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Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet

Schäden durch invasive gebietsfremde Arten in der Land- und Forstwirtschaft

(insgesamt 14 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz

Datum

14.06.2023

Aktualisiert

04.08.2023

Deutscher BundestagDrucksache 20/703630.05.2023

Schäden durch invasive gebietsfremde Arten in der Land- und Forstwirtschaft

der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Frank Rinck, Bernd Schattner, Dietmar Friedhoff, Steffen Janich, Enrico Komning, Uwe Schulz und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Die in einem bestimmten Gebiet nicht heimischen Tiere (Neozoen), Pflanzen (Neophyten) und Pilze (Neomyceten) werden als Neobiota bezeichnet. Wenn sie die heimische Flora und Fauna in besonderem Ausmaß beeinträchtigen, schädigen oder gefährden, dann gelten sie als invasive gebietsfremde Arten (www.stiftung-naturschutz.de/unsere-projekte/koordinierungsstelle-fauna/invasive-arten).

In Deutschland haben gebietsfremde Arten im Zeitraum von 1960 bis 2020 mindestens Schäden in Höhe von etwa 8,2 Mrd. Euro angerichtet, indirekte Kosten wie Gesundheitsschäden durch Kot, eingeschleppte Krankheiten oder ökologische Schäden nicht mit einbezogen (www.agrarheute.com/management/betriebsfuehrung/invasive-arten-verursachen-mehr-116-milliarden-euro-schaeden-584066#:~:text=Invasive%20Arten%20verursachen%20mehr%20als%20116%20Milliarden%20Euro%20Sch%C3%A4den,-%C2%A9%20otoparus%20%2D%20stock&text=In%20der%20Land%2D%20und%20Forstwirtschaft,die%20Wanderatte%20und%20das%20Wildkaninchen). Die größten wirtschaftlichen Schäden durch invasive Tier- und Pflanzenarten wurden dabei in der Land- und Forstwirtschaft angerichtet. Die tatsächlichen Schäden dürften sogar weitaus größer sein, zumal in Deutschland nur 28 der knapp 200 als invasiv geführten Arten als wirtschaftlich schädigend anerkannt sind (ebd.). Wissenschaftler gehen davon aus, dass aufgrund der ansteigenden Invasionsraten im europäischen Raum auch die wirtschaftlichen Kosten weiter steigen werden (ebd.).

Gemäß der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 über die Prävention und das Management der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten muss Deutschland für weit verbreitete invasive Arten geeignete Managementmaßnahmen festlegen. In Abhängigkeit vom Verbreitungsgrad der Arten sieht die Verordnung ein gestuftes System von Prävention, Früherkennung und sofortiger Beseitigung sowie das Management bereits weit verbreiteter invasiver Arten vor (www.bmuv.de/themen/naturschutz-artenvielfalt/artenschutz/nationalerartenschutz/invasive-gebietsfremde-arten#:~:text=EU%2DVerordnung%20%C3%BCber%20invasive%20Arten&text=1143%2F2014%20%C3%BCber%20di e%20Pr%C3%A4vention,Vielfalt%20in%20der%20Europ%C3%A4ischen%20Union).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen14

1

Wie viele Neophyten gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland, wie viele Arten werden davon als invasiv gelistet, und über welche Wege sind sie nach Deutschland gelangt (bitte auch den prozentualen Anteil angeben)?

2

Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die jährlichen Schäden durch invasive Pflanzenarten in Deutschland insgesamt sowie in der Land- und Forstwirtschaft im Speziellen, und wie haben sich diese in den vergangenen 30 Jahren entwickelt (wenn möglich, bitte die Schäden auch nach Ländern angeben und einzelnen Arten zurechnen)?

3

Wie viele Neozoen gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland, wie viele Arten werden davon als invasiv gelistet, und über welche Wege sind sie nach Deutschland gelangt (bitte auch den prozentualen Anteil angeben)?

4

Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die jährlichen Schäden durch invasive Tierarten in Deutschland insgesamt sowie in der Land- und Forstwirtschaft im Speziellen, und wie haben sich diese in den vergangenen 30 Jahren entwickelt (wenn möglich, bitte die Schäden auch nach Ländern angeben und einzelnen Arten zurechnen)?

5

Wie viele Neomyceten gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland, wie viele Arten werden davon als invasiv gelistet, und über welche Wege sind sie nach Deutschland gelangt (bitte auch den prozentualen Anteil angeben)?

6

Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die jährlichen Schäden durch invasive Pilzarten in Deutschland insgesamt sowie in der Land- und Forstwirtschaft im Speziellen, und wie haben sich diese in den vergangenen 30 Jahren entwickelt (wenn möglich, bitte die Schäden auch nach Ländern angeben und einzelnen Arten zurechnen)?

7

Hat die Bundesregierung Kenntnis, ob, und wenn ja, welche heimischen Arten in den vergangenen 30 Jahren durch invasive Arten gefährdet, verdrängt und oder ausgerottet wurden, und wenn ja, um welche konkreten Arten es sich dabei genau handelt?

8

Gibt es weitere ergänzende nationale Gesetze oder Verordnungen, mit denen in der Bundesrepublik Deutschland die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 umgesetzt wird?

9

Wie viele Ressourcen stehen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit für Importkontrollen oder die rasche Bekämpfung neu eingeschleppter Arten zur Verfügung, und ist die Bundesregierung der Auffassung, dass das ausreichend ist?

10

Welche Sanktionen werden in Deutschland bei Verstößen gegen die EU-Verordnung Nr. 1143/2014 verhängt, und sind die Sanktionen nach Einschätzung der Bundesregierung bisher ausreichend wirksam, verhältnismäßig und abschreckend?

11

Hat die Bundesregierung Kenntnis, ob in Deutschland wegen etwaiger Verstöße gegen die Bestimmungen der EU-Verordnung Nr. 1143/2014 zur Prävention und Minimierung der Einbringung und Ausbreitung invasiver gebietsfremder Arten bereits Sanktionen verhängt wurden, und wenn ja, um welche Verstöße handelte es sich dabei, von wem wurden sie begangen, und wie hoch war die jeweilige Sanktion?

12

Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass die derzeit von der EU gelisteten 88 invasiven Tier- und Pflanzenarten, für die gewisse Mindeststandards unter anderem zur Vorbeugung, Früherkennung und Monitoring gelten, ausreichend sind, oder fehlen nach Einschätzung der Bundesregierung darin wichtige problematische invasive Arten, und wenn ja, welche, und warum (www.tagesschau.de/wissen/klima/invasive-arten-artenschutz-101.html)?

13

Wie erfolgt nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit die Erhebung, Berichterstattung und Bewertung von wirtschaftlichen und ökologischen Schäden durch invasive Arten in der Bundesrepublik Deutschland, werden diese Maßnahmen evaluiert, und gibt es gegebenenfalls von Seiten der Bundesregierung Bestrebungen, diese Maßnahmen noch zu verbessern, und wenn ja, wie?

14

Gibt es vonseiten der Bundesregierung Investitionen oder Förderung in eine bessere Biosicherheit, um die Einschleppung invasiver Arten von vorneherein zu verhindern und die künftigen wirtschaftlichen Auswirkungen dadurch zu verringern?

a) Wenn ja, welche konkret?

b) Wenn nein, warum nicht, und wäre das nach Einschätzung der Bundesregierung nicht wesentlich kostengünstiger als künftige wirtschaftliche Schäden oder eine langfristige Bekämpfung?

Berlin, den 24. Mai 2023

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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