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Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

Förderung von sogenanntem unkonventionellem Erdgas in Deutschland transparent gestalten

Suche und Probebohrungen nach unkonventionellem Erdgas (durch neuartige Fördermethoden aus tiefen Gesteinsschichten gewonnenes Gas), Orte und beteiligte Firmen, Fördermethoden und mögliche Umweltschäden, insbes. durch die verwendeten Chemikalien<br /> (insgesamt 23 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie

Datum

28.09.2010

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/287507. 09. 2010

Förderung von sogenanntem unkonventionellem Erdgas in Deutschland transparent gestalten

der Abgeordneten Oliver Krischer, Hans-Josef Fell, Dorothea Steiner, Cornelia Behm, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Ingrid Nestle, Friedrich Ostendorff, Dr. Hermann Ott, Markus Tressel, Daniela Wagner, Dr. Valerie Wilms und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Als unkonventionelles Erdgas bezeichnet man Gas, welches durch neuartige Bohrmethoden aus tiefen Gesteinsschichten wie Tonsteinen (Shale Gas), Sandsteinen, Kalksteinen, Kohleflözen, Aquiferen und Gashydraten gewonnen werden kann. Verfeinerte Bohrmethoden machen die Förderung dieses Erdgases möglich und erschwinglich. Die Internationale Energieagentur schätzt die weltweiten Reserven auf 921 Billionen Kubikmeter, was dem Fünffachen der weltweit in den konventionellen Reservoirs lagernden Mengen entspricht.

In den USA macht die Förderung von unkonventionellem Erdgas schon heute mehr als 40 Prozent der Gesamtförderung an Erdgas aus. Von dort stammen jedoch auch Berichte über erhebliche Umweltbelastungen, die mit der Förderung von unkonventionellem Erdgas, insbesondere dem sogenannten Shale Gas, in Zusammenhang stehen. So wird in den Medien von Verunreinigungen des Grundwassers sowie von Giftstoffen wie Arsen und radioaktiven Stoffen, die bei der Förderung an die Oberfläche gelangen, berichtet. Auch in Europa werden große Vorkommen an unkonventionellem Erdgas vermutet.

Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Aktueller Stand der Förderung von unkonventionellem Erdgas in Deutschland“ (Bundestagsdrucksache 17/1867) angegeben, für die Vergabe der Lizenzen für Probebohrungen seien die Bergbehörden der Bundesländer zuständig. Weiter habe sich bisher nur der Konzern ExxonMobil Central Europe Holding GmbH zur Suche nach Shale Gas in Deutschland bekannt. Laut Medienberichten sind jedoch bereits deutlich mehr Firmen in Deutschland aktiv und haben auch schon Probebohrungen durchgeführt. Dabei sei auch schon mit der Methode des sogenannten Fracing vorgegangen worden, welche durch einen hohen Einsatz giftiger Chemikalien und einen hohen Wasserverbrauch gekennzeichnet ist.

Vor diesem Hintergrund fragen wir die Bundesregierung:

Fragen23

1

Welche Firmen suchen nach Kenntnis der Bundesregierung gegenwärtig in Deutschland nach unkonventionellem Erdgas (bitte auflisten)?

2

An welchen Orten in Deutschland wurde die Durchführung von Probebohrungen nach unkonventionellem Erdgas bei den Bergbehörden der Bundesländer beantragt, und wo wurden welche Bohrungen genehmigt bzw. abgelehnt?

3

An welchen Orten in Deutschland haben bereits Probebohrungen nach unkonventionellem Erdgas stattgefunden?

4

An welchen Orten in Deutschland haben bereits Probebohrungen nach unkonventionellem Erdgas stattgefunden, bei denen auch die Fracing-Methode eingesetzt wurde?

5

Wurden oder werden bei der Tightgasförderung in Niedersachsen oder in anderen Bundesländern chemische Substanzen mit oder ohne Fracing-Methode eingesetzt?

6

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über mögliche Umweltschäden vor, die bei der Förderung von unkonventionellem Erdgas entstehen können?

7

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die bei der Förderung von unkonventionellem Erdgas entstehenden Belastungen des Grundwassers vor?

8

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die bei der Förderung von unkonventionellem Erdgas entstehenden Luftemissionen vor?

9

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Flächenverbrauch bei der Förderung von unkonventionellem Erdgas vor?

10

Wie bewertet die Bundesregierung die Gefahr durch bei der Förderung von unkonventionellem Erdgas an die Oberfläche gelangenden Schadstoffen, wie zum Beispiel Arsen oder radioaktiven Stoffen, und welche fachgerechte Entsorgung nach dem geltenden Regelwerk ist hierfür vorgesehen?

11

Welche Mengen an Wasser wurden bei der Förderung von unkonventionellem Erdgas in Deutschland benötigt, und wo kommt dieses Wasser her?

12

Wie wird das bei der Förderung von unkonventionellem Erdgas entstehende Abwasser gereinigt bzw. entsorgt?

13

Haben die zuständigen Bergämter von den explorierenden Unternehmen im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für Probebohrungen und/oder Fracing detaillierte Informationen über die dabei eingesetzten Chemikalien verlangt, und wenn nein, warum nicht?

14

Besteht eine Offenlegungspflicht für die explorierenden Unternehmen über die genauen Bestandteile der bei der Förderung von Unkonventionellem Erdgas verwendeten Chemikalien gegenüber den zuständigen Bergämtern der Bundesländer oder anderen Genehmigungsbehörden, und wenn nein, warum nicht?

15

Wie bewertet die Bundesregierung die Tatsache, dass in Deutschland nach Medienberichten bereits Fracing stattgefunden hat, obwohl bisher noch keine Forschungen zu den Umweltauswirkungen stattgefunden haben?

16

Welche Informationen liegen der Bundesregierung und den Bergämtern der Länder über die bei der Fracing-Methode eingesetzten Chemikalien vor?

17

Verfügen die Bundesregierung und die Bergämter der Länder über eine Auflistung der Chemikalien und Mengen, die beim Fracing in Deutschland eingesetzt wurden, und wenn ja, welche sind das?

18

Welche Maßnahmen haben die Bergämter der Bundesländer, in denen Fracing bisher stattgefunden hat, ergriffen, um Verunreinigungen des Grundwassers durch die dabei eingesetzten Chemikalien zu verhindern?

19

Führen die Bergämter der Bundesländer ein Monitoring der Auswirkungen des Fracing auf das Grundwasser durch, und wenn ja, wer übernimmt die Kosten des Monitorings?

20

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Dichtheit und Sicherheit der Zementringe vor, welche auf Höhe des Grundwassers im Bohrloch verlegt werden?

21

Beabsichtigt die Bundesregierung, Forschungsaufträge zu den Umweltauswirkungen der Förderung von unkonventionellem Erdgas zu vergeben bzw. selbst Forschungen durchzuführen, und wenn nein, warum nicht?

22

Wie bewertet die Bundesregierung Berichte aus den USA, nach denen es durch die Förderung von unkonventionellem Erdgas zu massiven Verunreinigungen des Grundwassers und des Trinkwassers gekommen ist?

23

Bis wann liegt eine Abschätzung des Ressourcenpotentials von Shale Gas durch die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe vor?

Berlin, den 7. September 2010

Renate Künast, Jürgen Trittin und Fraktion

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