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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Medizinische Versorgungssituation von Babys, Kindern und Jugendlichen

(insgesamt 12 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Gesundheit

Datum

01.02.2023

Aktualisiert

09.02.2023

Deutscher BundestagDrucksache 20/507103.01.2023

Medizinische Versorgungssituation von Babys, Kindern und Jugendlichen

der Abgeordneten Thomas Seitz, Corinna Miazga und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

In Berlin gibt es laut einem Bericht des „rbb“ derzeit kein einziges freies Krankenhausbett auf den Kinderstationen. Der Kinderarzt Dr. Steffen Lüders berichtete in einem Interview mit dem „rbb“ (www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/12/berlin-kinder-arzt-klinik-rsv-ueberlastet-interview-steffen-lueder.html), dass man auf den Kinderrettungsstellen in Berlin mit Wartezeiten zwischen sechs bis zehn Stunden rechnen muss. Er beschrieb, dass seine Kollegen auf der Rettungsstelle, in der er selbst ehrenamtlich aushelfe, Überlastungsanzeigen schrieben, um sich juristisch abzusichern, falls im Laufe des Tages Fehler passieren. „Ich glaube, es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das erste Kind in einer Berliner Kinderklinik aufgrund dieser Überlastungssituation stirbt“, so Dr. Steffen Lüders (ebd.). Er beschreibt folgende Situation als Beispiel: „Da gibt es Säuglinge, erst 18 Wochen alt, die brauchen Beatmung – und man findet kein Bett, wo sie diese Atemunterstützung bekommen können. Wenn so ein Baby dann nach Frankfurt (Oder) verlegt werden muss, macht der kleine Körper während des Transports natürlich nicht unbedingt eine Verbesserung durch. Und meist sagt das Transportteam: Wir können erst in anderthalb oder zwei Stunden da sein. Wir haben also Versorgungsprobleme auf allen Ebenen“ (ebd.).

Als eine Ursache für die derzeit bestehende – bundesweite – Notsituation auf den Kinderstationen benennt der Arzt auch den Abbau von Betten auf den Kinderstationen (ebd.). Zwischen 1991 und 2017 wurden fast ein Drittel der Kinderbetten abgebaut (www.merkur.de/deutschland/kinderkliniken-betten-abbau-lauterbach-atemwegsinfektionen-bartsch-pflegepersonal-91964552.html).

Der damalige Bundesminister für Gesundheit, Jens Spahn, stellte 2018 die Pflegeausbildung um und führte den Beruf der Kinderkrankenpflege mit Altenpflege und Krankenpflege zusammen (www.aerztezeitung.de/Politik/Spahn-bringt-Verordnung-zur-Pflegeausbildung-auf-den-Weg-230306.html).

Kinderkrankenpflege erfordert Spezialkenntnisse. Diese Kenntnisse sind aber nicht ohne Weiteres auf der Intensivstation für Erwachsene einsetzbar. Speziell ausgebildetes Personal in der Kinderkrankenpflege wird, so der oben genannte Mediziner, dringend benötigt (www.rbb24.de/panorama/beitrag/2022/12/berlin-kinderarzt-klinik-rsv-ueberlastet-interview-steffen-lueder.html).

Aktuell sind Atemwegsinfekte die Hauptursache für Erkrankungen bei Kindern. Die Verläufe dauern länger und sind gravierender im Verlauf als vor der Corona-Pandemie. Grund hierfür sei, so Dr. Steffen Lüders, dass die Kinder während Corona viel zu Hause waren und keine Ansteckungen stattgefunden haben. Eine immunologische Kompetenz konnten diese Kinder gar nicht entwickeln (ebd.).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen12

1

Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung Krankenhausbetten in den Jahren 2021 und 2022 auf Kinderstationen neu eingerichtet (wenn ja, bitte nach Bundesländern aufgliedern; der geeignete einheitliche Stichtag für 2022 hier und bei den nachfolgenden Fragen wird ins Ermessen der Bundesregierung gestellt)?

2

Wie viele Krankenhausbetten wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2021 und 2022 auf Kinderstationen abgebaut (bitte nach Bundesländern aufgliedern)?

3

Wie viele Krankenhausbetten waren nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2021 und 2022 auf Kinderstationen belegt (bitte nach Bundesländern, Monaten, Anzahl der belegten Betten aufgliedern)?

4

Wie viele Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin waren nach Kenntnis der Bundesregierung im Zeitraum von 2015 bis 2022 in Deutschland jeweils zum 31. Dezember tätig (bitte nach Jahren und Bundesländern aufgliedern)?

5

Wie viele Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin sind nach Kenntnis der Bundesregierung im Zeitraum von 2015 bis 2022 aus ihrem Beruf ausgeschieden bzw. in den Ruhestand eingetreten (bitte nach Jahren, Bundesländern und Grund der Beendigung der Tätigkeit aufgliedern)?

6

Wie hat sich der Anteil der unter 18-Jährigen in Deutschland im Zeitraum von 2015 bis 2022 entwickelt (bitte nach Jahren, Bundesländern, Bevölkerungsanteil in Prozent und absolute Zahlen aufgliedern)?

7

Wie hoch ist nach Erkenntnissen der Bundesregierung der prozentuale Anteil der Influenzaviren, des Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) und des Coronavirus als Ursache für die Atemwegserkrankungen bei Babys, Kindern und Jugendlichen aktuell (bitte in Anteil der ursächlichen Viren, Anzahl und Alter der betroffenen Personen aufgliedern)?

8

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, wie viele Babys, Kinder und Jugendliche im Jahr 2022 wegen Atemwegserkrankungen stationär in Krankenhäusern aufgenommen worden sind (wenn ja, bitte nach Bundesland, Anzahl der Patienten und Alter aufschlüsseln, und wenn nein, warum nicht)?

9

Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse vor, wie viele Babys, Kinder und Jugendliche im Jahr 2022 nicht stationär in Krankenhäusern aufgenommen worden sind, obwohl eine Einweisung medizinisch indiziert war (wenn ja, bitte nach Bundesland, Anzahl der Patienten und Alter aufschlüsseln, und wenn nein, warum nicht)?

10

Hat die Bundesregierung eine Zunahme der Atemwegserkrankungen bei Babys, Kindern und Jugendlichen nach Wegfall der Corona-Maßnahmen (Lockdowns, Maskenpflicht in Betreuungseinrichtungen und Schulen etc.) erwartet, und wenn ja, welche Maßnahmen wurden geplant bzw. umgesetzt, um eine angemessene medizinische Versorgung von Babys, Kindern und Jugendlichen zu garantieren, und wenn nein, warum nicht, und zu welchen Ergebnissen kam die Bundesregierung im Rahmen der Abschätzung der Folgen der Corona-Maßnahmen?

11

Wie bewertet die Bundesregierung die aktuelle medizinische Versorgungslage für Babys, Kinder und Jugendlichen in Deutschland?

12

Gedenkt die Bundesregierung, kurzfristige, mittelfristige und langfristige Maßnahmen zu ergreifen, um die medizinische Versorgungslage von Babys, Kindern und Jugendlichen in Deutschland abzusichern bzw. zu verbessern (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

Berlin, den 30. Dezember 2022

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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