Probleme bei der deutschen Brotweizenproduktion
der Abgeordneten Stephan Protschka, Peter Felser, Danny Meiners, Christian Reck, Bernd Schattner, Julian Schmidt, Bernd Schuhmann, Dr. Michael Blos, Olaf Hilmer, Steffen Janich, Enrico Komning, Dario Seifert, Lars Schieske, Stefan Schröder und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Die Verschärfung der Düngeverordnung in Deutschland hat nach Ansicht von Experten entgegen der Auffassung der Bundesregierung (siehe Antwort der Bundesregierung zu Frage 7 der Kleinen Anfrage auf Bundestagsdrucksache 20/13455) erhebliche Auswirkungen auf die Produktion von Qualitätsweizen, insbesondere in Bezug auf den Proteingehalt, der für die Backfähigkeit entscheidend ist. Hauptursache ist die Einschränkung der Stickstoffdüngung, die vor allem in Regionen mit ohnehin niedrigen Stickstoffvorräten im Boden problematisch ist (www.wochenblatt-dlv.de/maerkte/qualitaetsweizen-experten-warnen-engpaessen-duengeverordnung-577680).
Seit 2018 ist die Stickstoffnachlieferung aus dem Boden (N_mob) im Vergleich zu den Jahren von 2000 bis 2017 um durchschnittlich 27 Kilogramm pro Hektar gesunken (www.topagrar.com/acker/news/dungeverordnung-qualitatsgetreide-ade-20008456.html?utm_source=chatgpt.com). In einer fünfjährigen Versuchsreihe der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) führte eine Reduktion der Stickstoffdüngung um 30 Kilogramm pro Hektar zu einem durchschnittlichen Rückgang des Rohproteingehalts im Weizen von 13,6 auf 12,4 Prozent. Damit wird häufig die Mindestanforderung für Qualitätsweizen nicht mehr erreicht (www.lfl.bayern.de/ipz/getreide/270547/index.php?utm_source=chatgpt.com).
In mehreren Bundesländern, darunter Bayern, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg, erfüllte im Erntejahr 2023 ein erheblicher Teil der Weizenernte die geforderten Qualitätskriterien für die Brot- und Backverarbeitung nicht (www.tagesschau.de/wirtschaft/weizen-ernte-landwirtschaft-klima-100.html). In Nordrhein-Westfalen etwa lagen zwischen 2020 und 2024 nur rund 35 Prozent der Proben innerhalb aller Qualitätsanforderungen, meist wegen zu niedriger Proteingehalte (www.agrarheute.com/politik/bmel-duengeverordnung-schuld-schlechter-weizenqualitaet-628029?utm_source=chatgpt.com). Auch das Max Rubner-Institut stellte fest, dass in einigen Regionen weder Proteingehalt noch Hektolitergewicht ausreichen, um eine gute Backfähigkeit zu gewährleisten (ebd.).
Die sinkende Qualität des Weizens hat zur Folge, dass ein größerer Teil der Ernte nicht zur Mehlproduktion genutzt werden kann und stattdessen als Futtermittel verkauft wird. Dies schmälert die wirtschaftliche Rentabilität für die Landwirte und erschwert die Versorgung der Mühlen mit hochwertigem Weizen. Fachleute warnen daher davor, dass eine anhaltende Begrenzung der Stickstoffdüngung langfristig zu einem Rückgang der heimischen Qualitätsweizenproduktion führen könnte, was die Versorgung mit backfähigem Getreide aus deutscher Herkunft gefährden würde (www.topagrar.com/markt/news/wie-dungeverordnung-den-qualitatsgetreideanbau-in-deutschland-beeinflusst-a-20001431.html?utm_source=chatgpt.com).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen8
Wird die Bundesregierung das im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vereinbarte Instrument schaffen, um zukünftig die besonders wasserschonend wirtschaftenden Betriebe in roten Gebieten von Auflagen zu befreien (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koalitionsvertrag.pdf, S. 43)?
a) Wenn ja, was verspricht sich die Bundesregierung davon konkret, und bis wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
Wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vereinbarte Abschaffung der Stoffstrombilanzverordnung umsetzen (www.koalitionsvertrag2025.de/sites/www.koalitionsvertrag2025.de/files/koalitionsvertrag.pdf, S. 43)?
a) Wenn ja, bis wann?
b) Wenn nein, warum nicht?
Beabsichtigt die Bundesregierung, weitere Maßnahmen im Bereich Düngerecht umzusetzen, wenn ja, bis wann, und welche?
Ist der Bundesregierung die Kritik bekannt, dass Deutschland Gefahr laufe, am Markt vorbei zu produzieren und ein Importland für Brot- bzw. Backweizen zu werden, und teilt die Bundesregierung die Einschätzung der vorherigen Bundesregierung – so das Verständnis der Fragesteller hinsichtlich der in Bezug genommenen Aussage der Bundesregierung –, dass die Versorgung mit Qualitätsweizen aktuell gesichert sei und es gegenwärtig keinen Handlungsbedarf gebe (www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/gefahr-real-bauernverband-legt-ernuechternde-erntebilanz-625173; Antwort zu Frage 4 auf Bundestagsdrucksache 20/13455)?
Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der vorherigen Bundesregierung, dass die dünge- und pflanzenschutzrechtlichen Auflagen keinen Einfluss auf sinkende Qualitätsweizenanteile habe und sich daher kein unmittelbarer Handlungsbedarf der Bundesregierung ableiten lasse (Antwort zu Frage 6 auf Bundestagsdrucksache 20/13455)?
Ist es nach Kenntnis der Bundesregierung zutreffend, dass andere Länder, insbesondere die USA, durch Innovationen und den Einsatz neuer Techniken in den vergangenen 20 Jahren Ertragssteigerungen bei Weizen zwischen 40 und 60 Prozent erreichen konnten, während der Fortschritt in Europa hingegen nur 4 Prozent betrug, und wenn ja, leitet die Bundesregierung daraus Handlungsbedarf ab (www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/wegen-duengeverordnung-deutschland-erzeugt-weniger-qualitaetsweizen-626206)?
Ist der Bundesregierung bekannt, dass das sehr restriktive Düngerecht in Dänemark vor einigen Jahren wieder gelockert wurde, weil es einen stetigen Rückgang der durchschnittlichen Eiweißgehalte im Getreide gab, und wenn ja, sieht die Bundesregierung hier Parallelen zur Situation und Deutschland und entsprechenden Handlungsbedarf (www.agrarheute.com/pflanze/getreide/weizen-84-prozent-protein-daenen-duerfen-mehr-duengen-517944#:~:text=Weizen%20bei%208%2C4%20Prozent%20Protein%3A%20Dänen%20dürfen%20wieder%20mehr%20düngen,-Tei-len%20Twittern%20Pinnen&text=Kopenhagen%20-%20Während%20in%20Deutschland%20die,bisher%20strikten%20Begrenzung%20der%20Düngermenge)?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob Getreideproduzenten die Qualitätsanforderungen des Handels trotz der Düngeauflagen in den Roten Gebieten in einem wirtschaftlichen Ausmaß erfüllen konnten, und wenn ja, plant die Bundesregierung dahin gehend Maßnahmen (www.agrarheute.com/pflanze/getreide/alarmstufe-fuer-qualitaetsweizen-rote-gebiete-besser-differenzieren-563756)?