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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet

Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Zugpersonal

(insgesamt 25 Einzelfragen)

Fraktion

AfD

Ressort

Bundesministerium für Verkehr

Datum

10.04.2026

Antwortdauer

36 Tage

Aktualisiert

21.04.2026

Deutscher BundestagDrucksache 21/455805.03.2026

Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit von Zugpersonal

der Abgeordneten Steffen Janich, Rene Bochmann, Dr. Gottfried Curio, Dr. Bernd Baumann, Christopher Drößler, Jochen Haug, Martin Hess, Sascha Lensing, Markus Matzerath, Arne Raue, Dr. Christian Wirth, Lars Haise, Jörg Zirwes, Markus Bühl, Hans-Jürgen Goßner, Erhard Brucker, Rainer Galla, Dr. Daniel Zerbin, Lars Schieske, Stephan Brandner, Gereon Bollmann und der Fraktion der AfD

Vorbemerkung

Im Zeitraum von 2015 bis zum Jahr 2024 ist die Anzahl der Angriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn (DB) um über 83 Prozent gestiegen (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/609653/umfrage/uebergriffe-gegen-mitarbeiter-der-deutschen-bahn/). Mehr als 980 Messer- und rund 2 200 Sexualdelikte in Zügen und auf Bahnhöfen sind allein im Jahr 2025 aktenkundig geworden. Im Bahnbereich wurden im Jahr 2025 5 660 Gewaltdaten gegen Beamte der Bundespolizei verübt. Die meisten Gewalttaten wurden im selben Jahr am Hauptbahnhof in Leipzig begangen (859), gefolgt von den Hauptbahnhöfen in Dortmund (735) und Berlin (654). Es kam im Jahr 2025 zu insgesamt 3 000 körperlichen Übergriffen auf Beschäftigte der Deutschen Bahn, wobei Sicherheitskräfte in einem Drittel der Fälle das Ziel von Angriffen waren (www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-02/gewalt-zuege-bahnhoefe-massnahmen-gxe).

Der jüngste tragische Höhepunkt war die Tötung des 36-jährigen Zugbegleiters Serkan C. in einer Regionalbahn in der Nähe von Kaiserslautern durch einen 26-jährigen Nichtdeutschen, welcher sich nicht im Besitz einer gültigen Fahrkarte befand (www.tagesschau.de/inland/sicherheitsgipfel-bahn-100.html). Bahnchefin Evelyn Palla hat als Reaktion hierauf zu einem Sicherheitsgipfel geladen, zu welchem sowohl der Bundesminister für Verkehr Patrick Schnieder als auch ein Vertreter des Bundesministeriums des Innern, der Bundespolizei, Vertreter der Bahnbranche, die Länder und Aufgabenträger für den Regionalverkehr sowie die Gewerkschaften der Bahn eingeladen waren (ebd.).

Die Deutsche Bahn AG hat nun neue Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Personal angekündigt. Alle Beschäftigten mit Kundenkontakt sollen auf freiwilliger Basis mit Bodycams ausgestattet werden. Dies war vonseiten der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft schon länger gefordert worden. Ein Hilferuf-Knopf solle weiterentwickelt werden. Darüber hinaus sollen 200 zusätzliche Beschäftigte für den Sicherheitsdienst der Deutschen Bahn AG eingestellt werden. Diese sollen eine verbesserte Schutzausrüstung erhalten. Außerdem wurde eine Ausweitung des Einsatzes von Videokameras in Zügen und Bahnhöfen angekündigt. Zweierteams von Zugbegleitern sollen künftig verstärkt bei Kontrollen eingesetzt werden (www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bahn-sicherheit-bodycams-100.html). Aus Sicht der Fragesteller sind 3 000 körperliche Übergriffe auf Mitarbeiter der Deutschen Bahn allein im Jahr 2025 3 000 körperliche Übergriffe zu viel. Bedrohungen und Körperverletzungen gegenüber Zugpersonal sind aus Sicht der Fragesteller unter keinen Umständen zu tolerieren.

Die Deutsche Bahn AG hat inzwischen öffentlich bekannt gegeben, dass bei der DB Regio künftig bei der Ticketkontrolle das Prinzip Eigensicherung vor Prüfung gelte. Ab dem 1. März 2026 liege es im Ermessen des Kontrollpersonals, ob ein Fahrgast bei der Ticketkontrolle einen Ausweis vorzeigen müsse. Der „Aktionsplan für mehr Sicherheit auf der Schiene“ werde ergänzt um das Handlungs- und Prüffeld, auf eine Ausweiskontrolle beim Deutschlandticket zu verzichten, um kritische Situationen zu verringern. Die Bundesländer wollen das Ticket dafür noch fälschungssicherer machen, auch das sei Thema auf der Verkehrsministerkonferenz Ende März 2026 (www.deutschebahn.com/de/presse/pressestart_zentrales_uebersicht/Sicherheitsgipfel-Bodycams-fuer-alle-DB-Mitarbeitenden-und-Start-fuer-Aktionsplan--13749034).

Diese Kleine Anfrage erfolgt in Ergänzung zu der Kleinen Anfrage „Sicherheit und Sicherheitskosten im Bereich der Deutschen Bahn AG“ der Fraktion der AfD auf Bundestagsdrucksache 21/3998.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen25

1

Welche Erfahrungen hat die Deutsche Bahn AG aus dem Einsatz von Bodycams durch Zugbegleiter in Regionalzügen, und wie hat sich der Einsatz von Bodycams bisher auf die Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen ausgewirkt (www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/bahn-sicherheit-bodycams-100.html)?

2

Worauf basierte die Entscheidung, dass bisher nur Beschäftigte in Regionalzügen und nicht in Fernzügen Bodycams einsetzen (vgl. Frage 1)?

3

Wie viele Beschäftigte der Deutschen Bahn AG in Regionalzügen führen und benutzen nach Kenntnis der Bundesregierung bei ihrer Arbeit regelmäßig Bodycams, und wie verbreitet ist deren Einsatz nach Kenntnis der Bundesregierung unter den gesamten Beschäftigen der Deutschen Bahn AG in Regionalzügen?

4

Verfügen die von Beschäftigten der Deutschen Bahn AG benutzten Bodycams nach Kenntnis der Bundesregierung über eine Audioaufnahme-Funktion, und wenn nein, aus welchem Grund werden bisher nur Bodycams ohne die Funktion der Audioaufnahme eingesetzt?

5

Wie oft haben Beschäftigte der Deutschen Bahn AG im Jahr 2025 nach Kenntnis der Bundesregierung von dem Hilferuf-Knopf Gebrauch gemacht?

6

Kommt es nach Kenntnis der Bundesregierung auf bestimmten Strecken der Deutschen Bahn AG (regional, interregional, international) besonders häufig zu Angriffen auf Bahnpersonal oder Mitreisende, und wenn ja, auf welchen?

7

Kommt es nach Kenntnis der Bundesregierung in bestimmten Zügen der Deutschen Bahn AG besonders häufig zu Angriffen auf Bahnpersonal oder Mitreisende, und wenn ja, in welchen?

8

Welche Erfahrungen hat die Deutsche Bahn AG aus dem Führen und dem Einsatz von Reizstoffsprühgeräten (RSG) durch Zugbegleiter, und wie haben sich das Führen und der Einsatz von RSG durch Zugbegleiter bisher auf die Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen ausgewirkt (vgl. www.zeit.de/mobilitaet/2016-09/deutsche-bahn-sicherheit-mitarbeiter-angriffe-deeskalation sowie www.sueddeutsche.de/panorama/sicherheit-im-zug-bahnwill-mitarbeiter-mit-pfefferspray-und-schlagstoecken-ausstatten-1.3164761 und www.ruhr24.de/nrw/muelheim-styrum-bahnhof-s1-nrw-pfefferspray-zugbegleiter-polizei-einsatz-freitag-93300358.html)?

9

Wie viele Beschäftigte der Deutschen Bahn AG in Regionalzügen führen nach Kenntnis der Bundesregierung bei ihrer Arbeit regelmäßig Reizstoffsprühgeräte, und wie verbreitet ist deren Einsatz nach Kenntnis der Bundesregierung unter den gesamten Beschäftigen der Deutschen Bahn?

10

Welchen Wirkstoff beinhalten die von Beschäftigten der Deutschen Bahn AG eingesetzten Reizstoffsprühgeräte nach Kenntnis der Bundesregierung (Oleoresin Capsicum, CS-Gas, CN-Gas, sonstige), welche Wirkstoffkonzentration haben diese, und welche Sprühfunktion besitzen sie (Fadenstrahl bzw. Jet-Stream, Breitstrahl bzw. Fog-Stream, Gel, Schaum, sonstige)?

11

Wie oft kam es im Jahr 2025 nach Kenntnis der Bundesregierung zum Einsatz von Reizstoffsprühgeräten durch Beschäftigte der Deutschen Bahn AG?

12

Wie viele Beschäftigte arbeiten gegenwärtig im Bereich der DB Sicherheit für die Deutsche Bahn AG?

13

Bei wie vielen Zugfahrten im Regional- und Fernverkehr der Deutschen Bahn sind prozentual am Gesamtfahraufkommen nach Kenntnis der Bundesregierung regelmäßig Beschäftigte der DB Sicherheit im Einsatz?

14

Über welche persönliche Ausstattung verfügen die Beschäftigten der DB Sicherheit generell, und über welche Hilfsmittel und ggf. Waffen zur Durchsetzung von Sicherheitsmaßnahmen verfügen diese im Besonderen?

15

Worin soll die verbesserte Schutzausrüstung für Angehörige der DB Sicherheit bestehen (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

16

Wie stellt sich das Angebot an Bewerbern für eine Einstellung bei der DB Sicherheit dar?

17

In welchen Bereichen sollen die neuen Mitarbeiter der DB Sicherheit nach ihrer Einstellung planmäßig eingesetzt werden?

18

Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Beschäftigten der DB Sicherheit und Beamten der Bundespolizei im Bereich der Gefahrenabwehr und Strafverfolgung nach Einschätzung der Bundesregierung?

19

Gibt es bereits konkrete Pläne für einen erweiterten Einsatz von Kameratechnik in Zügen und auf Bahnhöfen, und wenn ja, worin genau bestehen diese Pläne (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller; bitte geplante Einsatzorte nennen, wenn bekannt)?

20

Gibt es bereits konkrete Pläne für den Einsatz von Zweierteams an Zugbegleitern in deutschen Zügen, und wenn ja, nach welchen Kriterien, und in welchen Zügen sollen diese Zweierteams eingesetzt werden (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller)?

21

Haben die in der Vorbemerkung der Fragesteller genannten Angriffe auf Beschäftigte der Deutschen Bahn AG nach Kenntnis der Bundesregierung einen Einfluss auf die Anzahl an Bewerbern für eine Beschäftigung bei der Deutschen Bahn AG, und wenn ja, welchen?

22

Welche Auswirkungen auf die Entwicklung der Anzahl an Fahrgästen ohne gültigen Beförderungsausweis wird eine in Gefahrensituationen verringerte Kontrolle von Lichtbildausweisen im Rahmen der Fahrscheinkontrolle nach Auffassung der Bundesregierung haben?

23

Liegen der Bundesregierung Berechnungen oder Prognosen über mögliche finanzielle Schäden für die Deutsche Bahn AG durch steigende Zahlen von Beförderungserschleichungen im Falle von weniger Kontrollen von Lichtbildausweisen im Rahmen der Fahrscheinkontrolle vor, und wenn ja, welche?

24

Werden durch die Deutsche Bahn AG alternative Maßnahmen geprüft, um das Zugpersonal besser vor Angriffen zu schützen (z. B. verstärkte Bundespolizeipräsenz, Bahnsteigkontrollen, technische Lösungen), und wenn ja, welche?

25

Plant die Bundesregierung die Initiierung von gesetzlichen Reformen im Zusammenhang mit neuen Kontrollkonzepten bei der Deutschen Bahn AG?

Berlin, den 4. März 2026

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

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