Medienberichte über Probleme beim Immobilienkonzern Adler Real Estate AG
der Abgeordneten Fabio De Masi, Jörg Cezanne, Klaus Ernst, Stefan Liebich, Thomas Lutze, Pascal Meiser, Bernd Riexinger, Dr. Axel Troost, Alexander Ulrich, Dr. Sahra Wagenknecht und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Im Jahr 2020 fusionierte der Immobilienkonzern Adler Real Estate mit dem Wettbewerber Ado Properties und dem Projektentwickler Conus Real Estate zu einem integrierten Immobilienkonzern mit etwa 52 000 Wohnungen in Deutschland. Das „Handelsblatt“ beschreibt die komplexe Fusion folgendermaßen:
- „Zunächst übernahm im September die Adler Real Estate für 708 Mio. Euro die israelische Ado Group und sicherte sich so die Kontrolle an deren Tochtergesellschaft Ado Properties – zum doppelten Wert des damaligen Börsenkurses. Kurz darauf trat der Vorstand von Ado Properties zurück. Auch fünf Mitglieder des Verwaltungsrats legten ihre Ämter nieder.
- Das neue Management der Ado Properties kündigte dann fünf Tage später an, nun seinerseits seinen hochverschuldeten Großaktionär Adler Real Estate und in einem zweiten Schritt den klammen Projektentwickler Consus Real Estate zu übernehmen. Die Tochtergesellschaft übernahm also das Unternehmen, das zuvor den Mutterkonzern übernommen hatte.
- Kritiker monierten, dass der Deal zulasten von Ado Properties und seinen Aktionären gegangen sei. Um die Kosten zu stemmen und die Schulden von Adler Real Estate abzulösen, musste das Unternehmen einen Kredit über 3,5 Mrd. Euro bei der US-Bank JP Morgan aufnehmen. Analysten kritisierten zudem, dass das Portfolio der auf Berlin spezialisierten Ado Properties verwässert würde.“ (vgl. https://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/immobilien-waru m-die-adler-real-estate-ag-fast-eine-halbe-milliarde-euro-abschreiben-musste/2 7541316.html).
Laut „Handelsblatt“ hat die Adler Real Estate AG nun 491 Mio. Euro abschreiben müssen, die das Unternehmen auf die Corona-Pandemie zurückführt. In der Fusion seien laut Kritikerinnen und Kritikern der Fusion die Schulden der Adler Real Estate abgelöst worden, was zulasten von Ado Properties und seinen Aktionärinnen und Aktionären erfolgt sei. Kritikerinnen und Kritiker beklagen, dass der komplexe Übernahmeprozess für Anlegerinnen und Anleger nicht transparent gewesen sei. Es gab sogar eine Warnung vom Vermögensverwalter Timbercreek (der heute Hazelview Investments heißt) an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) bezüglich potentieller Interessenkonflikte. Die BaFin hat die Fusion jedoch nicht unterbunden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen15
Welche, Untersuchungshandlungen hat die BaFin im Zusammenhang mit der Fusion der Unternehmen Adler Real Estate, Ado Properties und Conus Real Estate getätigt?
Wann und in welcher Form hat die BaFin erstmalig Kenntnis von den Fusionsplänen erlangt?
Welchen Inhalt hatte der Hinweis von Timbercreek (heute Hazelview Investments genannt) zu möglichen Interessenkonflikten bei der Fusion an die BaFin (vgl. https://www.handelsblatt.com/finanzen/immobilien/i mmobilien-warum-die-adler-real-estate-ag-fast-eine-halbe-milliarde-eu ro-abschreiben-musste/27541316.html)?
Hat die BaFin weitere Hinweise bezüglich dieser Fusion erhalten, und wenn ja, wie viele?
Welche Prüfungen wurden von welcher Stelle innerhalb der BaFin aufgrund des Hinweises (bzw. der Hinweise) vorgenommen?
Gab es Whistleblower-Hinweise zur Fusion an die BaFin?
Wie begründet die BaFin die Entscheidung, die Fusion nicht zu unterbinden?
Haben die BaFin, die Financial Intelligence Unit, die Sicherheitsbehörden oder andere Bundesbehörden jenseits des Aspektes der Fusion weitere Hinweise (z. B. Geldwäscheverdachtsmeldungen oder Warnungen hinsichtlich etwaiger Bilanzmanipulationen) bezüglich des Konzerns Adler Real Estate oder verbundener Unternehmen erhalten?
Wenn ja, wie viele derartige Hinweise sind erfolgt, und wie wurde mit diesen Hinweisen umgegangen (bitte jeweils den Zeitpunkt der Meldung sowie die Behörde angeben, die den Hinweis erhielt)?
Gibt es derzeit Ermittlungen seitens der BaFin oder anderer Bundes- bzw. Strafverfolgungsbehörden im Zusammenhang mit der Adler Real Estate oder mit verbundenen Unternehmen, und wenn ja, welche?
Welche Kontakte gab es zwischen Mitgliedern der Bundesregierung und Cevdet Caner von der Ado Properties (vgl. https://www.wiwo.de/my/finan zen/immobilien/ado-properties-geniales-geschaeft/25683326-2.html?ticke t=ST-2858943-Tev4CnpgvYcbcA610lKp-ap1; bitte Zeitpunkt, Teilnehmende und Anlass bzw. Thema auflisten)?
Hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie jemals Prüfungshandlungen (z. B. für Bundestagsabgeordnete) in Bezug auf die Zuverlässigkeit von Cevdet Caner oder der Adler Real Estate Gruppe und der mit ihr verbundenen Unternehmen durchgeführt?
Hatte die Bundesregierung Hinweise darauf, dass Cevdet Caner in irgendeiner Form an der Fusion beteiligt ist oder Einfluss auf die an dem Deal beteiligten Unternehmen hat?
Wie viele Mieterinnen und Mieter leben nach Kenntnis der Bundesregierung in Immobilien der Adler Real Estate Gruppe (einschließlich der Ado Properties und der Conus Real Estate) in Deutschland?
Auf welche Bundesländer verteilen sich die Immobilien?
Wie groß ist der Marktanteil der Gruppe in Bezug auf den deutschen Wohnungsmarkt?