Bornavirus im Jahr 2025 in Deutschland
der Abgeordneten Dr. Christoph Birghan, Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Nicole Hess, Carina Schießl, Claudia Weiss, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis Leonard Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann, Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Vorbemerkung
Das Bornavirus (BoDV-1) ist der Erreger der Borna-Krankheit, einer für Haussäugetiere und Menschen tödlichen neurologischen Erkrankung, die durch eine Spillover-Infektion von ihrem natürlichen Reservoirwirt, der zweifarbigen Weißzahnspitzmaus (Crocidura leucodon), verursacht wird. Die Forschung geht von einer variablen Inkubationszeit zwischen einigen Wochen und einigen Monaten aus (Ebinger, A., Santos, P.D., Pfaff, F. et al. Lethal Borna disease virus 1 infections of humans and animals – in-depth molecular epidemiology and phylogeography. Nat Commun 15, 7908 [2024]; https://doi.org/10.1038/s41467-024-52192-x).
Das bekannte Bornavirus-Endemiegebiet ist auf Teile Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und Liechtensteins beschränkt, wobei das Virus sich aufgrund der Standorttreue des Wirtsorganismus (der Weißzahnspitzmaus) scheinbar geografisch nicht bzw. nur sehr langsam ausbreitet (Ebinger, A., Santos, P.D., Pfaff, F. et al. Lethal Borna disease virus 1 infections of humans and animals – in-depth molecular epidemiology and phylogeography. Nat Commun 15, 7908 [2024]; https://doi.org/10.1038/s41467-024-52192-x).
Aktuelle Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) bestätigen, dass das Virus in Deutschland endemisch in den Bundesländern Bayern, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen, Baden-Württemberg und Brandenburg vorkommt, wobei Brandenburg insbesondere im Westteil als mutmaßliches Endemiegebiet gilt. (https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/B/Bornavirus/Bornavirus_Hinweise-zur-Diagnostik.html). Bis zum 13. Juli 2025 wurden insgesamt 51 laborbestätigte Infektionen mit BoDV-1 in Deutschland gemeldet (seit Einführung der Meldepflicht 2020), davon 50 tödlich und ein Fall mit bleibenden neurologischen Schäden. Die jährliche Inzidenz liegt bei fünf bis zehn humanen Fällen, die nahezu immer tödlich oder mit schwerer Enzephalitis verlaufen (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 21/992). Im Jahr 2025 wurde bereits mindestens ein Todesfall in Oberbayern bestätigt, was die anhaltende Relevanz unterstreicht (https://www.fr.de/panorama/erster-todesfall-2025-in-deutschland-das-sind-symptome-des-bornavirus-93776527.html).
In den vergangenen Wochen berichteten Medien verstärkt von auftretenden Infektionen (https://www.moz.de/nachrichten/panorama/bornavirus-ob-brandenburg-zum-verbreitungsgebiet-des-toedlichen-virus-gehoert-78112927.html, https://www.lr-online.de/nachrichten/brandenburg/borna-virus-bornavirus-symptome-krankheit-infektion-maus-spitzmaus-gefahr-toedlich-beim-menschen-sachsen-anhalt-thueringen-bayern-60141897.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen9
Wie viele Verdachtsfälle einer Infektion mit dem Bornavirus wurden in den letzten zehn Jahren im gesamten Bundesgebiet erfasst (bitte nach Jahr und Bundesland aufschlüsseln)?
Wie hoch wird die Dunkelziffer bzw. Dunkelzifferquote geschätzt?
Welche Überträger bzw. Wirte außer der Weißzahnspitzmaus wurden bei einer Infektion mit dem Bornavirus beim Menschen erfasst (bitte nach Art, Häufigkeit, Jahr und Bundesland aufschlüsseln)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Tenazität des Bornavirus vor, und gibt es diesbezüglich aus Bundesmitteln finanzierte Forschungsvorhaben?
Welche Maßnahmen zur Bekämpfung des Bornavirus bzw. seiner Wirte werden angewandt (bitte nach Art, Häufigkeit, Jahr und Bundesland aufschlüsseln)?
Wie wirksam werden die jeweiligen Maßnahmen zur Bekämpfung des Bornavirus von der Bundesregierung eingeschätzt?
Wird darüber nachgedacht, die Spitzmaus als Überträger in den betroffenen Gebieten zu bekämpfen bzw. die Virusübertragung auf Mensch und Tier auf andere Weise zu bekämpfen?
Gibt es Gründe, die gegen einzelne Maßnahmen zur Bekämpfung des Bornavirus sprechen (z. B. Natur- und Artenschutz)?
In welcher Höhe werden ggf. Geldmittel aus dem Bundeshaushalt zur Erforschung bzw. Bekämpfung bzw. Therapieentwicklung aufgewandt (bitte diesen drei Bereichen entsprechend aufschlüsseln), ist ggf. eine Aufstockung der Forschungsmittel geplant, und wo findet die Forschung statt?