Schädlichkeit des in Windkraftanlagen verwendeten Gases Schwefelhexafluorid
des Abgeordneten Gerrit Huy und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Aus einem Bericht der „Tagesschau“ vom 18. August 2022 geht hervor, dass Leckagen des zur Schaltisolierung verwendeten Gases Schwefelhexafluorid (SF6), die in die Atmosphäre entweichen, einen vergleichbar großen Treibhausgaseffekt haben sollen wie der gesamte innerdeutsche Flugverkehr (vgl. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/erneuerbare-energien-windkraft-treibhausgas-sf6-101.html). Diese, ausgedrückt als Wirkung eines entsprechenden CO2-Äquivalents, belaufen sich auf etwa 2 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.
Aus Messungen geht jedoch hervor, dass die tatsächlichen Leckagen etwa 50 Prozent höher sind als die von der Industrie gemeldeten (https://www.ardmediathek.de/video/plusminus/sf6-die-schlummernde-gefahr-in-windraedern/das-ers-te/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3BsdXNtaW51cy9kMzUyYzFlZS0wZmRiLTQ3ZjUtOGFhNy1iNGFlODVjMjI5YmU). Demnach entspricht der tatsächliche Anteil an Schwefelhexafluorid in der Atmosphäre etwa 3 Millionen Tonnen CO2 (a. a. O.).
Mit Blick auf die Klimaschutz-Strategie der Bundesregierung (https://www.bmuv.de/themen/klimaschutz-anpassung/klimaschutz/nationale-klimapolitik/klimaschutzplan-2050) interessieren sich die Fragesteller für verschiedene Aspekte dieser Problematik.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen16
Hat die Bundesregierung Erkenntnisse über die Klimawirkung von Schwefelhexafluorid (SF6) im Vergleich zu CO2, und wenn ja, welche?
Liegen der Bundesregierung eigene Kenntnisse über das Ausmaß von Leckagen des verwendeten SF6 vor, und wenn ja, wie verhält sich dieses Leckagevolumen zu dem von der Industrie angegebenen Maß (vgl. https://www.ardmediathek.de/video/plusminus/sf6-die-schlummernde-gefahr-in-windraedern/das-ers-te/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3BsdXNtaW51cy9kMzUyYzFlZS0wZmRiLTQ3ZjUtOGFhNy1iNGFlODVjMjI5YmU; bitte die Entwicklung der ermittelten und die von der Industrie gemeldeten Verluste jährlich seit 2010 angeben)?
Wenn Frage 2 bejaht wurde, seit wann hat die Bundesregierung Kenntnis über die Klimawirkung von SF6, und wo ist dieses Klimarisiko bei der Bewertung der Umweltfreundlichkeit von Anlagen zur Stromerzeugung über sogenannte erneuerbare Energien enthalten?
Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, wie sich der Einsatz von SF6 im Bereich der sogenannten erneuerbaren Energien verteilt (wenn ja, bitte genaue absolute und relative Zahlen zu den Anteilen für Windkraftanlagen, andere dezentrale Energieanlagen und übrige Anlagen angeben)?
Wenn Frage 2 bejaht wurde, wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der durchschnittliche Anteil an SF6-Leckagen pro aufgebauter Windkraftanlage?
Ist es nach Auffassung der Bundesregierung mit der Klimaschutz-Strategie der Bundesregierung vereinbar, dass es in Deutschland bis heute keinen Hersteller von SF6-freien Onshore-Windkraftanlagen gibt (vgl. https://www.ardmediathek.de/video/plusminus/sf6-die-schlummernde-gefahr-in-windraedern/das-ers-te/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3BsdXNtaW51cy9kMzUyYzFlZS0wZmRiLTQ3ZjUtOGFhNy1iNGFlODVjMjI5YmU)?
Plant die Bundesregierung, die Zulassung neuer Windkraftanlagen nur dann zu ermöglichen, wenn diese frei von SF6 betrieben werden können, und falls nein, warum nicht?
Welchen Rang nimmt Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung als Emittent von SF6 in Europa ein?
Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, wie sich der Anteil an SF6 in der Atmosphäre in Zukunft entwickeln wird (ggf. bitte ausführen)?
Wenn Frage 1 bejaht wurde, welchem Treibhausgaspotential im Vergleich zu CO2 entspricht das tatsächlich entweichende SF6 nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte in Tonnen CO2 angeben)?
Wird die klimaneutrale Entsorgung von mit SF6 betriebenen dezentralen Energieanlagen durch die Bundesregierung überwacht, und wenn ja, wie?
Wenn eine derartige Überwachung bisher nicht existiert, ist sie in der Klimaschutz-Strategie der Bundesregierung vorgesehen?
Sind Mehrkosten, die sich womöglich ergeben würden, wenn die Errichtung SF6-freier Windkraftanlagen vorgeschrieben würde (vgl. https://www.ardmediathek.de/video/plusminus/sf6-die-schlummernde-gefahr-in-windraedern/das-ers-te/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3BsdXNtaW51cy9kMzUyYzFlZS0wZmRiLTQ3ZjUtOGFhNy1iNGFlODVjMjI5YmU), in der Klimaschutz-Strategie der Bundesregierung berücksichtigt (bitte insgesamt und bezogen auf eine typische Windkraftanlage angeben; wenn eine allgemeine Angabe nicht möglich ist, bitte eine der derzeit meistverbauten Windkraftanlagen als Beispiel nehmen)?
Liegen der Bundesregierung Informationen zu Kostendaten vor, die z. B. aus Offshore-Anlagen hervorgehen, die SF6-frei betrieben werden, und wenn ja, welche?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, dass bereits seit über zehn Jahren auf EU-Ebene über ein Verbot von SF6 diskutiert wird (vgl. https://www.ardmediathek.de/video/plusminus/sf6-die-schlummernde-gefahr-in-windraedern/das-ers-te/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3BsdXNtaW51cy9kMzUyYzFlZS0wZmRiLTQ3ZjUtOGFhNy1iNGFlODVjMjI5YmU)?
Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse dazu vor, welche Auswirkungen sich aus dem von der EU erwogenen Verbot des Gases (vgl. Frage 13), bei entsprechenden Übergangszeiten aus Sicht der Bundesregierung ökologisch und technologisch im Vergleich zu den angedachten Alternativen auch hinsichtlich nicht klimabezogener Umweltaspekte ergeben (wenn ja, bitte ausführen)?
Liegen der Bundesregierung bezüglich der in der Vorbemerkung der Fragesteller genannten Quelle PlusMinus eigene Erkenntnisse darüber vor, ob Schwefelhexafluorid 3 000 Jahre in der Atmosphäre verbleibt, wenn ja, welche?
Hat die Bundesregierung Berechnungen darüber angestellt, wie hoch nach ihrer Ansicht der Netto-Klimaeffekt einer neu aufgestellten Windkraftanlage ist, wenn a) die effektive CO2-Einsparung unter Annahme der durchschnittlichen Stromerzeugung über die gesamte Betriebslaufzeit zugrunde gelegt wird, bzw. b) der CO2-Verbrauch bei Herstellung, Transport und Entsorgung sowie der SF6-Leckage gegengerechnet wird (wenn ja, welche, und mit welchem Ergebnis, und wenn nein, wieso nicht)?