Zustand der deutschen Brauereiwirtschaft
der Abgeordneten Steffen Janich, Bernd Schattner, Stephan Protschka, Peter Felser, Frank Rinck und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Das Brauhandwerk hat in Deutschland eine jahrhundertealte Tradition. Das handwerkliche Bierbrauen in Deutschland ist seit dem Jahr 2020 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Die UNESCO lobt in ihrer Beschreibung hierzu insbesondere das nachhaltige Handeln, den aktiven Austausch, die Experimentierfreude sowie die besondere Regionalität des Brauhandwerks, welches eine enorme Vielfalt an Bierstilen und Braustätten hervorgebracht habe, die das Land, seine Kultur und seine Feste präge. Die regionale Verwurzelung führe zu einer engen Bindung der Menschen. Das Prinzip des Reinheitsgebots habe für viele eine identitätsstiftende und verbindende Wirkung (www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/bierbrauen).
Im Jahr 2019 gab es laut dem Statistischen Bundesamt 1 548 Bierbrauereien in Deutschland. Die Restriktionen aufgrund der politischen Maßnahmen im Rahmen der Bekämpfung von COVID-19 haben dem Wirtschaftszweig des Bierbrauens erheblich zugesetzt. Das Exportgeschäft, welches zuvor immerhin 20 Prozent der verkauften Biere ausmachte, brach im Jahr 2020 weitgehend zusammen. Die zwangsweise Schließung von Betrieben der Gastronomie und Hotellerie führte zu weiteren Umsatzeinbußen der Brauereien (www.welt.de/wirtschaft/article207436619/Deutsches-Bier-braucht-nur-noch-einen-Schritt-bis-zum-Weltkulturerbe.html#:~:text=B%20ier%20ist%20in%20Deutschland%20ein%20Kulturgut%20%E2%80%93,handwerkliches%20Bierbrauen%20hierzulande%20als%20sogenanntes%20%E2%80%9EImmaterielles%20Kulturerbe%E2%80%9C%20anerkannt).
Der Corona-Krise folgte die Krise in der Ukraine. Der Krieg ließ Rohstoffpreise und Energiepreise in die Höhe schnellen. Hiervon sind besonders private, kleinere Brauereien betroffen. So musste die Greizer Vereinsbrauerei Insolvenz anmelden. Als größtes Problem schildert deren Geschäftsführer die gestiegenen Rohstoffpreise. Im konkreten Fall haben sich die Preise für Malz verdoppelt und die Preise für Kronkorken und Etiketten sich gar verdreifacht. Natronlauge, die zum Reinigen von Behältern und Leitungen notwendig ist, habe sich um das Sechs- bis Achtfache verteuert (www.otz.de/regionen/greiz/greizer-vereinsbrauerei-ist-insolvent-id237718201.html).
Kurz darauf musste auch die Memminger Brauerei („Libella“) Insolvenz anmelden. Sie besteht seit rund 110 Jahren (www.t-online.de/finanzen/aktuelles/wirtschaft/id_100133714/aus-fuer-libella-und-alpkoenig-allgaeuer-traditionsbrauerei-geht-insolvent.html).
Im Zeitraum von Januar bis November 2022 kam es laut den Angaben des Statistischen Bundesamtes bundesweit zu insgesamt 15 Insolvenzverfahren im Bereich Getränkeherstellung (Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um +150 Prozent), zu insgesamt 119 Insolvenzverfahren im Bereich Ausschank von Getränken (Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um – 20,7 Prozent) und zu 74 Verfahren im Bereich Schankwirtschaften (Veränderung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um – 14,9 Prozent; vgl. www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Unternehmen/Gewerbemeldungen-Insolvenzen/Publikationen/Downloads-Insolvenzen/insolvenzen-2020410221114.pdf?__blob=publicationFile).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen14
Wie schätzt die Bundesregierung den wirtschaftlichen Zustand der deutschen Brauereibetriebe unter Berücksichtigung der Preissteigerungen bei Produktionsmitteln und der Nachwirkungen der Corona-Beschränkungen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) ein?
Besteht nach Auffassung der Bundesregierung derzeit eine gesteigerte Gefahr der Insolvenz für Brauereibetriebe (bitte begründen)?
Wie hoch war der Exportanteil von in Deutschland gebrautem Bier nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2018 bis 2022?
Wie viel Prozent des in Deutschland von Endkonsumenten nachgefragten Bieres wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren von 2018 bis 2022 importiert?
Wie viele Menschen arbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit im Bereich der Bierherstellung?
Wie hoch war das Gesamtaufkommen der Biersteuer in den Jahren von 2017 bis 2022 nach Kenntnis der Bundesregierung?
Beabsichtigt die Bundesregierung, auch vor dem Hintergrund der Einstufung des deutschen Brauhandwerks als immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO-Expertenkommission (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller) die Durchführung von Maßnahmen, um die Brauwirtschaft wirtschaftlich zu unterstützen, und wenn ja, welche?
Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie viel Prozent des Personals in den deutschen Brauereien im Mindestlohnbereich arbeitet (de.indeed.com/Brauerei-Personal-Jobs?vjk=727958c660fbdd85; wenn ja, bitte ausführen)?
Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, wie hoch der Anteil an Schülern, Studenten, Minijobbern an dem Personal der deutschen Brauereien ist (de.indeed.com/Brauerei-Personal-Jobs?vjk=727958c660fbdd85; wenn ja, bitte ausführen)?
Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung der Gesamtumsatz pro Jahr und Brauerei durchschnittlich in den letzten zehn Jahren in Deutschland (vgl. de.statista.com/statistik/daten/studie/28529/umfrage/brauwirtschaft-umsatzentwicklung/#:~:text=Die%20Statistik%20zeigt%20den%20Umsatz,7%2C55%20Milliarden%20Euro%20um; bitte nach Jahren auflisten)?
Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, welcher Anteil an Preissteigerungen bei der Bierherstellung durchschnittlich im Jahr 2022 von den deutschen Brauereien an die Endverbraucher weitergegeben worden ist (vgl. www.mdr.de/nachrichten/thueringen/ost-thueringen/saale-orla/gas-energie-kosten-bierpreis-rosen-brauerei-100.html, wenn ja, bitte ausführen)?
Konnten deutsche Brauereien in den Jahren von 2020 bis 2022 nach Kenntnis der Bundesregierung von den staatlichen Coronahilfsmaßnahmen profitieren (bitte begründen, vgl. dazu die Antwort auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/26089, S. 2), und wenn ja, wie viele Brauereien haben sich beteiligt, und welche Summe wurde an die Brauereien im Durchschnitt pro Jahr ausbezahlt (vgl. www.wiwo.de/unternehmen/handel/getraenkebranche-existenzielle-not-deutsche-brauereien-fordern-staatliche-hilfe/26938994.html)?
Hat sich die Bundesregierung zur Wettbewerbssituation unter den deutschen Herstellern von Bier, gemessen an der Verteilung der Marktanteile von Bierproduzenten, eine eigene Auffassung gebildet, und wenn ja, wie lautet diese (kraftbier0711.de/die-top-10-groessten-brauereien-in-deutschland/)?
Hat die Bundesregierung Kenntnis davon, ob Verträge von familiengeführten Brauereien gegenüber Schank- und Speisewirtschaften von Bund und Ländern derzeit zur Abmilderung der Inflationsfolgen bezuschusst werden können (www.gastro-academy.com/finanzierung/brauereivertrag/), und wenn ja, beabsichtigt sie ggf., Maßnahmen zu ergreifen, um eine entsprechende Bezuschussung zu ermöglichen, und wenn ja, welche Maßnahmen sind das?