Situation der Kulturerbeforschung in Deutschland
der Abgeordneten Dr. Petra Sitte, Jan Korte, Heidrun Bluhm, Dr. Rosemarie Hein, Dr. Lukrezia Jochimsen, Frank Tempel und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Baudenkmäler, Bücher, Filme, Zeitschriften, Schriften, bildende Kunstwerke, Gemälde, Fotos oder auch Alltagsgegenstände aus vergangenen Zeiten sind Teil des kulturellen Gedächtnisses unserer Gesellschaft und stellen einen unverzichtbaren Wissensspeicher dar. Um dieses kulturelle Erbe sichern und für die Nachwelt erhalten zu können, müssen Technologien, Methoden und Fähigkeiten der schonenden Aufarbeitung, Archivierung, Sicherung und Lagerung ständig verbessert und modernisiert werden. Forschungsergebnisse der Kulturerbe- und Konservierungswissenschaften sind nötig, Erhaltungszustände von Exponaten zu analysieren, Zerfallsprozesse zu stoppen, Fälschungen zu erkennen oder schädliche Chemikalien zu entfernen.
Die Kulturerbeforschung (Heritage Science) als angewandte und vor allem stark interdisziplinäre Wissenschaft entzieht sich jedoch klassischen disziplinären Zuschreibungen und reüssiert daher kaum in der wettbewerblichen Drittmittelförderung etwa der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Eine Ausnahme bildet die Digitalisierung, die im Rahmen des DFG-Programms „Kulturelle Überlieferung“ gefördert wird.
In der Forschungsallianz Kulturerbe, die von der Leibniz-Gemeinschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft sowie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz getragen wird, haben sich Institutionen der Kulturerbe- und Konservierungswissenschaften zusammengeschlossen.
Die Fraktion DIE LINKE. hatte die Bundesregierung bereits 2009 nach dem Status der Konservierungsforschung befragt (Bundestagsdrucksache 16/12049).
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen15
Aus welchen Quellen und in welcher Höhe wird die Kulturerbe- und Konservierungsforschung aus Bundesmitteln gefördert (bitte in projektbezogene und institutionelle Förderung und nach natur- und geisteswissenschaftlichem Schwerpunkt aufschlüsseln)?
Wie viele Mittel aus den Ländern fließen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit in die Förderung der Kulturerbe- und Konservierungsforschung?
Welche weiteren privaten und öffentlichen Förderquellen unterstützen nach Kenntnis der Bundesregierung diese Forschung in Deutschland in welcher Höhe?
In welchem Umfang wird die Kulturerbe- und Konservierungsforschung aus dem 7. Europäischen Rahmenprogramm gefördert?
Ist eine Förderung im Rahmen des neuen Rahmenprogramms „Horizont 2020“ in der derzeitigen Planung vorgesehen? Wenn ja, in welchem Umfang?
Wie setzt sich die Bundesregierung dafür ein, diese Förderung im Rahmenprogramm „Horizont 2020“ zu verankern und auszubauen?
Ist für das im Jahr 2011 ausgelaufene Programm „KUR“ zur Konservierung und Restaurierung von mobilem Kulturgut, das durch die Kulturstiftungen des Bundes und der Länder finanziert wurde, ein Nachfolger geplant?
Welche Referate in Bundesministerien befassen sich mit der Sicherung und Konservierung von Kulturgütern?
Wurden in den vergangenen Jahren Stellen in Bundesministerien und nachgeordneten Behörden in diesem Bereich abgebaut, wenn ja, wo und warum?
Wie viele Studierende werden nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit im Bereich Konservierungswissenschaften bzw. Kulturerbeforschung ausgebildet?
Wie viele Promovierende qualifizieren sich nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit im Bereich Konservierungswissenschaften bzw. Kulturerbeforschung?
Wie viele Lehrstühle existieren nach Kenntnis der Bundesregierung in diesem Bereich?
Sieht die Bundesregierung die Kapazitäten, insbesondere in der Nachwuchsausbildung, in diesem Bereich als ausreichend (bitte begründen)?
Welche Forschungsfelder und -fragen sieht die Bundesregierung im Bereich der Konservierungswissenschaften und der Kulturerbeforschung derzeit als vordringlich an?
Plant die Bundesregierung die Schaffung eines Förderprogramms zur Stärkung der Kulturerbeforschung und der Konservierungswissenschaften in Deutschland, wie es von der Forschungsallianz Kulturerbe vorgeschlagen wird? Wenn nein, warum nicht?