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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Gain-of-function-Forschung an der Berliner Charité (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/284)

(insgesamt 4 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

07.04.2022

Antwortdauer

15 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 20/113323.03.2022

Gain-of-function-Forschung an der Berliner Charité (Nachfrage zur Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/284)

der Abgeordneten Jürgen Braun, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Jörg Schneider, Thomas Dietz, Kay-Uwe Ziegler, Carolin Bachmann, Robert Farle, Martin Reichardt, Frank Rinck und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Aus einer Stellungnahme des Deutschen Ethikrates vom 28. April 2014 geht hervor, dass in Deutschland ca. zehn Projekte der Bezeichnung „Dual Use Research of Concern“ (DURC) durchgeführt werden (https://www.ethikrat.org/mitteilungen/mitteilungen/2014/ethikrat-legt-stellungnahme-zur-biosicherheit-vor/?cookieLevel=not-set).

Diese Forschungen, zu denen auch Gain-of-function-Experimente zählen, umfassen Arbeiten im Bereich der Biowissenschaften, bei denen nach Ansicht der Fragesteller anzunehmen ist, dass sie Wissen, Produkte oder Technologien hervorbringen, die unmittelbar von Dritten missbraucht werden könnten. Eine Besonderheit solcher sicherheitstechnisch bedenklichen Projekte sei, dass diese „Agenzien“ (https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Biosicherheit/Agenzien/erreger_node.html) grundsätzlich das Potential haben, als Massenvernichtungswaffen eingesetzt zu werden, um das Leben oder die Gesundheit einer Vielzahl von Menschen, die Umwelt oder sonstige bedeutsame Rechtsgüter zu schädigen, selbst wenn die Freisetzung entsprechender Erreger örtlich begrenzt erfolgt. Bei einer solchen staaten- oder kontinenteübergreifenden Ausbreitung spricht man von einer Pandemie.

Die Anzeichen dafür, dass das Virus SARS-CoV-2 das Resultat derartiger Projekte, konkret der Gain-of-function-Experimente, und damit nach Ansicht der Fragesteller in einem Labor entstanden sein muss, verdichten sich bereits seit mehreren Monaten zunehmend, am 22. Februar 2022 wurde gar eine von zahlreichen internationalen Forschern unterzeichnete Erklärung veröffentlicht, die diese These vertritt und ein Verbot der Gain-of-function-Forschung fordert (https://www.cicero.de/aussenpolitik/hamburger-erklaerung-2022-gain-of-function-wuhan-corona-drosten-wiesendanger). Dennoch wurde diese These von führenden Virologen, mitunter Prof. Dr. Christian Drosten, schon 2020, zu einer Zeit, in der diese Frage noch als völlig ungeklärt gelten konnte, als Verschwörungstheorie abgetan (https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30418-9/fulltext).

Doch freigegebene E-Mails des amerikanischen Chief Medical Advisor to the President Dr. Anthony Fauci, Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), welche von der „Washington Post“ veröffentlicht wurden (vgl. https://www.nbcnews.com/news/us-news/fauci-s-emails-don-t-prove-wuhan-conspiracy-raise-further-n1269650), belegen nach Ansicht der Fragesteller inzwischen, dass die Möglichkeit der Laborherkunft aktiv geleugnet werden sollte. Nach Ansicht der Fragesteller waren an diesen mutmaßlich international koordinierten Bemühungen zur Verschleierung einer möglichen Herkunft von SARS-CoV-2 aus einem Forschungslabor zahlreiche Experten beteiligt – darunter wohl auch Prof. Dr. Christian Drosten, wie Prof. Dr. Roland Wiesendanger, Physiker und Lehrstuhlinhaber an der Universität Hamburg, in einem Interview mit der Zeitschrift „Cicero“ eingehend darlegte (https://www.cicero.de/kultur/coronavirus-labor-christian-drosten-roland-wiesendanger-wuhan-anthony-fauci-emails vom 2.22022, derzeit aufgrund juristischer Auseinandersetzungen nicht abrufbar).

In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ wies Prof. Dr. Christian Drosten die gegen ihn durch Prof. Dr. Roland Wiesendanger erhobenen Vorwürfe zwar zurück, gestand allerdings ein, dass am Institut für Virologie Wuhan (Wuhan Institute of Virology) „durchaus Sachen gemacht wurden, die man als gefährlich bezeichnen könnte“ (https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/corona-wiesendanger-drosten-1.5524315?reduced=true).

Allerdings bleiben auch nach der Stellungnahme von Prof. Dr. Christian Drosten in der „Süddeutschen Zeitung“ für die Fragesteller wichtige Fragen offen. Denn Prof. Dr. Roland Wiesendanger betonte in dem betreffenden Artikel, dass gerade die in Wuhan betriebene Gain-of-function-Forschung für eine Laborursprungsthese spreche. Er zeigte sich aber noch in diesem am 2. Februar 2022 veröffentlichten Interview auf Nachfrage des Interviewers in Unkenntnis darüber, ob auch an der Berliner Charité Gain-of-function-Experimente betrieben werden.

Auch aus diesbezüglichen Dokumenten der Wissenschaftlichen Dienste (WD) des Deutschen Bundestages geht nicht hervor, ob an der Charité Gain-offunction-Forschung betrieben wird (vgl. WD 8 - 3000 - 077/21). Nach Ansicht der Fragesteller scheint die Information darüber, dass dort derartige Experimente, koordiniert von Prof. Dr. Christian Drosten, durchgeführt werden, erst vor wenigen Wochen auf der Internetseite der Charité erschienen zu sein (https://virologie-ccm.charite.de/forschungsnetz_zoonotische_infektionskrankheiten/rapid/).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen4

1

Wie bewertet die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Äußerungen von Prof. Dr. Roland Wiesendanger (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) die Gain-of-function-Forschung, und hält sie an ihrer Einschätzung fest, es handele sich um „wichtige Instrumente der biomedizinischen Forschung“ (vgl. Bundestagsdrucksache 20/284)?

2

Seit wann ist der Bundesregierung bekannt, dass auch an der Berliner Charité Gain-of-function-Untersuchungen durchgeführt werden (vgl. Bundestagsdrucksache 20/284), und warum hat die Bundesregierung dies nicht umgehend der Öffentlichkeit bekannt gemacht?

Ist der Bundesregierung bekannt, warum die Charité, falls diese die entsprechende Information (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) erst im Verlauf der vergangenen Wochen auf ihrer Homepage bekannt gab, ausgerechnet jetzt beschloss, das zu tun?

3

Stützt sich die Bundesregierung bei dieser neuen, durch die veröffentlichten E-Mails von Dr. Anthony Fauci (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), veränderten Faktenlage, weiterhin auf die Expertise von Prof. Dr. Christian Drosten?

4

Ist der Bundesregierung bekannt, welche Gain-of-function-Forschungsprojekte an der Charité derzeit stattfinden (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

Wenn ja, zu welchem genauen Zweck wurden die entsprechenden Experimente durchgeführt, und wann begannen diese?

Berlin, den 2. März 2022

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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