Weiterhin bestehende Lieferengpässe bei Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoffen
der Abgeordneten Dr. Axel Gehrke, Detlev Spangenberg, Dr. Robby Schlund, Jörg Schneider, Uwe Witt, Paul Viktor Podolay, Jürgen Braun, Ulrich Oehme, Dr. Christian Wirth, Dr. Heiko Wildberg und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Bereits seit 1998 empfahl die Ständige Impfkommission (STIKO), alle Erwachsenen ab dem 60. Lebensjahr und chronisch Kranke mit einem Pneumokokken-Polysaccharid-Impfstoff zu immunisieren, um invasive Erkrankungen wie bakteriämische Pneumonie, Sepsis oder Meningitis zu verhindern. In Deutschland gibt es jedes Jahr ca. 12 000 Todesfällen durch schwere Pneumokokken-Erkrankungen und bis zu 135 000 Krankenhausaufenthalte. Bei den Todesfällen beträgt der Anteil der über 60-Jährigen zwischen 80 und 90 Prozent (https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2011/daz-44-2011/senioren-zur-impfung-raten).
Aufgrund der seit geraumer Zeit bestehenden Lieferengpässe bei Pneumokokken-Impfstoffen hat die STIKO das Alter der besonders vulnerablen Patientengruppe auf 70 Jahre erhöht und ihre Impfempfehlung auf die Gruppe der Immunsupprimierten, chronisch Atemwegskranken, Säuglinge und Kleinkinder eingegrenzt, um die wenigen verfügbaren Impfdosen auf die vulnerabelsten Personen zu verteilen (https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2020/04/27/prevenar-13-kommt-aus-england#:~:text=Prevenar%2013%20kommt%20aus%20England,-Stuttgart%20%2D%2027.04.2020&text=K%C3%BCrzlich%20gab%20es%20Pneumovax%2023,April%202020%20verfügbar%20sein%20wird). Trotz der Importe von „Pneumovax 23“ aus Japan und von „Prevenar 13“ aus England bestehen weiterhin Lieferengpässe bei Pneumokokken-Impfstoffen. Denn die SARS-CoV-2-Pandemie hat die Nachfrage nach diesen Vakzinen stark erhöht, um Pneumonien bei COVID-19-Erkrankungen vorzubeugen und das Gesundheitssystem nicht zusätzlich zu belasten (https://www.ptaheute.de/news/artikel/pneumovax-23-nachschub-aus-japan/#:~:text=Nun%20kommt%20Nachschub%20beim%20Pneumokokken,gestellt%20werden%E2%80%9C,%20teilte%20der%20Impfstoffhersteller).
Der weltweite Bedarf an Pneumokokken-Vakzinen wird zukünftig die Bedarfsdeckung für Deutschland durch Importe erschweren. Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) informiert seit Oktober 2015 auf seiner Internetseite über Lieferengpässe von Human-Impfstoffen, wie aktuell bei den Pneumokokken-Impfstoffen, und wie lange diese möglicherweise nicht ausgeliefert werden können (https://www.pei.de/DE/arzneimittel/impfstoffe/lieferengpaesse/lieferengpaesse-node.html.) Dieses Meldeverfahren beruht auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Impfstoffhersteller, die dem PEI möglichst frühzeitig eine Meldung zukommen lassen, sobald Impfstoffe nicht mehr verfügbar sind. Das PEI benennt auf seiner Seite gleichartige Alternativprodukte oder verlinkt zu medizinischen Empfehlungen der Robert Koch-Institutes und der Ständigen Impfkommission, die von Ärzten als Leitfaden für die Priorisierung von bestimmten Impfstoffen oder ausgewählter Bevölkerungsgruppen verwendet werden, wenn Alternativprodukte nicht verfügbar sind (https://www.pei.de/SharedDocs/Downloads/DE/arzneimittel/lieferengpaesse-deutsche-apotheker-zeitung-volltext.pdf?blob=publicationFile&v=2#:~:text=In%20den%20meisten%20Fällen%20melden,drei%20Monate%20ausgesetzt%20worden%20(Abb.).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen5
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung bisher ergriffen, und welche beabsichtigt sie zu ergreifen, um die Lieferengpässe bei den Pneumokokken-Impfstoffen zu beenden?
Plant die Bundesregierung, die Produktion von Pneumokokken-Impfstoffen in Deutschland zu fördern?
Wenn ja, welche Maßnahmen wird Sie hierzu ergreifen, und wenn nein, warum nicht?
Auf welche wissenschaftlichen Erhebungen stützt sich die Bundesregierung, um die Anhebung des Alters der vulnerablen Patientengruppe für die Pneumokokken-Impfung auf 70 Jahre durch die STIKO zu rechtfertigen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
a) Wurde ein Zeitpunkt festgelegt, bis zu dem die Anhebung der Altersgrenze bestehen soll?
b) Wie beurteilt die Bundesregierung die Impfung gerade der 60- bis 70-Jährigen als Präventionsmaßnahme, um einer späteren noch größeren Gefährdung in einer höheren Altersgruppe vorzubeugen, vor dem Hintergrund, dass bis 2020 von der STIKO bereits ab einem Lebensalter von 60 Jahren zur Pneumokokken-Impfung geraten wurde und nicht erst ab 70 Jahren (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?
Beabsichtigt die Bundesregierung, alternativ zur Impfung Maßnahmen zu ergreifen, wie beispielsweise Aufklärung durch Flyer, TV-Sendungen über präventives Verhalten oder Medikamente, um die Altersgruppe der 60- bis 70-Jährigen, in der die Todesfälle im Vergleich zu den unter 60-Jährigen auch schon deutlich ansteigen, zu schützen (https://www.gbe-bund.de/gbe/pkg_isgbe5.prc_menu_olap?p_uid=gast&p_aid=47316594&p_sprache=D&p_help=3&p_indnr=562&p_indsp=&p_ityp=H&p_fid=)?
Beabsichtigt die Bundesregierung, ein Zentralregister einzurichten, das bei Lieferengpässen die noch verfügbaren Impfstoffdosen in den Filialen des Apothekengroßhandels, in einzelnen Apotheken oder Arztpraxen erfasst?
Wenn nein, warum nicht?