual sowie absolut angeben)?
Welche sind, nach Kenntnis der Bundesregierung, die zehn Branchen, in denen aufgrund der Corona-Pandemie am häufigsten Kurzarbeit angemeldet wurde (bitte ein Ranking der Branchen sowie wie häufig Kurzarbeit angemeldet wurde angeben)?
Welche sind, nach Kenntnis der Bundesregierung, die zehn Branchen, in denen aufgrund der Corona-Pandemie die meisten Menschen innerhalb der letzten Monate ihre Arbeitsstelle verloren haben (bitte ein Ranking der Branchen und die Anzahl an Arbeitsstellen je Branche, die abgebaut werden mussten angeben)?
Wie viele Frauen arbeiten – gegenüber einer Vollzeitstelle – mit reduzierter Stundenzahl (bitte monatlich seit 2018 angeben)?
a) Wie viele dieser Frauen leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft ohne Kinder (bitte monatlich angeben)?
b) Wie viele dieser Frauen leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einem minderjährigen Kind (bitte monatlich angeben)?
c) Wie viele dieser Frauen sind alleinerziehend (bitte monatlich angeben)?
Wie viele Männer arbeiten – gegenüber einer Vollzeitstelle – mit reduzierter Stundenzahl (bitte monatlich seit 2018 angeben)?
a) Wie viele dieser Männer leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft ohne Kinder (bitte monatlich angeben)?
b) Wie viele dieser Männer leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einem minderjährigen Kind (bitte monatlich angeben)?
c) Wie viele dieser Männer sind alleinerziehend (bitte monatlich angeben)?
Wie viele Frauen befinden sich im Leistungsbezug des SGB II (bitte monatlich seit 2018 angeben)?
a) Wie viele dieser Frauen leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft ohne Kinder (bitte monatlich angeben)?
b) Wie viele dieser Frauen leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einem minderjährigen Kind (bitte monatliche Angabe angeben)?
c) Wie viele dieser Frauen sind alleinerziehend (bitte monatlich angeben)?
Wie viele Männer befinden sich im Leistungsbezug des SGB II (bitte monatlich seit 2018 angeben)?
a) Wie viele dieser Männer leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft ohne Kinder (bitte monatlich angeben)?
b) Wie viele dieser Männer leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einem minderjährigen Kind (bitte monatlich angeben)?
c) Wie viele dieser Männer sind alleinerziehend (bitte monatlich angeben)?
Wie vielen Frauen im Leistungsbezug des SGB II ist seit 2018 der (Wieder-)Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt gelungen (bitte monatlich angeben)?
a) Wie viele dieser Frauen leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft ohne Kinder (bitte monatlich angeben)?
b) Wie viele dieser Frauen leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einem minderjährigen Kind (bitte monatlich angeben)?
c) Wie viele dieser Frauen sind alleinerziehend (bitte monatlich angeben)?
Wie vielen Männern im Leistungsbezug des SGB II ist seit 2018 der (Wieder-)Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt gelungen (bitte monatlich angeben)?
a) Wie viele dieser Männer leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft ohne Kinder (bitte monatlich angeben)?
b) Wie viele dieser Männer leben in einer Partner-Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einem minderjährigen Kind (bitte monatlich angeben)?
c) Wie viele dieser Männer sind alleinerziehend (bitte monatlich angeben)?
Ist die Bundesregierung der Meinung, dass die Corona-Pandemie Frauen tendenziell in veraltete Rollenbilder drängt?
Inwiefern hält die Bundesregierung es für problematisch, dass der (Wieder-)Einstieg von Frauen im SGB II-Bezug offensichtlich seltener gelingt als von Männern und es Frauen mit Kindern dabei im Durchschnitt noch schwerer haben als Frauen ohne Kinder?
Welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um Frauen im SGB II-Bezug und dabei insbesondere Frauen mit Kindern bei ihrem (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt zu unterstützen, und wie wird die Wirksamkeit dieser Maßnahmen überprüft?