BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 17Beantwortet

Vorläufige Bilanz der deutschen Opfer und Leidtragenden als Folge des ISAF-Einsatzes und zivilpolitischer Maßnahmen in Afghanistan

Anzahl der seit 2001 im Rahmen des ISAF-Einsatzes in Afghanistan verletzten oder getöteten Bundeswehrsoldaten, Personenschäden durch Schussverletzungen oder Kfz-Unfälle, Suizidversuche, Feststellung psychischer Probleme, psychologisches Fachpersonal der Bundeswehr, Betreuung Hinterbliebener oder Angehöriger von Geschädigten, verletzte oder getötete deutsche Polizisten und Mitarbeiter nationaler oder internationaler Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Diagnostizierung von PTBS<br /> (insgesamt 16 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium der Verteidigung

Datum

14.02.2011

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 17/457727. 01. 2011

Vorläufige Bilanz der deutschen Opfer und Leidtragenden als Folge des ISAF-Einsatzes und zivilpolitischer Maßnahmen in Afghanistan

der Abgeordneten Paul Schäfer (Köln), Christine Buchholz, Sevim Dağdelen, Dr. Diether Dehm, Annette Groth, Inge Höger, Andrej Hunko, Harald Koch, Stefan Liebich, Ulrich Maurer, Cornelia Möhring, Kathrin Senger-Schäfer, Kathrin Vogler, Harald Weinberg und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Der Afghanistan-Einsatz der Bundesregierung befindet sich mittlerweile im zehnten Jahr und dauert damit bereits länger als die sowjetische Intervention in Afghanistan oder der Vietnam-Krieg. 2010 war dabei das bislang verlustreichste Jahr, auch für die Bundeswehr. Etwa 10 000 Menschen wurden getötet (nach Angaben von icasualties.org), darunter rund 2 000 Zivilistinnen und Zivilisten sowie neun Soldaten der Bundeswehr. Auch eine Reihe von zivilen Aufbauhelferinnen und Aufbauhelfern sowie Angehörige humanitärer Entwicklungsorganisationen wurde verletzt oder verloren ihr Leben. Für das laufende Jahr 2011 erwarten der Bundesminister der Verteidigung und Experten keine Verbesserung der Lage, sondern, ganz im Gegenteil, eine Intensivierung der Gefechte.

Gerade aus diesen Gründen und im Zuge der sich intensivierenden Debatte zur Verantwortung und Legitimation des deutschen Engagements in Afghanistan haben die Menschen in Deutschland ein Recht darauf, zu erfahren, welche Opfer der Krieg auch in den eigenen Reihen fordert und welche Auswirkungen er auf den körperlichen und seelischen Gesundheitszustand der Soldatinnen und Soldaten, der zivilen Helferinnen und Helfer sowie ihrer Angehörigen hat. Denn nicht nur körperliche Beeinträchtigungen, sondern auch auf den ersten Blick nicht sichtbare, psychische Probleme, wie z. B. posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) können durch den Zustand ständiger Bedrohung und die Realität von Gewaltanwendung im Einsatz entstehen und das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen64

1

Wie viele deutsche Soldatinnen und Soldaten wurden im laufenden ISAF- Einsatz seit 2001 verletzt (bitte aufgeschlüsselt nach Alter des/der Verletzten, Dienstgrad, Geschlecht, Herkunftsort [Bundesland], Datum und Ort des Vorfalls sowie Vorfallsursache)?

2

Wie viele deutsche Soldatinnen und Soldaten starben im laufenden ISAF- Einsatz nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2001 (bitte aufgeschlüsselt nach Alter des/der Toten, Dienstgrad, Geschlecht, Herkunftsort [ Bundesland], Datum und Ort des Vorfalls sowie Vorfallsursache)?

2

Wie werden die im ISAF-Einsatz ums Leben gekommenen Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr statistisch erfasst?

2

Werden die spezifischen Todesursachen (Gefechtstod, Unfalltod, Suizidtod etc.) in einer gemeinsamen Statistik erfasst? Wenn nein, warum wird nicht nach Todesursachen unterschieden?

3

Wie viele deutsche Soldatinnen und Soldaten unternahmen während ihres ISAF-Einsatzes einen Suizidversuch (bitte aufschlüsseln nach Alter, Dienstgrad, Geschlecht, Herkunftsort [Bundesland], Datum und Ort des Vorfalls sowie Art des Suizidversuchs)?

3

Wie viele Suizidversuche endeten tödlich?

3

In wie vielen Fällen bestand ein Verdacht auf Suizid?

3

Wie viele Soldatinnen und Soldaten wurden im Anschluss an den Suizidversuch therapeutisch behandelt?

3

Wie viele Soldatinnen und Soldaten wurden nach Suizidversuchen weiterhin in Afghanistan oder anderen Einsatzgebieten eingesetzt?

3

Wie viele Suizidversuche gab es unter Rückkehrerinnen und Rückkehrern?

4

Wie erklärt die Bundesregierung den hohen Anteil an Kfz-Unfällen im Zusammenhang mit toten oder verletzten deutschen Soldatinnen und Soldaten?

5

Wie viele Soldatinnen und Soldaten haben seit 2001 in Afghanistan unverschuldete Schussverletzungen erlitten oder sind infolge dieser gestorben (bitte aufschlüsseln nach Datum und Ort des Vorfalls und Angabe, ob andere Soldatinnen und Soldaten beteiligt waren)?

6

Wie viele deutsche Polizistinnen und Polizisten wurden im Rahmen des Polizeiaufbaus nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2001 verletzt (bitte aufgeschlüsselt nach Alter des/der Verletzten, Dienstgrad, Geschlecht, Herkunftsort [Bundesland], Datum und Ort des Vorfalls sowie Vorfallsursache)?

7

Wie viele deutsche Polizistinnen und Polizisten wurden im Rahmen des Polizeiaufbaus nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2001 getötet (bitte aufgeschlüsselt nach Alter des/der Getöteten, Dienstgrad, Geschlecht, Herkunftsort [Bundesland], Datum und Ort des Vorfalls sowie Vorfallsursache)?

7

Wie werden die beim Einsatz ums Leben gekommenen Polizistinnen und Polizisten statistisch erfasst?

7

Werden die spezifischen Todesursachen (Gefechtstod, Unfalltod, Suizidtod etc.) in einer gemeinsamen Statistik erfasst? Wenn nein, warum wird nicht nach Todesursachen unterschieden?

8

Bei wie vielen deutschen Soldatinnen und Soldaten wurden seit 2001 während des Einsatzes oder nach ihrer Rückkehr aus Afghanistan psychische Probleme festgestellt?

9

Bei wie vielen deutschen Soldatinnen und Soldaten wurde nach ihrer Rückkehr eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert (aufgeschlüsselt nach Einsatzort, Einsatzzeitraum, Alter, Geschlecht)?

9

Wie viele von ihnen wurden stationär behandelt?

9

Wie viele von ihnen wurden ambulant behandelt?

9

Wie viele blieben trotz diagnostizierten psychischen Problemen unbehandelt?

9

Wie viele blieben trotz Behandlungswunsch unbehandelt?

9

Wie viele wurden untersucht, jedoch ohne eindeutige Diagnose entlassen?

9

Wie viele kehrten nach ihrer Genesung zurück in das Einsatzgebiet oder fanden Verwendung in einem anderen Auslandseinsatz?

9

Wie viele verblieben in Deutschland und ggf. in Behandlung?

9

Wie viele von ihnen quittierten ihren Dienst?

9

In wie vielen Fällen wurde eine Wehrdienstbeschädigung ausgestellt?

9

Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Zahl der nicht erkannten PTBS-Fälle ein?

9

Existieren Erfahrungswerte oder wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, nach wie viel Stehzeit im Einsatzland die Gefahr einer PTBS signifikant steigt?

10

Bei wie vielen deutschen Polizistinnen und Polizisten wurde nach ihrer Rückkehr eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert (aufgeschlüsselt nach Einsatzort, Einsatzzeitraum, Alter, Geschlecht)?

10

Wie viele von ihnen wurden stationär behandelt?

10

Wie viele von ihnen wurden ambulant behandelt?

10

Wie viele blieben trotz diagnostizierten psychischen Problemen unbehandelt?

10

Wie viele blieben trotz Behandlungswunsch unbehandelt?

10

Wie viele wurden untersucht, jedoch ohne eindeutige Diagnose entlassen?

10

Wie viele kehrten nach ihrer Genesung zurück in das Einsatzgebiet oder fanden Verwendung in einem anderen Auslandseinsatz?

10

Wie viele verblieben in Deutschland und ggf. in Behandlung?

10

Wie viele von ihnen quittierten ihren Dienst?

10

Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Zahl der nicht erkannten PTBS-Fälle ein?

10

Existieren Erfahrungswerte oder wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, nach wie viel Stehzeit im Einsatzland die Gefahr einer PTBS signifikant steigt?

11

Wie viele Psychiater, Psychologen oder Psychotherapeuten arbeiten derzeit bei der Bundeswehr? Wie viele Stellen sind dabei unbesetzt geblieben (bitte beide Antworten aufschlüsseln nach Berufsgruppe und Einsatzgebiet)?

12

Wie viele deutsche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei nationalen oder internationalen Nichtregierungs-Organisationen (NGO) wurden seit 2001 verletzt (bitte aufgeschlüsselt nach Alter des/der Verletzten, Geschlecht, Herkunftsort [Bundesland], Datum und Ort des Vorfalls sowie Vorfallsursache)?

13

Wie viele deutsche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei nationalen oder internationalen NGOs wurden seit 2001 getötet (bitte aufgeschlüsselt nach Alter des/der Getöteten, Geschlecht, Herkunftsort [Bundesland], Datum und Ort des Vorfalls sowie Vorfallsursache)?

14

Bei wie vielen deutschen NGO-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde nach ihrer Rückkehr eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert (aufgeschlüsselt nach Einsatzort, Einsatzzeitraum, Alter, Geschlecht)?

14

Wie viele von ihnen wurden stationär behandelt?

14

Wie viele von ihnen wurden ambulant behandelt?

14

Wie viele blieben trotz diagnostizierten psychischen Problemen unbehandelt?

14

Wie viele blieben trotz Behandlungswunsch unbehandelt?

14

Wie viele wurden untersucht, jedoch ohne eindeutige Diagnose entlassen?

14

Wie viele kehrten nach ihrer Genesung zurück in das Einsatzgebiet oder fanden Verwendung in einem anderen Auslandseinsatz?

14

Wie viele verblieben in Deutschland und ggf. in Behandlung?

14

Wie viele von ihnen wechselten den Beruf?

14

Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Zahl der nicht erkannten PTBS-Fälle ein?

14

Existieren Erfahrungswerte oder wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, nach welcher Aufenthaltsdauer im Einsatzland die Gefahr einer PTBS signifikant steigt?

15

Welche Stellen sind innerhalb der Bundeswehr mit der Erfassung von Toten und Verletzten in den Einsatzgebieten befasst, und wie werden diese Informationen zum Zwecke der öffentlichen Berichterstattung vorbereitet und weitergeleitet?

16

Besteht vonseiten der Bundeswehr oder der Bundesregierung ein Betreuungsangebot oder eine erste Anlaufstelle für Hinterbliebene bzw. Angehörige von Geschädigten, die in den Einsatzgebieten tätig waren?

16

Wenn ja, wie gestaltet sich die Betreuung im Alltag der Hinterbliebenen, und welche Stellen sind für die Koordination zuständig?

16

Wenn nein, warum gibt es keine derartige Einrichtung?

16

Wie gestaltet sich die Betreuung der Angehörigen von Geschädigten, und welche Stelle leitet die Koordination?

16

Gibt es ein Netzwerk für die gegenseitige Unterstützung von Hinterbliebenen, und wenn ja, wie werden diese darauf aufmerksam gemacht?

16

Wie lange werden Hinterbliebene mindestens und wie lange maximal betreut und begleitet?

16

Wie lange werden Angehörige von Geschädigten maximal betreut und begleitet?

16

Stehen die Betreuungsangebote auch den Hinterbliebenen und Angehörigen von Geschädigten ziviler Organisationen offen oder gibt es für diese gesonderte Stellen?

16

Werden Angehörige von am ISAF-Einsatz beteiligten Personen im Vorfeld auf die Risiken und potentielle Gefahren eines Einsatzes sowie die daraus resultierende Auswirkungen vorbereitet? Wenn ja, wie sieht diese Vorbereitung aus?

Berlin, den 27. Januar 2011

Dr. Gregor Gysi und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen