Mehrgenerationenhäuser in Deutschland
der Abgeordneten Gökay Akbulut, Susanne Ferschl, Matthias W. Birkwald, Ates Gürpinar, Pascal Meiser, Sören Pellmann, Heidi Reichinnek, Dr. Petra Sitte, Jessica Tatti, Kathrin Vogler und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Im Jahr 2006 wurden die ersten Mehrgenerationenhäuser (MGH) im Rahmen des „Aktionsprogramms Mehrgenerationenhäuser I“ ins Leben gerufen. Seitdem haben sie sich für die Kommunen zu einer wichtigen Säule im generationsübergreifenden Dialog und bürgerschaftlichen Engagement entwickelt.
In den ersten Jahren wurden die MGH für jeweils fünf Jahre mit 40 000 Euro jährlich finanziert. Dabei wurden 200 der damals 500 Häuser aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds kofinanziert. Die damalige gemeinsame Förderung betrug insgesamt 100 Mio. Euro.
Im Jahr 2012 wurde im Anschluss ein zweites Aktionsprogramm ins Leben gerufen mit einer nur zweijährigen Laufzeit, welches dann bis 2016 verlängert wurde. Ab 2017 wurde dann ein weiteres Bundesprogramm gestartet, um die MGH bis 2020 zu finanzieren. Am 1. Januar 2021 startete erneut ein Bundesprogramm für die MGH unter dem Titel „Miteinander – Füreinander“. Dieses Bundesprogramm soll nun für acht Jahre den Bestand der MGH sichern. Eine dauerhafte Verstätigung der Finanzierung für die MGH ist für die Zeit nach Ende des derzeitigen Förderprogramms nicht absehbar. Im Fokus des neuen Bundesprogrammes soll die Demokratieförderung, die Erweiterung digitaler Kompetenzen sowie Steigerung des Engagements für ökologische Nachhaltigkeit liegen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen27
Wie viele Mehrgenerationenhäuser (MGH) werden momentan in Deutschland gefördert (bitte nach Bundesländern, Landkreisen und kreisfreien Städten auflisten)?
Wie viele MGH waren schon Teil der vorherigen Aktionsprogramme (bitte nach Bundesländern, Landkreisen und kreisfreien Städten auflisten)?
Wie viele MGH sind neu in der aktuellen Förderung (bitte nach Bundesländern, Landkreisen und kreisfreien Städten auflisten)?
Wie hoch ist der Anteil von barrierefreien MGH, und wie hoch ist die Steigerung gegenüber den vorherigen Aktionsprogrammen?
Welchen Anteil der Finanzierung von MGH tragen bisher die Kommunen, welchen Anteil tragen Bund und Länder (bitte nach Bundesländern, Landkreisen und kreisfreien Städten aufschlüsseln)?
Wie viele Mittel sind seit 2006 bis heute für die Finanzierung von MGH ausgezahlt worden, und wie viele MGH wurden damit gefördert (bitte nach Bundesländern und Jahren aufschlüsseln)?
Wie viele Mittel sind seit 2007 in die Finanzierung von MGH pro Landkreis und kreisfreier Stadt bundesweit geflossen (bitte getrennte nach Förderprogramm und insgesamt aufschlüsseln)?
Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den MGH hauptamtlich und wie viele ehrenamtlich tätig (bitte nach Bundesland, Projekt, Landkreis und kreisfreien Städten aufschlüsseln)?
Wie hat sich das mittlere Stunden- und Monatsentgelt (Median) von Beschäftigten in den MGH entwickelt, und wie hoch war der Anteil der MGH, die tarifgebundenen sind (bitte jeweils nach Beschäftigten in tarifgebundenen und nicht tarifgebundenen Unternehmen sowie nach Bundesländern aufschlüsseln und die letzten verfügbaren Daten sowie die Jahreszahlen der letzten zehn Jahren angeben)?
Wie viele Menschen haben einen Bundesfreiwilligendienst in einem MGH gemacht (bitte nach Jahren, Bundesland, Projekt, Landkreis und kreisfreien Städten sowie nach Alter und Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie viele Jugendliche haben in einem MGH ein freiwilliges soziales Jahr oder ein freiwilliges ökologisches Jahr gemacht (bitte nach Jahren, Bundesland, Projekt, Landkreis und kreisfreien Städten sowie nach Alter und Geschlecht aufschlüsseln)?
Wie viele Jugendliche haben in einem MGH ein freiwilliges soziales Jahr – Digital gemacht (bitte nach Jahren, Bundesland, Projekt, Landkreis und kreisfreien Städten sowie nach Alter und Geschlecht aufschlüsseln)?
Welche Aufgaben haben die Freiwilligen dort im Einzelnen übernommen (bitte je nach Dienst aufschlüsseln)?
Welche Altersstruktur haben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den MGH (bitte nach Bundesländern und Geschlecht aufschlüsseln)?
Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, dass aus bürgerschaftlichem Engagement in MGH sich sozialversicherungspflichtige „reguläre“ Arbeitsverhältnisse entwickelt haben?
Welche Marketingmaßnahmen wurden ergriffen, um die Bekanntheit von MGH zu erhöhen (bitte nach Jahren und ggf. Bundesländern und MGH aufschlüsseln), bzw. sind nach dem aktuellen Stand Marketingmaßnahmen geplant, um MGH bekannter zu machen?
Wenn ja, welche, wo, und wie viel kosten diese Maßnahmen?
Welche Auswirkungen hatte die Corona-Pandemie auf die Mehrgenerationenhäuser (u. a. Öffnungszeiten, Angebote sowie die finanzielle Situation)?
Mussten MGH aufgrund der Pandemie dauerhaft schließen, wenn ja, welche (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung getroffen, um dauerhafte Schließungen von Mehrgenerationenhäusern zu verhindern?
Ist der Bundesregierung bekannt, wie viele Mehrgenerationenhäuser durch Vereine, Verbände, Stiftungen oder Unternehmen mischfinanziert werden und in welchem Umfang (bitte pro Mehrgenerationenhaus und in Prozent im Verhältnis zur Bundesförderung aufschlüsseln)?
Wie viele der Mehrgenerationenhäuser haben einen der großen Wohlfahrtsverbände als Träger und/oder Kooperationspartner?
Welche Handlungsfelder bedienen die Mehrgenerationenhäuser (Alter und Pflege, Integration und Bildung, haushaltsnahe Dienstleistungen, freiwilliges Engagement, Selbsthilfe) nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte pro Haus aufschlüsseln)?
Wie viele Anträge auf Förderung, die wegen fehlender Kofinanzierungserklärungen abgelehnt werden mussten, gab es seit 2006 (bitte pro Jahr und Bundesland auflisten)?
Wie sollen nach Ansicht der Bundesregierung die Mehrgenerationenhäuser ihre Ausgaben in Bezug auf en gestiegenen administrativen Aufwand und die Kostensteigerung, (z. B. für Mieten, Sachkosten, Personalkosten, Energiekosten) begleichen?
Wie werden die Ziele des Bundesprogrammes, die Demokratieförderung, Erweiterung digitaler Kompetenzen und ein stärkeres Engagement für ökologische Nachhaltigkeit, in den MGH umgesetzt, und inwiefern ist konkret zu diesen Zielen eine Evaluierung geplant?
Wie viele der Angebote zum Schwerpunkt des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus von 2017 bis 2020 „Integration von Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte“ werden weiterhin angeboten, und warum wurde dieser Schwerpunkt, trotz großer Nachfrage, nicht mehr als Schwerpunkt aufrechterhalten?
Welche Rolle sollen die MGH bei der Bekämpfung von Isolierung bzw. Einsamkeit im Allgemeinen und insbesondere für Seniorinnen und Senioren spielen?
Welche Ziele verfolgt die Bundesregierung konkret, und welche Maßnahmen will sie hierbei unterstützen?