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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet
Beteiligung, Förderung und Schutz von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen durch die Kinder- und Jugendhilfe
Detaillierte statistische Angaben zu minderjährigen Flüchtlingen sowie zahlreiche Einzelfragen in den Bereichen Umverteilung und Regelung der Vormundschaften von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen<br /> (insgesamt 18 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)
Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ressort
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Datum
22.02.2016
Aktualisiert
26.07.2022
BT18/747027.01.2016
Beteiligung, Förderung und Schutz von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen durch die Kinder- und Jugendhilfe
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 18/7470
18. Wahlperiode 27.01.2016
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Beate Walter-Rosenheimer, Luise Amtsberg,
Dr. Franziska Brantner, Volker Beck (Köln), Katja Dörner, Ulle Schauws,
Doris Wagner, Corinna Rüffer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Beteiligung, Förderung und Schutz von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
durch die Kinder- und Jugendhilfe
Minderjährige Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, brauchen Schutz und
eine schnelle Integration. Nach Flucht und Vertreibung muss nach Auffassung
der Fragesteller eine Aufnahme stattfinden, die die Bedarfe der Kinder und
Jugendlichen in den Mittelpunkt stellt – unabhängig vom Aufenthaltsstatus. Die
UN-Kinderrechtskonvention, europarechtliche Vorgaben und das Achte Buch
Sozialgesetzbuch (SGB VIII) sehen eine Orientierung am Wohle und den
Interessen der minderjährigen Flüchtlinge vor. Die Praxis in Deutschland zeigt aber,
dass diese Vorgaben nicht flächendeckend umgesetzt werden. Es bestehen nach
Auffassung der Fragesteller unter anderem Defizite bei der Erfassung, beim
Zugang zu rechtlichen Vertretern und bei der Unterbringung.
Bis zur Einführung der quotalen Verteilung von unbegleiteten minderjährigen
Flüchtlingen (UMF) durch das Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung,
Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher zum 1. November
2015 fand keine permanente systematische Erhebung statt. Auch bei den
begleiteten minderjährigen Flüchtlingen (BMF) gibt es gegenwärtig keine exakten
veröffentlichten Angaben, wie viele Flüchtlingskinder in Deutschland aufhältig sind.
Für die Planung von integrativen Maßnahmen und die Schaffung von kinder- und
jugendgerechten Aufnahmemöglichkeiten ist eine Kenntnis aber unerlässlich.
Wir fragen die Bundesregierung:
I. Statistische Angaben zu minderjährigen Flüchtlingen
1. Wie viele minderjährige und heranwachsende Flüchtlinge mit welchem
Aufenthaltstitel hielten sich zum Stichtag 31. Dezember 2015 in
Deutschland auf (bitte aufschlüsseln nach Altersgruppen, Jahre [0-2, 3-5, 6-9, 10-
15, 16-17, 18-20, 21-25 Jahre], Geschlecht, Bundesländern,
Herkunftsländern, Rechtsgrundlage [nach § 55 des Asylgesetzes – AsylG, nach § 63a
AsylG, nach § 22 Satz 1 des Aufenthaltsgesetzes – AufenthG, nach § 22
Satz 2 AufenthG, nach § 23 Absatz 1 AufenthG, nach § 23 Absatz 2
AufenthG, nach § 23a AufenthG, nach § 24 AufenthG, nach § 25 Absatz 1
AufenthG, nach § 25 Absatz 2 erste Alternative AufenthG, nach § 25
Absatz 2 zweite Alternative AufenthG, nach § 25 Absatz 3 AufenthG, nach
§ 25 Absatz 4 AufenthG, nach § 25 Absatz 4 Satz 2 AufenthG, nach § 25
Absatz 4b AufenthG, nach § 25 Absatz 5 AufenthG, nach § 25a Absatz 1
AufenthG, nach § 60a Absatz 2 Satz 1 AufenthG, nach § 60a Absatz 2
Satz 2 AufenthG, nach § 60a Absatz 2 Satz 3 AufenthG, nach § 60a
Absatz 2 Satz 4 AufenthG])?
2. a) Wie viele minderjährige Flüchtlinge sind im Jahr 2015 insgesamt nach
Deutschland eingereist und haben einen Asylerstantrag gestellt (bitte
aufschlüsseln nach UMF/BMF, Monaten, Herkunftsländern und
zuständigen Außenstellen)?
b) Wie viele minderjährige Flüchtlinge haben im Jahr 2015 insgesamt
einen Folgeantrag (§ 71 AsylG) und wie viele einen Zweitantrag (§ 71a
AsylG) gestellt (bitte aufschlüsseln nach UMF/BMF, Monaten,
Herkunftsländern und zuständigen Außenstellen)?
c) Wie viele Asylverfahren von Minderjährigen sind gegenwärtig
anhängig (bitte aufschlüsseln nach UMF/BMF, Herkunftsländern und
zuständigen Außenstellen)?
Wie lange ist die durchschnittliche Wartezeit bis zur Entscheidung (bitte
aufschlüsseln nach UMF/BMF, Herkunftsländern und zuständigen
Außenstellen)?
d) Wie viele minderjährige Flüchtlinge sind im Jahr 2015 im Rahmen einer
Umverteilung nach § 15a AufenthG erfasst und verteilt worden (bitte
aufschlüsseln nach Monaten, Herkunftsländern und
Einreisebundesländern)?
3. Wie viele minderjährige Flüchtlinge haben zum Stichtag 31.
Dezember 2015 Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG)
bezogen (bitte aufschlüsseln nach Bundesländern und Altersangaben)?
4. Unterscheidet sich aus Sicht der Bundesregierung der Anteil der
Minderjährigen an den Asylerstantragstellern vom Anteil der Minderjährigen an
den laut dem Ausländerzentralregister (AZR) hier aufhältigen Personen,
und wenn ja, warum?
Wie ist die Relation der Zugangszahlen von UMF und BMF?
Welche Entwicklungen lassen sich bei den Zugängen der beiden Gruppen
in den letzten drei Jahren beobachten?
Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus der Zahlenentwicklung?
II. Umverteilung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen
5. a) Wie viele UMF hielten sich zu den Stichtagen 26. Oktober 2015, 2.
November 2015, 1. Dezember 2015, 1. Januar 2016 und 16. Januar 2016 in
Deutschland auf, und inwieweit wurden die durch den Königsteiner
Schlüssel vorgegebenen Aufnahmequoten der Bundesländer erfüllt
bzw. unter- und überschritten (bitte aufschlüsseln nach Stichtagen,
Bundesländern, Quoten und Quotenerfüllung und Art der Rechtsgrundlage
für die Unterbringung – vorläufige Inobhutnahme nach § 42a SGB VIII,
Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII, Hilfe zur Erziehung nach den
§§ 27 ff. SGB VIII, Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII)?
b) Hat die Bundesregierung Kenntnisse über die Zahl der UMF, die nicht
im Rahmen der Aufgaben und Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe
versorgt werden?
Wie viele UMF werden in Gemeinschaftsunterkünften,
Erstaufnahmeeinrichtungen oder Notunterkünften untergebracht, die nicht über eine
Betriebserlaubnis nach § 45 SGB VIII verfügen (bitte aufschlüsseln
nach Bundesländern)?
Falls die Bundesregierung hierzu keine Kenntnisse hat, warum liegen
ihr keine Erkenntnisse vor, und wie hoch schätzt die Bundesregierung
die Gesamtzahl der UMF, die nicht regulär versorgt werden (bitte
begründen)?
6. a) Wie viele UMF sind im Jahr 2015 neu nach Deutschland eingereist und
wurden in Obhut genommen (bitte nach Bundesländern und Monaten
aufschlüsseln)?
b) Wie erklärt sich die Bundesregierung die Diskrepanz zwischen der Zahl
der einreisenden und asylantragstellenden UMF angesichts der
Tatsache, dass die Schutzquote für UMF weitaus höher als bei der
Gesamtzahl der Asylsuchenden ist und eine Aufenthaltssicherung durch das
Asylverfahren hohe Erfolgsaussichten bietet?
Teilt die Bundesregierung die Aussage, dass die geringe Zahl von
Asylerstanträgen u. a. auf die mangelnde Qualifikation von Vormündern
zurückzuführen ist, und wenn nein, warum nicht?
7. a) Wie viele UMF wurden in den Monaten November und Dezember 2015
in ein anderes Bundesland im Rahmen der Verteilung nach den §§ 42a
und 42b SGB VIII verteilt (bitte aufschlüsseln nach
Aufnahmebundesländern, Zuweisungsbundesländern und Monaten)?
Für wie viele UMF wurde durch das Bundesverwaltungsamt eine
Verteilung innerhalb des Erstaufnahmebundeslands verfügt (bitte nach
Bundesländern und Monaten aufschlüsseln)?
Wie lange dauern die Verfahren von vorläufiger Inobhutnahme bis zur
Übergabe an das Zuweisungsjugendamt durchschnittlich (bitte nach
Aufnahmebundesländern aufschlüsseln)?
b) In wie vielen Fällen wurde eine Verteilung wegen der in § 42b Absatz 4
Nummer 1, 2 und 4 SGB VIII genannten Gründe ausgeschlossen (bitte
aufschlüsseln nach Monaten, Bundesländern und Rechtsgrundlagen)?
8. In wie vielen Fällen fanden Zusammenführungen von unbegleiteten
Kindern oder Jugendlichen mit verwandten Personen im Inland oder im
Ausland nach § 42a Absatz 5 Satz 2 i. V. m. § 42b Absatz 4 Nummer 3
SGB VIII statt (bitte aufschlüsseln nach Monaten, Aufnahmejugendämtern
und ggf. Zielstaaten)?
Ist der Bundesregierung bekannt, ob es zu Problemen bei der
Familienzusammenführung kommt?
Wenn keine Erkenntnisse vorliegen, warum werden diese Fälle nicht
erfasst?
9. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob ein Bundesland nach § 42c
Absatz 1 Satz 3 SGB VIII seiner Aufnahmepflicht eine höhere Quote als
die Aufnahmequote zugrunde legt?
Wenn ja, welche Bundesländer betrifft das, und wie wurde die Quote
geändert?
10. a) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Fälle, in denen
UMF außerhalb des Rechtsrahmens des SGB VIII umverteilt werden
(bspw. www.berlin.de/sen/gessoz/presse/pressemitteilungen/2015/
pressemitteilung.390989.php)?
Wie viele UMF wurden in den Monaten November und Dezember 2015
parallel zur gesetzlich normierten Umverteilung nach den §§ 42a bis 42f
SGB VIII umverteilt (bspw. aufgrund der Mitreise in einem der
eingesetzten Züge zur Weiterverteilung von Flüchtlingen; siehe
folgenden Artikel Absatz 3: www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/kudamm/
fluechtlinge-in-berlin-im-icc-sind-die-windpocken-ausgebrochen/1280
1350.html)?
b) Wie viele UMF wurden im Jahr 2015 insgesamt im Rahmen von
Umverteilungen außerhalb des rechtlichen Rahmens des SGB VIII
umverteilt?
Falls zu den Fragen 10a und 10b keine Erkenntnisse vorliegen, warum
hat die Bundesregierung hierzu keine Erkenntnisse trotz eindeutiger
rechtlicher Zuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe?
11. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, ob aus Gründen des
Kindeswohls oder aus sonstigen humanitären Gründen von vergleichbarem
Gewicht die örtliche Zuständigkeit nach § 88a Absatz 2 Satz 3 SGB VIII von
einem anderen Träger übernommen wurde?
Wenn ja, in wie vielen Fällen und mit welcher Begründung (bitte nach
Bundesländern aufschlüsseln)?
Wenn nein, ist der Bundesregierung bekannt, ob es Probleme bei der
Übernahme der Zuständigkeit gibt (bitte begründen)?
12. a) Wie bewertet die Bundesregierung das Vorgehen des Freistaats Bayern,
den Zugang zu Hilfen für junge Volljährige nach § 41 SGB VIII
dahingehend zu beschränken, dass die entstehenden Kosten den
Jugendämtern nicht mehr erstattet werden sollen (siehe die Antworten des
Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und
Integration auf die Fragen 7.1. und 7.2. der Schriftlichen Anfrage der
Abgeordneten Christine Kamm betreffend die Unterbringung und Betreuung von
unbegleiteten Minderjährigen III vom 9. November 2015)?
Inwieweit wird eine solche Praxis aus Sicht der Bundesregierung
Auswirkungen auf die Gewährung der entsprechenden Hilfen haben?
Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass mit dem
entsprechenden Vorgehen der Zugang von UMF zu den Hilfen für junge Volljährige
de facto eingeschränkt wird, da die finanziellen Handlungsspielräume
der Jugendämter weiter eingeschränkt werden?
Wenn nein, warum nicht?
b) Welche Bedeutung hat für die Bundesregierung die Unterbringung von
UMF in Gastfamilien?
Wie unterscheiden sich Gastfamilien von Pflegefamilien im Sinne des
§ 33 SGB VIII?
Welche rechtlichen Grundlagen haben Gastfamilien, wenn diese von
Pflegefamilien abweichen?
Welche positiven und negativen Erfahrungen sind der Bundesregierung
zur Unterbringung von UMF in Pflegefamilien bzw. Gastfamilien
bekannt?
c) Welche Projekte zur Gewinnung, Qualifizierung und Betreuung von
Gastfamilien/Pflegefamilien mit Schwerpunkt auf UMF fördert die
Bundesregierung (bitte aufschlüsseln nach Bundesländern, Trägern,
inhaltlicher Schwerpunktsetzung, Projektlaufzeit und Projekt/
Förderanteil des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)?
Inwieweit werden speziell Projekte berücksichtigt, die die Beteiligung
der UMF in den Mittelpunkt stellen und die Entwicklung von Methoden
der Beteiligung grundsätzlich vorsehen?
III. Regelung der Vormundschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge
13. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung
aus Entscheidungen einiger Amtsgerichte, für UMF keinen Vormund
zu bestellen (bspw. www.taz.de/Amtsgericht-unterlaeuft-EU-Richtlinien/
!5259807/)?
Inwieweit teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass eine
entsprechende Praxis im Widerspruch sowohl zu europarechtlichen Normen als
auch zum Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) steht?
14. Inwieweit teilt die Bundesregierung die Aussage der Bundesministerin für
Familie, Senioren, Frauen und Jugend Manuela Schwesig in einem
Schreiben an den Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des
Deutschen Bundestages, nach dem die intensive und persönliche Betreuung von
unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen durch Amtsvormünder nicht zu
gewährleisten ist („In der Praxis übernimmt das Jugendamt die rechtliche
Vertretung (Amtsvormundschaft). Der Amtsvormund betreut bis zu 50
Fälle. Ein ehrenamtlicher Vormund hat demgegenüber die Möglichkeit,
sich intensiv und persönlich um die Minderjährigen zu kümmern.“,
Schreiben vom 20. Januar 2016, S. 3)?
Welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um es den
Amtsvormündern – wie gesetzlich in § 1793 Absatz 1a BGB vorgesehen – zu
ermöglichen, die Vormundschaft persönlich zu führen?
15. Ist der Bundesregierung bekannt, dass es bei der Bestallung von
Vormündern für UMF regelmäßig zu Wartezeiten von mehreren Monaten kommt
(bspw. www.freiewohlfahrtspflege-nrw.de/fileadmin/user_data/35-
helfenund-gewinnen/download/Broschuere_Uneingeschraenkte_Rechte_fuer_
junge_Fluechtlinge-Stand_05.03.2014.pdf, S. 24 und 25)?
Inwieweit ist dies aus Sicht der Bundesregierung mit den Vorgaben der
Dublin-III-Verordnung (Verordnung (EU) Nr. 604/2013, Artikel 6
Absatz 2), der EU-Aufnahmerichtlinie (Richtlinie 2013/33/EU, Artikel 24
Absatz 1) und der EU-Verfahrensrichtlinie (Richtlinie 2013/32/EU,
Artikel 25 Absatz 1) vereinbar?
Welche Initiativen gibt es von Seiten der Bundesregierung (bspw. im
Rahmen der im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD
angekündigten Modernisierung des Vormundschaftsrechts), um den Zugang zum
Vormund zu verkürzen?
Wenn es keine Initiativen seitens der Bundesregierung gibt bzw. wenn kein
Handlungsbedarf konstatiert wird, warum nicht?
16. a) Wie kann aus Sicht der Bundesregierung sichergestellt werden, dass
UMF über einen fachlich qualifizierten Vertreter verfügen, so wie dies
die Dublin-III-Verordnung (Verordnung (EU) Nr. 604/2013, Artikel 6
Absatz 2) und die EU-Verfahrensrichtlinie (Richtlinie 2013/32/EU,
Artikel 25 Absatz 1) vorsehen?
Was ist aus Sicht der Bundesregierung unter dem Begriff der
erforderlichen Fachkenntnis (ebd.) zu verstehen?
b) Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die
Bundesregierung aus dem Beschluss des Amtsgerichts Heidelberg zur Einsetzung
eines Ergänzungspflegers vom 21. Juli 2015 (31 F 67/15), in dem das
Gericht unter Rückgriff auf die EU-Verfahrensrichtlinie u. a. feststellt,
dass ein Ergänzungspfleger nach § 1909 BGB zu bestellen ist, wenn die
Mitarbeiter der Jugendämter nicht über die entsprechenden
Qualifikationen verfügen?
17. Teilt die Bundesregierung die Auffassung des Bundesamts für Migration
und Flüchtlinge (BAMF), dass Jugendämter im Rahmen der rechtlichen
Vertretung nach § 42a Absatz 3 SGB VIII während der vorläufigen
Inobhutnahme und während der Inobhutnahme einen Asylantrag für in Obhut
genommene Minderjährige stellen können, nicht aber die Vertretung in der
Anhörung übernehmen können (bitte begründen)?
Wie ist es aus Sicht der Bundesregierung möglich, dass UMF zeitnah nach
dem Clearingverfahren einen Asylantrag stellen können, angesichts der
Tatsache, dass die Bearbeitungskapazitäten des BAMF beschränkt sind und
die Bestallung der Vormünder (siehe Frage 14) sich oftmals verzögert?
Welche Maßnahmen sind von Seiten der Bundesregierung zur
Verbesserung der Situation angedacht?
18. Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Praxis der Bestallung
von Vormündern für UMF, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und
aufgrund von rechtlichen Vorgaben des Herkunftslands die Volljährigkeit
erst zu einem späteren Zeitpunkt erreichen (Artikel 24 EGBGB)?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die
Volljährigkeitsgrenzen in den Herkunftsländern der UMF (bitte nach Herkunftsländern,
Altersgrenzen und dem Familienstand ledig/verheiratet aufschlüsseln)?
Berlin, den 26. Januar 2016
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken, www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim, www.printsystem.de
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