Maßnahmen zur Gewinnung von mehr männlichen Fachkräften in Kindertagesstätten
der Abgeordneten Caren Marks, Petra Crone, Christel Humme, Petra Ernstberger, Iris Gleicke, Johannes Kahrs, Ute Kumpf, Franz Müntefering, Aydan Özoguz, Thomas Oppermann, Sönke Rix, Marlene Rupprecht (Tuchenbach), Rolf Schwanitz, Stefan Schwartze, Dagmar Ziegler, Dr. Frank-Walter Steinmeier und der Fraktion der SPD
Vorbemerkung
Laut der aktuellen Studie „Männliche Fachkräfte in Kindertagesstätten“ wollen zwei Drittel der Eltern und rund drei Viertel der Erzieherinnen und Erzieher sowie Kita-Leiterinnen und Kita-Leiter, dass es mehr männliche Erzieher in Krippen und Kindergärten gibt. In diesem Berufsfeld sind allerdings nur etwa 3 Prozent Männer beschäftigt; 7 980 Erzieher stehen 330 317 Erzieherinnen gegenüber. Das Ziel der Europäischen Union, einen Anteil an männlichen Erziehern in Kitas in Höhe von 20 Prozent zu erfüllen, ist damit in Deutschland weit verfehlt.
Die Fraktion der SPD fordert in ihrem Antrag „Frühkindliche Bildung und Betreuung verbessern – Für Chancengleichheit und Inklusion von Anfang an“ (Bundestagsdrucksache 17/1973) eine Fachkräfteoffensive für den Bereich der frühkindlichen Bildung und Betreuung. Eine solche Offensive ist dringend notwendig, nicht zuletzt, weil von einem Bedarf an Vollzeitfachkräften von mindestens 40 000 in Kindertageseinrichtungen bis 2013 ausgegangen wird (Angaben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend).
Mehr Männer für den Erzieherberuf zu gewinnen, sollte dabei ein Baustein sein. Es sollten gleichzeitig aber auch Anstrengungen unternommen werden, dieses Berufsfeld für Frauen und Männer attraktiver auszugestalten, indem beispielsweise die Aus-, Fort- und Weiterbildung, die Aufstiegsmöglichkeiten, die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung verbessert werden. Notwendig ist auch die zügige Vermittlung von bereits ausgebildeten arbeitslosen und arbeitssuchenden Erzieherinnen und Erziehern in offene Stellen.
Die Bundesregierung hat in diesem Jahr das Programm „Männer in Kitas“ initiiert, welches aus dem am 1. Januar 2011 startenden ESF-Modellprogramm (ESF: Europäischer Sozialfonds für Deutschland) „MEHR Männer in Kitas“ und einem Umschulungsprogramm in Kooperation mit der Bundesagentur für Arbeit, in dem arbeitslose Männer zu Erziehern ausgebildet werden sollen, besteht. Hierzu bleiben noch zahlreiche Fragen offen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen17
Welche Schulabschlüsse, beruflichen Qualifikationen, Berufserfahrungen und Eignungen werden von Männern als Voraussetzung für die Teilnahme an der geplanten Umschulungsmaßnahme der Bundesagentur für Arbeit zum Erzieher erwartet?
Inwieweit werden von den teilnehmenden Männern pädagogische Vorkenntnisse erwartet?
Welche Berufsgruppen sollen bei der Umschulungsmaßnahme bevorzugt berücksichtigt werden?
Wie soll diese Maßnahme ausgestaltet werden, und wie lange soll sie dauern?
Welche Unterschiede bestehen zwischen der Maßnahme und der regulären Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern hinsichtlich der Voraussetzungen, der Inhalte und der Dauer, und wie werden diese Unterschiede begründet?
Wie stellt die Bundesregierung bei der Umschulungsmaßnahme sicher, dass die vorhandenen Ausbildungsstandards der Bundesländer in der Ausbildung zum Erzieher/zur Erzieherin eingehalten werden?
Wie wird sichergestellt, dass die Umschulungsmaßnahmen mit dem Abschluss „staatlich anerkannter Erzieher/anerkannte Erzieherin“ enden, um eine schlechtere tarifliche Eingruppierung zu verhindern?
Inwieweit sollen sozialpädagogische Fachschulen und Hochschulen an der Umsetzung der Maßnahme beteiligt werden?
Ist es geplant, bei dieser Umschulungsmaßnahme arbeitslose Männer gegenüber arbeitslosen Frauen zu bevorzugen, die ebenfalls zu Erzieherinnen umgeschult werden wollen?
Wenn ja, wie begründet dies die Bundesregierung?
Will die Bundesregierung den Ansatz aufgreifen, der im brandenburgischen Spree-Neiße-Kreis mit der berufspraktischen Qualifizierung arbeitsloser Männer zu Erziehern in Kindertagesstätten des Landes Brandenburg erprobt wurde?
Wenn ja, inwiefern?
Wenn nein, warum nicht?
Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung über das geplante ESF-Modellprogramm „MEHR Männer in Kitas“, die geplante Öffentlichkeitskampage und die geplante Umschulungsmaßnahme hinaus, um mehr Männer für eine Ausbildung als Erzieher zu gewinnen?
Wie erfolgt die Auswahl der am Programm beteiligten Träger, und inwieweit werden hierbei die unterschiedlichen Betreuungsquoten der Bundesländer und damit Einstellungsbedarfe berücksichtigt?
Welche Maßnahmen führt die Bundesregierung bereits durch, um ausgebildete arbeitslose und arbeitssuchende Erzieherinnen und Erzieher auf offene Stellen zu vermitteln?
Inwieweit plant die Bundesregierung Maßnahmen, den Anteil der Erzieherinnen und Erzieher mit Migrationshintergrund zu erhöhen?
Welche Anstrengungen unternimmt bzw. plant die Bundesregierung – gegebenenfalls gemeinsam mit den Ländern –, um die Aus-, Fort- und Weiterbildung, die Aufstiegsmöglichkeiten und die Arbeitsbedingungen von Erzieherinnen und Erziehern weiter zu verbessern?
Wie viele ausgebildete arbeitslose und arbeitsuchende Erzieherinnen und Erzieher wurden in den letzten fünf Jahren in offene Erzieherstellen vermittelt (bitte aufschlüsseln nach Jahr, Geschlecht und Bundesland)?
Wie hat sich die Arbeitslosigkeit von ausgebildeten Erziehern in den letzten fünf Jahren entwickelt (bitte aufschlüsseln nach Jahr, Geschlecht und Bundesland)?