Folgen von Dürre und Trockenheit für den Tourismus
der Abgeordneten Stefan Schmidt, Dr. Ophelia Nick, Tina Winklmann, Karoline Otte, Matthias Gastel, Victoria Broßart, Denise Loop, Julian Joswig, Julia Schneider, Claudia Müller und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erklärte im April dieses Jahres, dass der Zeitraum von Anfang Februar bis Mitte April 2025 der trockenste in Deutschland seit 1931 gewesen sei. Trockenheit und Dürre treten damit nicht mehr nur ausschließlich in den Sommermonaten auf, sondern entwickeln sich zunehmend zu einem ganzjährigen und häufiger auftretenden Problem. Die sich verschärfende Klimakrise führt zu immer längeren Phasen mit geringen Niederschlägen, hohen Temperaturen und ausgeprägter Boden- und Vegetationstrockenheit – mit Folgen für die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft, die Gewässerökologie, aber auch für den Tourismus (vgl. www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/extremereignisseklimawandel/trockenheit-in-deutschland-fragen-antworten#trockenheit-aktuelle-situation).
Beliebte Tourismusregionen wie Mittelgebirge, Flusslandschaften, Seengebiete, Küsten und Naturparks sind besonders von den Folgen von Trockenheit und Dürreperioden betroffen. Sinkende Pegelstände beeinträchtigen den Schiffsverkehr, die erhöhte Waldbrandgefahr führt zur Sperrung von Wanderwegen und Campingplätzen, ausgetrocknete Böden verringern die Aufenthaltsqualität, und hohe Temperaturen belasten sowohl die Gesundheit der Menschen als auch die touristische Infrastruktur.
Auch die Wintersportdestinationen sind durch das Ausbleiben von Niederschlägen und verkürzte Kälteperioden mit saisonalen Verlusten konfrontiert, die mittel- bis langfristig die Existenz ganzer Tourismusregionen gefährden werden (vgl. www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/duerre-starkregen-hitzewellen-beeintraechtigen).
Bisher existiert allerdings keine systematische Erfassung der touristischen Auswirkungen klimabedingter Dürreereignisse. Ebenso ist bislang unklar, in welchem Umfang bestehende Förderprogramme auf die durch den Klimawandel bedingten Risiken im Tourismussektor reagieren und welche Anpassungsstrategien auf Bundesebene entwickelt oder unterstützt werden.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen20
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Auswirkungen von Dürre und Trockenheit auf den Tourismussektor in Deutschland seit 2014 (z. B. auf Flusskreuzfahrten, Natur- und Wandertourismus, Wassertourismus, Camping, Wasser- und Wintersport)?
a) Welche Regionen in Deutschland waren in den letzten fünf Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung besonders von Dürre und Trockenheit betroffen, und wie machte sich das bemerkbar?
b) Inwieweit wurden die daraus resultierenden wirtschaftlichen Schäden im Tourismussektor seitens der Bundesregierung erfasst?
a) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über touristische Infrastrukturangebote (wie z. B. Wanderwege, Naturerlebnispfade, Campingplätze, Bootsverleihe, Freibäder, Rasenplätze, Tennis- und Golfanlagen), die in den letzten fünf Jahren aufgrund von Dürreperioden, Wassermangel oder Waldbrandgefahr vorübergehend eingeschränkt betrieben oder vollständig geschlossen wurden (bitte nach Jahr und Grund der Schließung aufschlüsseln)?
b) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über touristische Sportinfrastrukturangebote (wie z. B. Freibäder, Rasenplätze, Tennis- und Golfanlagen), die in den letzten fünf Jahren aufgrund von Dürre und Trockenheit einen wachsenden Wasserverbrauch zu verzeichnen hatten (bitte nach Jahr, Ort, Sportart und Verbrauch aufschlüsseln)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung bezüglich der Auswirkungen von Dürre und Trockenheit auf touristisch relevante Binnengewässer (z. B. Müritz, Bodensee, Chiemsee, Starnberger See, Donau, Steinhuder Meer, Spree oder Elbe) hinsichtlich Nutzbarkeit, Attraktivität und Besucherzahlen vor?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung bezüglich der Auswirkungen von Dürre und Trockenheit auf Naturparke, Biosphärenreservate und Nationalparke (z. B. Nationalpark Bayerischer Wald) hinsichtlich der Auswirkungen auf Flora und Fauna sowie die touristische Attraktivität und Besucherzahlen vor?
a) Welche Anpassungsstrategien und Anpassungsmaßnahmen sind der Bundesregierung seitens der Tourismusverbände, Landesregierungen oder kommunalen Akteure aktuell bekannt, um auf die zunehmende Häufigkeit von Trockenperioden zu reagieren, und wie unterstützt sie solche Maßnahmen (bitte erläutern)?
b) Inwiefern plant die Bundesregierung, Kommunen, besonders in Tourismusregionen, bei der Erstellung von Hitzeschutzplänen besser zu unterstützen, sind hierfür konkrete Maßnahmen geplant, die insbesondere für die entsprechenden Kommunen finanzielle Mittel bereitstellen?
Sind der Bundesregierung Anpassungsstrategien und Anpassungsmaßnahmen, um auf die zunehmende Häufigkeit von Trockenperioden zu reagieren, im europäischen Ausland bekannt, und wenn ja, welche?
Welche wirtschaftlichen Effekte der klimabedingten Trockenheit auf den Tourismussektor, insbesondere in Bezug auf Beschäftigung und Wertschöpfung, wurden von der Bundesregierung oder beauftragten Instituten ermittelt oder modelliert?
Wie bewertet die Bundesregierung die Resilienz der Tourismusbranche und der Tourismusdestinationen insgesamt gegenüber klimawandelbedingten Extremereignissen wie Dürre und Hitzewellen?
a) Wie bewertet die Bundesregierung die Auswirkungen hoher Temperaturen auf den Tourismussektor im Zusammenhang mit nationalen sowie internationalen Sportveranstaltungen in Deutschland (vgl. www.sportschau.de/regional/hr/hr-aerger-beim-tischtennis-finale-frankfurter-talent-neumann-drohte-hitze-kollaps-100.html, bzw. www.sportschau.de/regional/wdr/wdr-carsten-upadek-aus-aachen-hitze-zum-chio-auftakt-100.html)?
b) Wie ist nach Auffassung der Bundesregierung sichergestellt, dass Zuschauerinnen und Zuschauer zukünftig bei Sportgroßveranstaltungen in Deutschland vor Hitze geschützt sind, und plant die Bundesregierung hier eigene Maßnahmen, und wenn ja, welche?
c) Inwiefern ist nach Auffassung der Bundesregierung sichergestellt, dass bei der klimagerechten Sanierung und dem nachhaltigen Sportstättenbau der Schutz vor Hitze für die Zuschauerinnen und Zuschauer zukünftig gewährleistet ist, und plant die Bundesregierung hier eigene Maßnahmen, und wenn ja, welche?
d) Wie hoch wird der Investitionsbedarf für klimafeste Sportstätten geschätzt?
Gibt es Erkenntnisse darüber, ob saisonale Beschäftigungsverhältnisse im Tourismussektor durch klimawandelbedingte Verluste (z. B. durch einen Rückgang der Gästezahlen infolge von Extremwettereignissen oder durch verkürzte Saisonzeiten im Wintertourismus) unter Druck geraten, und wenn ja, welche?
Welche Fördermittel aus Bundesprogrammen (z. B. LIFT-Transformation, Nationale Klimaanpassungsstrategie oder Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW)) wurden seit 2018 für die klimaangepasste Umgestaltung touristischer Infrastrukturen bereitgestellt (bitte nach Jahr und Förderprogramm aufschlüsseln)?
Welche Anforderungen hinsichtlich Klimaanpassung und Hitzeschutz stellt die Bundesregierung bei der Förderung von Tourismusprojekten im Rahmen von Bund-Länder-Programmen, und plant sie, dieses Thema in Zukunft weiter zu adressieren, und wenn ja, in welcher Form?
Plant die Bundesregierung bei der Fortschreibung der Nationalen Tourismusstrategie die Berücksichtigung klimawandelbedingter Risiken wie Dürre und Trockenheit, und wenn ja, inwieweit (bitte erläutern)?
In welchem Umfang betreibt oder fördert die Bundesregierung Forschung zur Klimawirkungskette Trockenheit und Tourismus, etwa durch das Umweltbundesamt, das Bundesamt für Naturschutz oder das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung?
Beabsichtigt die Bundesregierung, die Forschung zur Klimawirkungskette Trockenheit und Tourismus auszuweiten, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
Plant die Bundesregierung die Einführung eines bundesweiten Monitorings zur Klimaanfälligkeit touristischer Destinationen und Infrastrukturen, und wenn nein, aus welchen Gründen nicht?
Welche Rolle spielen Dürre und Trockenheit als Risikofaktoren in der Weiterentwicklung der Klimaanpassungsstrategie im Handlungsfeld Tourismus?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über Auswirkungen von Dürre und Hitzeperioden auf die Nutzbarkeit und den Zustand von touristisch frequentierten Sportinfrastrukturen im Außenbereich (z. B. Multifunktionssportplätze, Reitwege, Kanu- oder Ruderstrecken), insbesondere in Ferienregionen?
Inwiefern berücksichtigt die Bundesregierung im Rahmen der Sportstättenförderung und Tourismuspolitik die klimawandelbedingte Doppelbelastung von Sportanlagen, die sowohl dem organisierten Sport als auch dem touristischen Freizeitbetrieb dienen (z. B. Strandbäder, Loipen, Tennisplätze, Bikeparks oder Golfplätze)?