Vermüllung durch Corona-Masken und die Gefahr für Wildtiere sowie Gefahren durch Mikroplastik im Wald
der Abgeordneten Peter Felser, Stephan Protschka, Frank Rinck, Bernd Schattner, Dietmar Friedhoff, Steffen Janich, Enrico Komning, Uwe Schulz und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Wie aus einer gemeinsamen Studie der Universität Leiden und des Instituts Naturalis Biodiversity hervorgeht, werden monatlich weltweit geschätzt 129 Milliarden Gesichtsmasken und 65 Milliarden Schutzhandschuhe entsorgt (https://brill.com/view/journals/ab/71/2/article-p215_7.xml), viele davon in einer Weise, die für die Umwelt, insbesondere für unsere Wildtiere, fatal ist. Es sind zahlreiche Fälle dokumentiert, in denen durch weggeworfene Masken und Schutzhandschuhe Vögel, Süßwassertiere, Meerestiere, aber auch Säugetiere verendeten (https://www.rnd.de/wissen/niederlandische-nachwuchsforscher-masken-werden-auf-jahrhunderte-eine-gefahr-fur-tiere-darstellen-2PS2PPY6VRH2BB3OLP55HJJNGA.html). Die echten Zahlen werden höher bewertet (https://www.mdr.de/ratgeber/familie/masken-tiere-gefahr-sterben-100.html). Die Deutsche Wildtierstiftung hält die Ergebnisse des niederländischen Forscherteams nur für die Spitze des Eisberges (ebd.).
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz schätzte die Zahl der Atemschutzmasken, die allein in Deutschland im Jahr 2021 gebraucht wurden, auf 12 Milliarden (https://bnn.de/karlsruhe/karlsruher-norden/masken-ffp2-corona-muell-wald-gefahr-tiere).
Sehr häufig sind Vögel betroffen, da sie die Masken und Handschuhe gern zum Nestbau benutzen, wo sich besonders die Küken darin verheddern und in der Folge oftmals sterben. Dies betrifft auch Säugetiere wie Igel, Fledermäuse, Füchse und Wildschweine, die sich ebenfalls darin verheddern oder weil Plastik- und Gummimaterial den Nahrungstrakt blockieren (https://brill.com/view/journals/ab/aop/article-10.1163-15707563-bjal10052/article-10.1163-15707563-bja10052.xml).
Auch das Thema Mikroplastik gewinnt nicht nur in den deutschen Wäldern an Brisanz. Das Ökosystem Wald wird durch Plastik sowohl von außerhalb als auch aus der Waldbewirtschaftung selbst belastet. Die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, unter der Leitung der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, hat dazu ein eigenes Förderprojekt ins Leben gerufen („The Forest Cleanup“, (https://theforestcleanup.de/). Die Einbringung und der Transport von Mikroplastik wirken sich auf das Pflanzenwachstum aus. Die biophysikalischen Eigenschaften der Böden, beispielsweise die Wasserkapazität, die Dichte und die mikrobielle Aktivität, verändern sich (Machado et. al. 2019, zitiert nach https://link.springer.com/article/10.1007/s00506-020-00701-9). Somit sind auch Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum erkennbar. Als ökologische Folge kann es daraus zu Verschiebungen innerhalb der Lebensgemeinschaft von Pflanzen führen. Möglicherweise wird der Ausbreitung von invasiven Arten damit Vorschub geleistet (https://www.deutschlandfunkkultur.de/plastik-als-risiko-kunststoff-verschmutzt-die-boeden-mit.976.de.html?dram:article_id=457516).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen5
Kennt die Bundesregierung die aktuellen Zahlen der an „Corona-Müll“ verendeten Wildtiere in Deutschland, geordnet nach Bundesländern und Wildtierart, und wenn ja, wie hoch sind diese?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Meldeportale zur Erfassung der verendeten Tiere, und wenn ja, welche?
Hat die Bundesregierung Kenntnisse sowohl über den langfristigen Einfluss von Mikroplastik im Magen- und Darmtrakt heimischer Wildtiere als auch über den durch „Corona-Müll“ verursachten (bei wild lebenden Säugern wie Wildschwein, Igel, Fuchs), und wenn ja, in welcher Weise hat der Darminhalt Auswirkungen auf den Gesundheitszustand der Wildtierarten?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wie die Beseitigung bzw. Entsorgung von gebrauchten Corona-Einwegmasken, Schutzhandschuhen und anderen Wegwerfprodukten in freier Wildbahn (Wälder, Parkanlagen in Städten, Flüsse, Seen) organisiert wird, und wenn ja, wer trägt hierbei die entstehenden Folgekosten?
Beabsichtigt die Bundesregierung, eine Strategie zur Reduktion von Plastik im Wald zu erarbeiten?
Wenn ja, wann?
Wenn nein, warum nicht?