Intensivbettenbelegung vor Auftauchen der Omikron-Variante mit nicht gegen COVID-19 geimpften Personen
der Abgeordneten Martin Sichert, Kay-Uwe Ziegler, Dr. Christina Baum, Thomas Dietz, Jörg Schneider, Martin Reichardt, Carolin Bachmann, Jürgen Braun, Gereon Bollmann, Frank Rinck und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Am 24. November 2021 wurde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch Südafrika erstmals die Variante B.1.1.529, auch Omikron genannt, gemeldet (www.who.int/news/item/26-11-2021-classification-of-omicron-(b.1.1.529)-sars-cov-2-variant-of-concern). Bis zur Kalenderwoche 2 2022 hat die Omikron-Variante die bis dahin vorherrschende Delta-Variante verdrängt (www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Omikron-Faelle/Omikron-Faelle.html; www.pharmazeutische-zeitung.de/wie-omikron-delta-verdrangen-konnte-131789/). Die südafrikanische Medizinerin und Entdeckerin der Omikron-Variante, Dr. Angelique Coetzee, teilte zur Omikron-Variante mit, dass es dem Krankheitsbild zufolge keine Anzeichen dafür gibt, dass „wir es mit einer sehr ernsten Erkrankung zu tun haben. Der Verlauf ist überwiegend mild.“ (www.focus.de/gesundheit/coronavirus/druck-von-regierungen-omikron-entdeckerin-gesteht-ich-sollte-nicht-oeffentlich-ueber-milderen-verlauf-sprechen_id_51894550.html).
Bereits im September 2021 sprach der damalige Bundesminister für Gesundheit Jens Spahn immer wieder von der „Pandemie der Ungeimpften“. Er meinte, die „vierte Welle“ rolle „mit voller Wucht“ auf Deutschland zu. Am 3. November 2021 erklärte er: „Wir erleben gerade vor allem eine Pandemie der Ungeimpften und die ist massiv“ (www.merkur.de/politik/lauterbach-rki-protokolle-corona-robert-koch-institut-dokumente-files-pandemie-impfung-spahn-zr-93204778.html).
In einer Sachverständigenanhörung zum Infektionsschutzgesetz fragte der Abgeordnete Martin Sichert am 8. Dezember 2021 die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), welche gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut (RKI) das DIVI-Intensivregister betreibt, ob dort inzwischen Daten dazu vorliegen, wie viele Geimpfte und Ungeimpfte auf den Intensivstationen sind. Hierauf antwortete Prof. Dr. Florian Hoffmann, seinerzeit Generalsekretär des DIVI-Intensivregisters und heute dort Präsident-elect: „[…], dass die Abfrage des Impfstatus bei den Patienten erst seit ganz kurzem am Laufen ist und dass wir, bis wir da valide Daten haben, noch eine gewisse Zeit brauchen werden.“ Auf Nachfrage des Abgeordneten Martin Sichert, ob er es richtig versteht, dass das DIVI momentan noch keinen Datenstand dazu hat, wie viele der momentan auf den Intensivstationen liegenden Patienten tatsächlich geimpft bzw. ungeimpft sind, antwortete Prof. Dr. Florian Hoffmann: „Das ist korrekt […]“ (www.youtube.com/watch?v=frcn5XjUpS4, ab Minute 0:50).
Erst mit der aktualisierten „DIVI-Intensivregister-Verordnung“ vom 12. November 2021 erhob das DIVI-Intensivregister den jeweiligen Impfstatus der Patienten auf den Intensivstationen. Zwar erfasste auch das Robert Koch-Institut Daten zur Impfeffektivität. Im Wochenbericht vom 30. September 2021 stellte das Robert Koch-Institut aber klar: „Da für einen Teil der COVID-19-Fälle die Angaben zum Impfstatus unvollständig sind, ist von einer Untererfassung der geimpften COVID-Fälle auszugehen. Infolgedessen kann in den bisherigen Berechnungen die Impfeffektivität in einigen Fällen überschätzt worden sein. Ab dem 30.09.2021 werden daher für die Berechnung der Impfeffektivität nur noch jene COVID-19-Fälle berücksichtigt, für die eine Angabe zum Impfstatus vorliegt. Diese methodische Anpassung hat zu einer Aktualisierung der in Tabelle 4 berichteten Daten und in einigen Fällen zu niedrigeren Schätzern der Impfeffektivität im Vergleich mit früheren hier berichteten Berechnungen geführt“ (Wochenbericht_2021-09-30.pdf (rki.de).
Am 24. Juli 2024 teilte der Bundesminister für Gesundheit Dr. Karl Lauterbach in einem Tweet auf der Social-Media-Plattform „X“ mit: „Aber vor Omikron belegten eben besonders die Ungeimpften die Intensivstationen […]“ (x.com/Karl_Lauterbach/status/1816205528403493030?t=6JrQMgNx0XSK-eBnljWxOg&s=35).
Ein Sprecher des früheren Bundesgesundheitsministers Jens Spahns erklärt dazu auf Anfrage von IPPEN.MEDIA: „Herr Spahn sieht den konstruierten Widerspruch nicht“. Der Bundesminister habe „damals auf den Umstand verwiesen, dass 90 bis 95 Prozent der COVID-19-Patienten auf Intensivstationen nicht geimpft waren“. Schwere und schwerste Verläufe hätten sich zudem „deutlich überproportional“ bei nichtgeimpften Patienten gezeigt, „wie es ja auch die RKI-Daten zeigten“ (www.merkur.de/politik/lauterbach-rki-protokolle-coronarobert-koch-institut-dokumente-files-pandemie-impfung-spahn-zr-93204778.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen5
Gab es vor der Datenerhebung und Datenauswertung durch das DIVI eine bundesweite Datenerhebung über den Anteil der Ungeimpften an den Corona-Intensivpatienten?
Wenn die Frage 1 bejaht wird, wer hat diese Daten erhoben, wer hat die Daten ausgewertet, und was war das Ergebnis dieser Datenerhebung und Datenauswertung?
Hat die Bundesregierung Kenntnis von einer bundesweiten Datenerfassung und Datenauswertung der Belegung der Intensivstationen zu irgendeinem Zeitpunkt, gemäß der
a) über 90 Prozent der Corona-Intensivpatienten Ungeimpfte waren, und
b) mehr als die Hälfte der Corona-Intensivpatienten Ungeimpfte waren?
Wenn Frage 3 mit Ja beantwortet wird, welche Daten von welchem Zeitpunkt weisen solche Ergebnisse jeweils aus?
Auf welche Datengrundlage stützte der Bundesgesundheitsminister Dr. Karl Lauterbach seinen Tweet vom 24. Juli 2024 mit dem Inhalt: „Aber vor Omikron belegten eben besonders die Ungeimpften die Intensivstationen […]“ auf der Social-Media-Plattform „X“ (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?