Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 20Beantwortet
Die demographische Situation in Deutschland vor dem Hintergrund nicht bestandserhaltender Geburtenzahlen
(insgesamt 16 Einzelfragen)
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium des Innern und für Heimat
Datum
21.03.2024
Aktualisiert
28.03.2024
BT20/1057407.03.2024
Die demographische Situation in Deutschland vor dem Hintergrund nicht bestandserhaltender Geburtenzahlen
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Nicole Höchst, Martin Reichardt, Dr. Götz
Frömming, Dr. Michael Kaufmann und der Fraktion der AfD
Die demografische Situation in Deutschland vor dem Hintergrund nicht
bestandserhaltender Geburtenzahlen
Nachwuchs- und Fachkräftemangel, steigende Sozialabgaben für Berufstätige,
die Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme, zunehmende Überalterung,
eine seit langem nicht mehr bestandserhaltende Geburtenrate, die nach
Auffassung der Fragesteller offenbar durch eine weitgehend unregulierte
Zuwanderung kompensiert werden soll, bedrohen Deutschlands Zukunftsfähigkeit. Alle
diese Krisensymptome lassen sich im Kern auf eine Ursache zurückführen
(summarisch dazu beispielsweise: Interview mit Prof. Dr. Herwig Birg: Die
Überalterung lässt sich durch Migration nicht stoppen, Die Tagespost, 19. Mai
2022, S. 35), die seit Jahrzehnten in auffälliger Art beschwiegen oder relativiert
wird, nämlich die demografische Katastrophe und die mit ihr verbundene
„Aufzehrung“ von „Humansubstanz“ in „postindustriellen Gesellschaften“ (Schmid,
Josef: Bevölkerungsrückgang und demografische Alterung – Ein
Problemaufriss mit Folgenabschätzung, in: Politische Studien, Sonderheft 2/2002:
Antworten auf die demografische Herausforderung, S. 19 – 43, hier: S. 20).
Versuche, die Hebung der seit Jahrzehnten zu niedrigen Geburtenquote zum
Thema von zentraler nationaler Bedeutung zu machen, gab es des Öfteren; sie
drangen aber nach Ansicht der Fragesteller nicht durch, sondern wurden
einhellig beschwiegen, wie es der Bevölkerungswissenschaftler Prof. Dr. Herwig Birg
ausdrückte (www.herwig-birg.de/downloads/dokumente/DemografischeUhr-W
irtschaftswoche.pdf; letzter Zugriff: 8. Februar 2023). Bevölkerungspolitik,
verstanden als „zielgerichtete Maßnahme vornehmlich staatlicher Institutionen“,
um die Bevölkerungsentwicklung z. B. durch „Einwirken auf
Geburtenhäufigkeit […] zu beeinflussen“ (vgl. www.spektrum.de/lexikon/geographie/bevoelke
rungspolitik/913; 15. Dezember 2023), sei, so Prof. Dr. Herwig Birg, „mehr als
ein Tabu“ (www.herwig-birg.de/downloads/dokumente/DemografischeUhr-Wir
tschaftswoche.pdf; letzter Zugriff: 8. Februar 2024).
Angesichts der dramatischen demografischen Entwicklung muss in den Augen
der Fragesteller das politische Bestreben aber dahin gehen, dieses „Tabu“ (s. o.)
zu durchbrechen. Zu konstatieren ist nämlich bereits seit längerem eine
fortschreitende demografische Alterung in Deutschland, die auch durch
Zuwanderung nicht umkehrbar ist (Birg, Herwig: Die demographische Alterung in
Deutschland, in: Die neue Ordnung, 4/2018, S. 244 – 254, hier: S. 246. vgl.
auch: Birg, Herwig: Die Gretchenfrage der deutschen Demographiepolitik:
Erneuerung der Gesellschaft durch Geburten im Inland oder durch
Zuwanderungen aus dem Ausland?, in: Zeitschrift für Staats- und Europawissenschaften,
3/2016, Vol. 14, S. 351 – 377, hier: S. 374). Hierzu trage, so Prof. Dr. Herwig
Birg, die niedrige Geburtenrate „am meisten“ bei, „während die zunehmende
Deutscher Bundestag Drucksache 20/10574
20. Wahlperiode 07.03.2024
Lebenserwartung diese Wirkung nur verstärkt“, was in der Wissenschaft
„unumstritten“ sei (ebd., Gretchenfrage, S. 245). Die demografische Alterung
beruht demnach auf den abnehmenden Kinderzahlen pro Frau und erst dann auf
der steigenden Lebenserwartung.
Spätestens mit dem Renteneintritt der Generation der „Baby Boomer“ (also der
Jahrgänge 1955 bis 1969) wird sich die demografische Herausforderung, in der
sich Deutschland seit Jahrzehnten befindet, unmittelbar auf den Arbeitsmarkt
und die Sozialversicherungen auswirken. Knapp 13 Millionen
Erwerbspersonen in Deutschland werden in den nächsten 15 Jahren das Renteneintrittsalter
erreichen; das ist fast ein Drittel der gesamten Erwerbsbevölkerung (Stand
2021; www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2022/08/PD22_330_1
3.html; letzter Zugriff: 8. Februar 2024). Diese Erwerbspersonen können nach
dem jetzigen Stand der Dinge nur teilweise ersetzt werden, weil Deutschland
nach Meinung der Fragesteller seit Jahrzehnten auf eine Politik der
Geburtenförderung verzichtet.
Die bisherige Antwort der Bundesregierung auf diese Entwicklung war und ist
eine nach Auffassung der Fragesteller permissive Migrations- und Asylpolitik,
die allerdings nicht zu einer ausreichend qualifizierten Zuwanderung geführt
hat, sondern zu einem seit Jahren anhaltenden, unvermindert hohen Zustrom
unqualifizierter Migranten, zum Teil sogar Analphabeten (www.dw.com/de/vie
le-analphabeten-in-integrationskursen/a-52224718; letzter Zugriff: 8. Februar
2024), in die sozialen Sicherungssysteme (vgl. z. B. dserver.bundestag.de/brd/2
014/0202-14.pdf, Antrag des Freistaates Bayern, Entschließung des
Bundesrates – Zuwanderung in die sozialen Sicherungssysteme: „Freizügigkeit darf
nicht als Wahlfreiheit in Bezug auf die besten Sozialleistungen Europas
missverstanden werden. Solche Entwicklungen würden die Solidaritätsbereitschaft
unterminieren. Die steigende Inanspruchnahme von Sozialleistungen belastet
Sozialleistungssysteme und Kommunen. Daher gilt es, wirksam eine
Einwanderung aus der EU in die sozialen Sicherungssysteme zu verhindern.“).
Festzuhalten ist nach Auffassung der Fragesteller, dass der massive
Geburtenrückgang, der seit den 1970er-Jahren anhält, seitens der Politik zu einem
administrativen Problem neutralisiert worden ist. Das zeigt sich bereits an dessen
Framing, ist doch grundsätzlich von einem „demographischen Wandel“ (vgl.
z. B. www.demografie-portal.de/DE/Publikationen/2015/weiterentwickelte-de
mografiestrategie-der-bundesregierung.pdf?__blob=publicationFile&v=9;
letzter Zugriff: 8. Februar 2024) die Rede, wenn es darum geht, dass die
Geburtenrate in Deutschland in dramatischer Weise rückläufig ist. „Demographischer
Wandel“ meint im Klartext: Es werden seit langem nur noch zwei Drittel der
Zahl der Kinder geboren, die zur Bestandserhaltung notwendig wären, was in
Verbund mit den Folgen der Massenmigration nach Deutschland zu einer
nachhaltigen Veränderung der Bevölkerungsstruktur führt. Dass sich hier ein
Umbruch abspielt, der „in der neueren Geschichte ohne Beispiel“ ist (Miegel,
Meinhard, Stephanie Wahl [1993]: Das Ende des Individualismus. Die Kultur
des Westens zerstört sich selbst, Bonn, S. 141), spiegelt sich nach Auffassung
der Fragesteller in keiner Weise im öffentlichen Diskurs wider. Auch der
britische Bevölkerungswissenschaftler Paul Morland stellte jüngst fest, dass Europa
„ein demographisches Katastrophengebiet“ sei. Es gebe die Länder, in denen es
„schlecht“ liefe, und dann noch jene, in denen es „miserabel“ liefe. Hierzu zählt
er auch Deutschland (www.spiegel.de/ausland/bevoelkerungsentwicklung-welc
he-laender-wachsen-welche-schrumpfen-a-07dc10a4-46e3-4090-8e1d-b255499
eb3c2; letzter Zugriff: 14. Dezember 2023).
Prof. Dr. Herwig Birg führt diesen Befund unter anderem darauf zurück, dass
sich in Deutschland schon lange vor dem Atomausstieg „eine Art
Demographie-Ausstieg“ vollzogen habe, der alles übertreffe, „was man sich
unter dem Begriff Politikversagen vorstellen kann“ (Birg, Herwig (2012):
Deutschlands Ausstieg aus seiner demographischen Zukunft, in: Hennerkes,
Brun-Hagen, Augustin, George (Hrsg.): Wertewandel mitgestalten, Freiburg
i. Br., S. 478 – 490, hier: S. 478). Die Gründe, die Prof. Dr. Herwig Birg hierfür
anführt, sind vielsagend; er konstatiert, dass bevölkerungswissenschaftliche
Themen und demografische Probleme „in der Öffentlichkeit als politische
Schmuddelthemen“ gälten, „mit denen man sich besser nicht zu intensiv
beschäftigt, weil man sich sonst der Gefahr von Missverständnissen aussetzt und
sich automatisch mit Problemen wie Nationalismus, Rechtsradikalismus und
mit unserer jüngsten Geschichte konfrontiert sieht“ (Birg, Herwig:
Demographisches Wissen und politische Verantwortung. Überlegungen zur
Bevölkerungsentwicklung Deutschlands im 21. Jahrhundert, in: Zeitschrift für
Bevölkerungswissenschaft, 3/1998, S. 221 – 251, hier: S. 247).
Es kann deshalb nach Auffassung der Fragesteller nicht wundern, dass auch die
zu Beginn der 1990er-Jahre im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung
und Technologie (BMFT) durch den Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Meinhard
Miegel und die Politikwissenschaftlerin Stephanie Wahl erstellte Studie „Das
Ende des Individualismus. Die Kultur des Westens zerstört sich selbst“ ohne
Konsequenzen blieb. Miegel und Wahl fokussieren in dieser Studie, die die
Gründe für die anhaltend geringe Geburtenrate in Deutschland aufzuhellen
versucht, die „extreme Betonung der Interessen des Einzelnen gegenüber der
Gemeinschaft“ und die daraus folgende Überbetonung „individualistischer
Neigungen und Verhaltensweisen“. 30 Jahre nach Erscheinen dieser Untersuchung
müsse konstatiert werden, dass die „Maximen individualistischer Kultur“
(Miegel, Meinhard/Wahl Stephanie (1993), S. 120) nicht zurückgedrängt wurden,
sondern durch linke Identitätspolitik und staatliche Förderprogramme für
Minderheiten, um deren „Sichtbarkeit“ zu steigern, bis hin zum
„Selbstbestimmungsgesetz“ (www.bmj.de/DE/themen/gesellschaft_familie/queeres_leben/sel
bstbestimmung/selbstbestimmung_node.html; letzter Zugriff: 8. Dezember
2023) nach Ansicht der Fragesteller weiter radikalisiert würden. Dass der
Forderung von Miegel und Wahl, nämlich der Bevölkerungspolitik in Deutschland
künftig „einen hohen Rang“ (Miegel/Wahl, Individualismus, S. 13)
einzuräumen, seitens der Politik in keiner Weise nachgekommen wurde, rundet in den
Augen der Fragesteller das Bild ab.
An diesem Befund hat nach Auffassung der Fragesteller auch die Enquête-
Kommission Demographischer Wandel nichts geändert. In deren
Schlussbericht, der Ende März 2002 veröffentlicht wurde, fällt der Begriff
Bevölkerungspolitik bezeichnenderweise kein einziges Mal (Schlussbericht der Enquête-
Kommission „Demographischer Wandel – Herausforderungen unserer älter
werdenden Gesellschaft an den Einzelnen und die Politik“),
Bundestagsdrucksache 14/8800; letzter Zugriff: 21. November 2023). Ähnlich ist der Befund in
der „Demografiestrategie der Bundesregierung“ von 2017, in der der für den
demografischen Diskurs zentrale Begriff „Geburtenrate“ gerade ein Mal fällt
und der Begriff Bevölkerungspolitik keine Erwähnung findet (Jedes Alter zählt.
Die Demografiestrategie der Bundesregierung, www.bmfsfj.de/resource/blob/1
37854/d54ed3c30bef003b10abb00df394ae4b/demografiestrategie-der-bundesre
gierung-data.pdf; letzter Zugriff: 22. November 2023). Prof. Dr. Herwig Birg
urteilte, dass diese „Demografiestrategie (…) den Namen“ nicht verdiene. Da
sei „nur von den Auswirkungen die Rede (…) kein Satz über die Ursachen“
(www.wiwo.de/politik/deutschland/herwig-birg-die-demografische-uhr-tickt-u
nbarmherzig/11451966.html; letzter Zugriff: 22. November 2023). Dass das
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) selbst den „Demografischen
Wandel“, der „neu zu entdecken“ sei, noch für „bunt und vielfältig“ (www.bib.
bund.de/Publikation/2022/pdf/Demografischen-Wandel-neu-entde-cken.pdf;jse
ssionid=929A550787DDA6D5958641F2359BFF40.intranet242?__blob=public
ationFile&v=7; S. 2 (Vorwort Prof. Katharina Spieß); www.bib.bund.de/Publik
ation/2022/pdf/Demografischen-Wandel-neu-entde-cken.pdf;jsessionid=929A5
50787DDA6D5958641F2359BFF40.intranet242?__blob=publicationFile&v=7;
letzter Zugriff: 23. November 2023) erklärt, kann aus Sicht der Fragesteller nur
als Versuch eingestuft werden, die Dramatik der Sachlage zu verschleiern.
Die Denunzierung der Bevölkerungswissenschaft als eine im Kern
„nationalsozialistische[n], rassistische[n], zumindest faschistische[n]
Wissenschaftsrichtung“ (Mackensen, Rainer [2003]: Wozu Geschichte der
Bevölkerungswissenschaft in Deutschland? Vorstellung des DFG-Schwerpunktprogramms, in:
Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät, Bd. 62/2003, S. 11 – 22, hier: S. 13) hat
diesen Wissenschaftszweig in seiner „akademischen Entwicklung sowie in der
öffentlichen und wissenschaftlichen Wahrnehmung“ behindert, wie der
Bevölkerungswissenschaftler Prof. Dr. Rainer Mackensen feststellte (Mackensen,
ebd.). Diese Feststellung hat bis heute Gültigkeit, auch wenn es 1973 mit der
Gründung des Instituts für Bevölkerungswissenschaft in der Bundesrepublik
Deutschland zu „einer gewissen Konsolidierung“ kam. In der medialen und
politischen Wahrnehmung blieb sie laut Mackensen aber eine „als
unheilsträchtig empfundene Disziplin“ (Mackensen, ebd.). Heute tritt nach Auffassung der
Fragesteller klar und deutlich zutage, welche unheilvollen Konsequenzen diese
Diffamierung der Bevölkerungswissenschaft als angeblich NS-affine Disziplin
im Hinblick auf die wissenschaftliche Analyse der demografischen
Entwicklung Deutschlands zeitigt.
Die Auflösung der drei Lehrstühle für Bevölkerungswissenschaft, die nach dem
Zweiten Weltkrieg in Bamberg, Bielefeld und Berlin neu gegründet worden
waren, unterstreicht diesen Befund. Das Institut für Bevölkerungsforschung und
Sozialpolitik (IBS) der Universität Bielefeld mit seinem Lehrstuhl für
Bevölkerungswissenschaft, so berichtete Prof. Dr. Herwig Birg, wurde im Jahr 2004
(dem Jahr seiner Emeritierung) als „zentrale, fakultätsunabhängige
wissenschaftliche Einrichtung auf der Ebene des Senats (gegen den dringenden Rat
aller Experten) aufgelöst und in ein kleines Fakultätsinstitut als Teil der
Fakultät für Gesundheitswissenschaft der Universität Bielefeld umgewandelt“.
Ähnlich sei das zeitgleiche Vorgehen bei der Auflösung des Lehrstuhls für
Bevölkerungssoziologie an der Universität Bamberg bei der Emeritierung von Prof.
Dr. Josef Schmid gewesen. Der Wegfall des dritten Lehrstuhls für Demographie
an der Humboldt-Universität zu Berlin sei „offiziell mit Sparzwängen
begründet“ worden (Birg, Herwig: Die demographische Alterung in Deutschland, in:
Die neue Ordnung, 4/2018, S. 244 – 254, hier: S. 248 f.).
Die Auflösung dieser Lehrstühle muss aus Sicht der Fragesteller vor dem
Hintergrund, dass die Bevölkerungsstruktur durch ein Migrationsgeschehen, das
ein immer schärferes Tempo annimmt, nachhaltig verändert wird, irritieren.
2016 prognostizierte Prof. Dr. Herwig Birg, dass wir in „zwanzig, dreißig
Jahren (…) nur noch eine Bevölkerung haben“ werden. Als Kriterium gab Prof.
Dr. Herwig Birg an, „dass die Mitglieder eines Volkes idealerweise noch
gemeinsame Werte“ teilten, „während die Bevölkerung eine beliebige Anzahl von
Menschen ist, die nichts miteinander zu tun haben“ müssten (www.nzz.ch/foli
o/das-volk-von-morgen-ld.1622430; letzter Zugriff: 22. November 2023).
Mittlerweile hat etwa jeder vierte Einwohner Deutschlands einen
Migrationshintergrund. Das ist ein Ergebnis des Mikrozensus des Statistischen
Bundesamtes über die Bevölkerung mit Migrationshintergrund (www.destatis.de/DE/P
resse/Pressemitteilungen/2023/04/PD23_158_125.html; letzter Zugriff:
22. November 2023). Von dieser Gruppe ist in Deutschland etwa jede vierte
Person muslimisch (www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Forschung/Forsch
ungsberichte/fb38-muslimisches-le-ben.pdf;jsessionid=C0DE6E0499E7DAE38
132CC2879C6C485.internet571?__blob=publicationFile&v=14, S. 37; letzter
Zugriff: 22. November 2023). Mit Blick auf die weitere demografische
Entwicklung ist von Bedeutung, dass vier von zehn Kindern unter fünf Jahren
einen Migrationshintergrund haben (www.bpb.de/kurz-knapp/zahlen-und-fakte
n/soziale-situation-in-deutschland/150599/bevoelkerung-mit-migrationshinterg
rund-nach-alter/; letzter Zugriff: 22. November 2023). Je jünger also die
Altersgruppe, desto höher ist demnach der Anteil von Personen mit
Migrationshintergrund.
Unter den Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit wanderten im Jahr 2022
83 000 mehr aus als ein. Diese Nettoabwanderung von zum großen Teil gut
ausgebildeten deutschen Staatsbürgern habe laut Statistischem Bundesamt
bereits 2005 begonnen (www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/06/
PD23_249_12411.html#:~:text=Bei%20Personen%20mit%20deutscher%20Sta
atsangeh%C3%B6rigkeit,2021%3A%20%2D64%20000; letzter Zugriff:
1. März 2024). Doch im vergangenen Jahr nahm die Entwicklung weiter Fahrt
auf. Der Saldo wuchs von 64 000 auf 83 000 Menschen. Es sind Abwanderer,
die Deutschland vor dem Hintergrund der immer bedrohlichere Ausmaße
annehmenden demografischen Krise nach Ansicht der Fragesteller dringend
bräuchte.
Prof. Dr. Herwig Birg hat mit Blick auf diese Krise fünf Problemfelder
benannt, die er als „fünf demographische Plagen“ bezeichnet. Hierunter
subsumiert er Verteilungskonflikte zwischen der alten und jungen Generation,
zwischen Menschen mit bzw. ohne Nachkommen, Konflikte zwischen
„demographischen Entleerungsgebieten“ und „demographisch wachsenden
Metropolregionen“, Verteilungskonflikte zwischen Menschen mit und ohne
Migrationshintergrund sowie Konflikte zwischen Ländern im Norden und Süden Europas
(Birg, Herwig: Die Gretchenfrage der deutschen Demographiepolitik,
S. 372 f.). Das Nichthandeln im Hinblick auf diese immer schärfer
hervortretenden Problemfelder bedeutet, dass sich die demografische Krise weiter
verschärfen wird.
Aus Sicht der Fragesteller ist additiv zu diesen fünf Problemfeldern im
Zusammenhang mit der demografischen Krise und der nach Meinung der Fragesteller
unregulierten Zuwanderung vor allem aus kulturfernen Regionen auch die
Frage der Verflüssigung der kulturellen Identität hinzuzuziehen, an deren Stelle
zunehmend „Diversität“ bzw. „Vielfalt“ im Sinne einer Pluralität von Kulturen
treten soll. Die Staatsministerin für Kultur und Medien Claudia Roth erteilte
einer Leitkultur eine entschiedene Absage; man solle „jetzt aber bitte schön
nicht mit Leitkultur kommen, was immer das sein mag“. Gleichzeitig bekannte
sie sich zur „Diversität“ (www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/in
terview-augsburg-1991962; letzter Zugriff: 14. Februar 2024).
Die Fragesteller machen in diesem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass
der syrischstämmige Politikwissenschaftler Prof. Dr. Bassam Tibi bereits vor
gut 25 Jahren eine Leitkultur für unabdingbar erklärt hat, wenn die Deutschen
Migranten integrieren wollten. „Zu jeder Identität“, so Prof. Dr. Bassam Tibi,
gehört eine Leitkultur!“ (www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/26535/
leitkulturals-wertekonsens/#art1; letzter Zugriff: 14. Februar 2024; vgl. auch: Europa
ohne Identität? Die Krise der multikulturellen Gesellschaft, München 1998,
1. Aufl., S. 183). Dabei betonte Prof. Dr. Bassam Tibi, dass sich diese
Leitkultur an „europäischen Werten“ orientieren müsse. Diese „europäischen Werte“
haben folgende Inhalte: „das Primat der Vernunft vor religiöser Offenbarung,
d. h. vor der Geltung absoluter Wahrheiten; individuelle Menschenrechte (also
nicht Gruppenrechte), zu denen im besonderen Maße die Glaubensfreiheit zu
zählen ist; säkulare, auf der Trennung von Religion und Politik basierende
Demokratie; [einen] allseitig anerkannten Pluralismus sowie ebenso gegenseitig
geltende Toleranz, die bei der rationalen Bewältigung von kulturellen
Unterschieden hilft“ (www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/26535/leitkultur-als-werte
konsens/#art1; letzter Zugriff: 14. Februar 2024).
Diese Werte müssten für alle Menschen, die in Europa leben, so Prof.
Dr. Bassam Tibi, „verbindlich sein“ (www.welt.de/print-welt/article384136/Lei
tkultur-und-innere-Sicherheit.html; letzter Zugriff: 14. Februar 2024). Die
Europäer verstünden nicht, dass „Wertebeliebigkeit hier bedeuten würde, dass
jede kulturelle Gruppe, die im Rahmen der Migration kommt, ihre Kultur in
Europa ausleben“ könne. Die Folge sei „eine Balkanisierung des Gemeinwesens“.
Europa werde dann „ein multiethnisches Wohngebiet ohne eine zivilisatorische
Identität werden und mit entsprechenden Konfliktpotenzialen leben müssen, für
die es keine Konzepte“ habe (ebd.). Friedrich Merz – damals Vorsitzender der
Fraktion der CDU/CSU – nahm den Begriff Leitkultur im Jahr 2000 auf, sprach
aber von „deutscher Leitkultur“, der sich Zuwanderer, die „auf Dauer“ in
Deutschland leben wollten, anpassen müssten (rp-online.de/politik/
zuwanderersollen-sich-deutscher-kultur-anpassen_aid-8244647; letzter Zugriff: 15.
Februar 2024).
Das Ziel dieser Kleinen Anfrage ist es vor dem skizzierten Hintergrund,
Aufschluss darüber zu erhalten, wie die Bundesregierung die demografische
Entwicklung der letzten Jahrzehnte im Hinblick auf den Erhalt der sozialen
Sicherungssysteme und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt (Stichwort
Fachkräftemangel) beurteilt und welche Maßnahmen sie ggf. zu ergreifen gedenkt,
um eine Politik der Geburtenförderung anzustoßen, die mittel- bis langfristig zu
bestandserhaltenden Geburtenzahlen führt.
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Hat sich die Bundesregierung eine Auffassung zu der von Demografen in
ihren Auswirkungen als kritisch bewerteten Geburtenrate in Deutschland
gebildet (siehe Vorbemerkung der Fragesteller), die seit Jahrzehnten bei
1,4 bis 1,5 Lebendgeborenen pro Frau liegt und damit deutlich unter dem
Reproduktionsniveau von 2,1 (durchschnittliche Zahl der Kinder) bleibt,
das von Bevölkerungswissenschaftlern als bestandserhaltend eingestuft
wird?
a) Wenn ja, welche (bitte auch darauf eingehen, auf welchen Studien
diese Haltung basiert)?
b) b)Wenn nein, warum hat sich die Bundesregierung hierzu bisher keine
Auffassung erarbeitet?
2. Auf welche Ursachen führt die Bundesregierung die seit Jahrzehnten nicht
bestandserhaltende Geburtenrate in Deutschland zurück?
a) Hat die Bundesregierung Studien herangezogen, in denen diese
Ursachen Gegenstand einer Untersuchung waren, wenn ja, welche, und
wenn nein, kann die Bundesregierung die Gründe dafür darlegen,
warum sie derartige Studien nicht herangezogen hat?
b) Hat die Bundesregierung Maßnahmen eingeleitet, um diesen Ursachen
entgegenzuwirken, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
3. Hat die Bundesregierung Studien in Auftrag gegeben, die Aufschluss
darüber geben, wie sich die Häufigkeit von Schwangerschaftsabbrüchen pro
Jahr seit Mitte der 1970er-Jahre über die Jahrzehnte hinweg auf die
demografische Entwicklung ausgewirkt hat (de.statista.com/statistik/daten/studi
e/232/umfrage/anzahl-der-schwangerschaftsabbrueche-in-deutschland/;
letzter Zugriff: 22. November 2023), und wenn ja, welche Studien sind
dies (bitte in diesem Fall auch ausführen, welche Konsequenzen die
Bundesregierung aus diesen Studien gezogen hat)?
4. Welche Auswirkungen hat die demografische Krise nach Kenntnis der
Bundesregierung auf die sozialen Sicherungssysteme (bitte auch
ausführen, ob die Bundesregierung im Hinblick auf die weitere Finanzierung der
sozialen Sicherungssysteme vor dem Hintergrund der demografischen
Krise Reformbedarf sieht und in welchen Bereichen der sozialen
Sicherungssysteme das der Fall ist, und bitte ggf. auch darlegen, ob es hierzu
bereits Konzepte gibt)?
5. Wie positioniert sich die Bundesregierung vor dem Hintergrund der
Frage 4 zur steigenden „Zuwanderung von Menschen ohne jegliche
Qualifikation und damit ohne Chancen am deutschen Arbeitsmarkt“ (vgl. z. B.
Bundesratsdrucksache 202/14, S. 1) in die sozialen Sicherungssysteme im
Hinblick auf deren Finanzierbarkeit (bitte auch darlegen, ob hierzu
entsprechende Daten erhoben worden sind und wie diese Daten zu
interpretieren sind)?
6. Ist der Bundesregierung die Erkenntnis bekannt, dass die Alterung der
Bevölkerung durch die hohe Zuwanderung nicht umkehrbar ist (Birg,
Herwig: Die demographische Alterung in Deutschland, in: Die neue
Ordnung, 4/2018, S. 244 – 254, hier: S. 246), und wenn ja, welche
Konsequenzen hat die Bundesregierung ggf. aus dieser Erkenntnis gezogen?
7. Hat die Bundesregierung bisher Maßnahmen ergriffen, um die
Auswirkungen der demografischen Alterung abzumildern, und wenn ja, welche
(bitte auch ausführen, ob und inwieweit die Zuwanderung nach
Deutschland als eine Form von aktiver Bevölkerungspolitik Bestandteil dieser
Maßnahmen ist)?
8. Führt die Bundesregierung den immer weiter um sich greifenden
Fachkräftemangel (de.statista.com/themen/887/fachkraeftemangel/#editorsP
icks; letzter Zugriff: 23. November 2023) auf die demografische Alterung
zurück?
a) Wenn ja, auf Basis welcher Daten und Fakten ist die Bunderegierung
der Auffassung, dass in Deutschland „auch weiterhin kein akuter
flächendeckender Fachkräftemangel“ vorliege, und welche Maßnahmen
über das Fachkräftesicherungs- bzw. Fachkräfteeinwanderungsgesetz
hinaus gedenkt sie ggf. zu ergreifen, um „Engpässe[n] [bei
Fachkräften] bei bestimmten Qualifikationen“ bzw. „in einigen Regionen und
Branchen“ (http://www.demografie-portal.de/DE/Publikationen/2015/
weiterentwickelte-demografiestrategie-der-bundesregierung.pdf?__blo
b=publicationFile&v=9, S. 8; letzter Zugriff: 23. November 2023)
entgegenzuwirken?
b) Wenn nein, warum ist die Bundesregierung der Auffassung, dass der
um sich greifende Fachkräftemangel nicht auf die demografische
Alterung zurückzuführen ist (bitte auch angeben, aufgrund welcher
Studien sie zu diesem Ergebnis gekommen ist)?
9. Hat die Bundesregierung Studien in Auftrag gegeben, die die
gesundheitspolitischen Konsequenzen dieser demografischen Alterung, z. B. mit
Blick auf die Geriatrie, aber auch auf die Gehirnforschung (im Sinn
vorbeugender Maßnahmen gegen Demenzerkrankungen etc.), evaluieren,
wenn ja, was sind die wesentlichen Ergebnisse dieser Studien, gerade
auch mit Blick auf die zu ergreifenden Maßnahmen, und wenn nein,
welche Gründe hat die Bundesregierung, hierzu keine Studie in Auftrag
zu geben?
10. Hat die Bundesregierung Maßnahmen ggf. unter Nutzung der ihr zur
Verfügung stehenden Kanäle ergriffen, um die Öffentlichkeit darüber zu
informieren, dass die sozialen Sicherungssysteme nur dann funktionieren,
wenn die Geburtenrate bestandserhaltend ist, und wenn ja, welche (diese
Maßnahmen bitte aufzählen und erläutern)?
a) Kann die Bundesregierung angeben, welche Initiativen sie ergriffen
hat, um die demografische Entwicklung, und zwar insbesondere im
Hinblick auf die Auswirkungen der demografischen Alterung in
Deutschland, zu der die niedrige Geburtenrate am meisten beiträgt,
zum Thema der Wissenschaftskommunikation zu erklären (bitte ggf.
diese Initiativen nennen und mit Blick auf ihre Zielsetzung erläutern)?
b) Hat die Bundesregierung Initiativen ggf. ergriffen, um die
demografische Entwicklung in Deutschland zum Thema der Bürgerdialoge zu
machen, und wenn ja, welche (bitte ggf. diese Initiativen nennen und
mit Blick auf ihre Zielsetzung erläutern)?
11. Ist der Bundesregierung die Forderung des Ökonomen Prof. Dr. Hans-
Werner Sinn bekannt, Kinderlose mit Verweis auf die Verletzung des
Gleichheitsgrundsatzes nicht weiter zu privilegieren, und deshalb nur
noch Eltern von drei Kindern eine volle Rente zu zahlen und Kinderlose
zu einer zusätzlichen privaten Vorsorge zu verpflichten (www.wiwo.de/po
litik/deutschland/koalitionsverhandlungen-familien-als-restposten-der-poli
tik/9108582-all.html; www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/familienfoer
derung-fuehrt-die-kinderrente-ein-1212431.html; letzter Zugriff: 23.
November 2023), wenn ja, hat sich die Bundesregierung hierzu eine eigene
Positionierung erarbeitet (bitte in diesem Fall auch darauf eingehen, ob
die Bundesregierung hierzu eine Studie hat erstellen lassen, und wenn ja,
zu welchen Ergebnissen diese Studie gekommen ist)?
12. Hat sich die Bundesregierung zu dem Phänomen, dass immer mehr
deutsche Frauen kinderlos bleiben, und zwar insbesondere Akademikerinnen
und Frauen, die in Westdeutschland oder in städtischen Regionen leben
(www.demografie-portal.de/DE/Fakten/kinderlosigkeit.html; letzter
Zugriff: 23. November 2023), eine eigene Positionierung erarbeitet, und
wenn ja, wie lautet diese?
a) Hat sich die Bundesregierung in diesem Zusammenhang zu den
regionalen Unterschieden im Hinblick auf den Urbanisierungsgrad des
Wohnortes, auf die das Bund-Länder-Demografieportal aufmerksam
macht (www.demografie-portal.de/DE/Fakten/kinderlosigkeit.html;
letzter Zugriff: 23. November 2023), eine Erklärung erarbeitet, und
wenn ja, welche?
b) Hat die Bundesregierung Erkenntnisse über die Gründe der
Kinderlosigkeit bei einer steigenden Zahl von deutschen Frauen (wenn ja, diese
Gründe bitte nennen und auch erläutern, ob und welche Maßnahmen
ggf. ergriffen worden sind, um Frauen, insbesondere aus der Gruppe
der Akademikerinnen, die Entscheidung für ein Kind zu erleichtern;
wenn nein, bitte darlegen, warum sie hierüber keine Erkenntnisse
hat)?
13. Ist der Bundesregierung der Begriff des „demographisch-ökonomisches
Paradoxons“ (www.wiwo.de/politik/deutschland/herwig-birg-diskussion-d
emografischer-fragen/11451966-2.html; letzter Zugriff: 8. Februar 2024)
bekannt, also des Phänomens, dass eine soziale Schicht desto weniger
Kinder bekommt, je wohlhabender und gebildeter sie ist?
a) Wenn ja, liegen der Bundesregierung Erkenntnisse zu diesem
Paradoxon vor, und welche Erklärungen hat die Bundesregierung ggf. für das
„demographisch-ökonomisches Paradoxon“ (bitte auch erläutern,
welche Schlussfolgerungen die Bundesregierung ggf. aus diesen
Erklärungen bisher gezogen hat und welche Studien sie in diesem
Zusammenhang hinzugezogen hat)?
b) Wenn ja, plant die Bundesregierung über ihre bisherigen Maßnahmen
hinaus auch Maßnahmen vor dem Hintergrund des
„demographischökonomischen Paradoxons“, um die Vereinbarkeit von Familien- und
Erwerbsarbeit zu erhöhen, deren Verbesserung gemäß dem Urteil von
Fachleuten (www.wiwo.de/politik/deutschland/herwig-birg-die-demog
rafische-uhr-tickt-unbarmherzig/11451966-all.html; letzter Zugriff:
8. Februar 2024) eine wesentliche Maßnahme ist, um die
Auswirkungen des „demographisch-ökonomischen Paradoxons“ abzumildern,
wenn ja, welche Maßnahmen sind das, und wenn nein, warum nicht?
14. Hat sich die Bundesregierung eine eigene Auffassung zu den Gründen
gebildet, aufgrund derer die drei Lehrstühle für Bevölkerungswissenschaft in
Bamberg, Bielefeld und Berlin offenbar für entbehrlich gehalten und
daher aufgelöst oder umgewandelt wurden (vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller)?
a) Wenn ja, welche Auffassung ist dies, gerade auch vor dem
Hintergrund der sich demografisch krisenhaft zuspitzenden Lage in
Deutschland (siehe Vorbemerkung der Fragesteller)?
b) Plant die Bundesregierung, mittels einer Initiative auf die betreffenden
Bundesländer einzuwirken, die aufgelösten Lehrstuhle in Bamberg,
Bielefeld und Berlin vor dem Hintergrund der demografischen Krise,
in der sich Deutschland befindet, wieder zu reaktivieren, wenn ja,
wann wird sie mit dieser Initiative an die Öffentlichkeit treten, und
wenn nein, warum hält es die Bundesregierung für angezeigt, hier
nicht aktiv zu werden?
15. Wie positioniert sich die Bundesregierung zur Frage der kulturellen
Identität (www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/aktuelle-thesen-zur-integ
ration-an-bundesminister-wolfgang-schmidt-uebergeben-staatsministerin-r
oth-kultur-entscheidend-fuer-das-zusammenleben-in-vielfalt--2250150;
letzter Zugriff: 8. Februar 2024), konkret einer an europäischen Werten
orientierten Leitkultur in Deutschland im Sinne der Definition des
Politikwissenschaftlers Prof. Dr. Bassam Tibi (siehe Vorbemerkung der
Fragesteller), die Zusammenhalt und kulturelle Gemeinsamkeit stiftet, vor dem
Hintergrund der demografischen Krise und der unregulierten
Zuwanderung vor allem aus kulturfernen Regionen, die zu einer Verflüssigung
dieser Identität führen, an deren Stelle nach dem Verständnis der Fragesteller
zunehmend „Diversität“ bzw. „Vielfalt“ im Sinne einer Pluralität von
Kulturen treten soll (bitte auch darlegen, welche integrationspolitischen
Konsequenzen diese Verflüssigung einer gemeinsamen kulturellen Identität
aus Sicht der Bundesregierung zeitigen, und ob und wie sie dieser
Verflüssigung entgegenwirken will)?
16. Ist vor dem Hintergrund der Frage 15 die Weitergabe einer Leitkultur in
Deutschland aus Sicht der Bundesregierung sinnvoll, um kulturelle
Gemeinsamkeit in einer Gesellschaft zu stiften, die sich aufgrund ihrer
ethnisch zunehmend heterogenen Zusammensetzung infolge einer
krisenhaften demografischen Entwicklung kulturell auseinanderentwickelt, wie
nach Auffassung der Fragesteller jüngst die Sympathiekundgebungen in
Deutschland im Zusammenhang mit dem Terrorangriff der Hamas auf
Israel im Oktober 2023 nochmals deutlich unterstrichen haben?
a) Wenn ja, welche Maßnahmen hat die Bundesregierung ggf. ergriffen,
um diese Leitkultur über die ihr zur Verfügung stehenden Kanäle zu
vermitteln (bitte hier eine Übersicht darüber erstellen, welche im
Bundeshalt budgetierten Haushaltsposten diesem Ziel dienen)?
b) Wenn nein, warum hält die Bundesregierung die Weitergabe einer
Leitkultur für nicht sinnvoll, und was hält sie ggf. an deren Stelle für
geeignet, um Gemeinsamkeit und kulturelle Identität zu stiften?
Berlin, den 16. Februar 2024
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
Ähnliche Kleine Anfragen
Sicherheit und Sicherheitskosten im Bereich der Deutschen Bahn AG
AfD04.02.2026
Sprengung von Zigarettenautomaten in den Jahren von 2000 bis 2025
AfD05.02.2026
Ladeinfrastruktur und batteriebetriebene Lkw in Deutschland: Aktueller Stand und Planung
AfD05.02.2026
Aktuelle Fragen, Diskussionen und Analysen zu den Aussichten auf den weiteren Verlauf und einen möglichen Ausgang des Ukrainekrieges sowie die Zeit danach - Deutschlands Interessen im Lichte des Lagebilds und der Strategie der Regierung
AfD05.02.2026