Einstellung der Förderung des Kompetenznetzes Adipositas und damit verbundene mögliche Kompetenzverluste
der Abgeordneten Nicole Maisch, Kai Gehring, Harald Ebner, Bärbel Höhn, Steffi Lemke, Elisabeth Scharfenberg und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Das Kompetenznetz Adipositas verbindet bundesweit Expertinnen und Experten im Bereich Adipositas. Im Netzwerk organisierte Akteure erforschen Ursachen und Risikofaktoren für die Entstehung der Adipositas. Das Kompetenznetz entwickelt und überprüft neue Therapien sowie Präventionsstrategien. Es stellt fundierte und verständliche Informationen für Politik, Verwaltung, Medizin, Krankenkassen und Verbände, den gesundheitlichen Verbraucherschutz, die Industrie, Medien und die Betroffenen selbst bereit.
Damit sorgt das Netzwerk für eine Vernetzung und Stärkung der Adipositasforschung in Deutschland, für einen verbesserten Wissenstransfer der medizinischen Forschung und am Ende für eine bessere Aufklärung und Versorgung der Betroffenen.
Die Arbeiten des Kompetenznetzes Adipositas werden durch die Geschäftsstelle koordiniert, die für die Zusammenarbeit mit anderen Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen, Selbsthilfegruppen, Medien und Politik seit der Entstehung des Kompetenznetzes im Jahr 2008 zu einer wichtigen Anlaufstelle geworden ist. Die zentralen Strukturen des Kompetenznetzes Adipositas umfassen große Register (z. B. zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Adipositas) sowie über das Netzwerk hinaus genutzte Methodenplattformen und Biobanken.
Als einziger nationaler Forschungsverbund kümmert sich das Kompetenznetz Adipositas essentiell um die fokussierte Adipositasforschung und auch die Koordination von Strategien zur Prävention und Behandlung der Adipositas.
Trotzdem soll laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF, Antwort auf die Schriftliche Frage 62 auf Bundestagsdrucksache 18/2090) die Förderung des Kompetenznetzes Adipositas nach Ende der laufenden Förderperiode (2012 bis 2014) nicht weiter fortgeführt werden. Damit wird eine aus Bundeshaushaltsmitteln geschaffene Struktur, die in besonderer Art und Weise Wissen und Kopetenz auf diesem Gebiet gebündelt hat, aufgegeben.
Angesichts der Tatsache, dass Adipositas zu den zentralen Gesundheitsproblemen für die Gesellschaft zählt und die Folgekrankheiten (z. B. Typ-2-Diabetes-mellitus, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, viele Krebserkrankungen) das Gesundheitssystem erheblich belasten, ist dies eine fragwürdige Entscheidung.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen9
Wie kann die mit öffentlichen Mitteln aufgebaute Infrastruktur des Kompetenznetzes Adipositas (Geschäftsstelle, Register, Biobank, Referenzzentren) sinnvoll erhalten werden?
Beabsichtigt die Bundesregierung im Rahmen des Aktionsplans Präventions- und Ernährungsforschung, die entstandenen Netzwerke und auch die Register, Referenzzentren und Biobanken zu integrieren?
Wenn ja, wie, und in welcher Form?
Wenn nein, warum nicht?
Welche spezifischen Fördermaßnahmen plant die Bundesregierung für den Zeitraum der nächsten drei Jahre, um das zentrale und wachsende Gesundheitsproblem Adipositas wissenschaftlich anzugehen, z. B. in Form von Ursachen- und Therapieforschung?
Welche Gründe haben dazu geführt, dass im Zusammenhang der strategischen Neuausrichtung der Förderung der Gesundheitsforschung des BMBF (Gesundheitsforschungsrahmenprogramm, Deutsche Zentren für Gesundheitsforschung, Aktionsplan Präventions- und Ernährungsforschung) nun entschieden wurde, die Förderung des Kompetenznetzes nach dem Jahr 2014 zu beenden, und das, obwohl nach Information der Fragesteller die Ausschreibungsmodalitäten zur Einrichtung eines krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Adipositas im Jahr 2007 mit einer klaren Ankündigung einer Zwölf-Jahres-Förderperiode erfolgte und dies auch bei der zweiten Förderphase bestätigt wurde?
Aus welchem Grund spielt nach Auffassung der Fragesteller bei dem bereits entschiedenen Aktionsplan Präventions- und Ernährungsforschung das Thema Adipositas nur eine sehr untergeordnete Rolle?
Von welchen weiteren finanzierten „klinischen Studien“, die bisher durch das Kompetenznetz Adipositas durchgeführt wurden, spricht die Bundesregierung in ihrer Antwort vom 9. Juli 2014 auf die Schriftliche Frage 62 auf Bundestagsdrucksache 18/2090 der Abgeordneten Nicole Maisch, im Hinblick darauf, dass das Kompetenznetz Adipositas nach Information der Fragesteller nur von der Weiterführung einer einzigen klinischen Studie Kenntnis hat, die sich auf extrem adipöse Kinder und Jugendliche bezieht?
In welchem Haushaltstitel sollen in welcher Höhe zukünftig ab dem Jahr 2015 klinische Studien, die bislang im Rahmen des Kompetenznetzes durchgeführt wurden, gefördert werden?
Stimmt die Bundesregierung der Einschätzung zu, dass es sich beim Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) Adipositas-Erkrankungen in Leipzig, welches die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Schriftliche Frage vom 9. Juli 2014 nennt, um eine lokale Fördermaßnahme handelt und die große Mehrheit der etablierten Adipositasforscher in Deutschland trotz stetiger Zusammenarbeit von der finanziellen Förderung ausgeschlossen ist und selbst eine Weiterfinanzierung des regionalen IFB es nicht erbringen könnte, den Ausfall des deutschlandweiten Kompetenznetzes Adipositas zu kompensieren?
Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, inwieweit die IFB-Projekte über das IFB hinaus vernetzt sind und es vorgesehen ist, dass auch externe Adipositasforscher in das IFB integriert werden?