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Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Missstände bei der Kaninchenhaltung in Deutschland

Kaninchenbestand, -fleischerzeugung, -mastbetriebe und deren Entwicklung in den letzten zehn Jahren; Kaninchenfleischimport und &ndash;export nach Ländern, Mindestmaße der Käfige bei konventioneller Mast, Antibiotikaeinsatz, Qualitätssiegel und Herkunftskennzeichnung für Kaninchenfleisch, Stand europaweiter artgerechter Mindesthaltungsvorschriften für Mastkaninchen, Überarbeitung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung betr. Ausübung arteigener Verhaltensweisen<br /> (insgesamt 10 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Datum

05.04.2016

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/795909.03.2016

Missstände bei der Kaninchenhaltung in Deutschland

der Abgeordneten Oliver Krischer, Friedrich Ostendorff, Nicole Maisch, Harald Ebner, Annalena Baerbock, Matthias Gastel, Stephan Kühn (Dresden), Steffi Lemke und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Immer wieder berichten Medien mit aufrüttelnden Bildern über tierschutzwidrige Praktiken bei der Intensivhaltung und beim Transport von Mastkaninchen in Deutschland. Schätzungen zufolge werden nach Informationen der Fragesteller aber auch rund 20 Prozent des in Deutschland verzehrten Kaninchenfleisches aus Osteuropa und China importiert. Besonders in China sind die Haltungsbedingungen nach Auffassung der Fragesteller katastrophal. Einzelne Handelsketten wie Galeria Kaufhof haben reagiert und nahmen aus diesen Gründen Käfig-Kaninchenfleisch aus dem Sortiment (www.vier-pfoten.de/themen/nutztiere/aktuell/ galeria-kaufhof-stoppt-verkauf-von-kaefig-kaninchenfleisch-/).

Mit der Verabschiedung der Mastkaninchenverordnung vom September 2013 – welche am 11. August 2014 in Kraft trat – wurden nach Ansicht der Fragesteller keine ausreichenden Verbesserungen bei der konventionellen Mastkaninchenhaltung erreicht. Käfighaltung ist weiter möglich, die Platzvorgaben sind zu gering und ein Freilauf ist nicht vorgesehen. Notwendig für eine artgerechte Tierhaltung wären nach Ansicht der Fragesteller bereits heute, unter anderem die Gruppenhaltung, eine reduzierte Besatzdichte, eingestreute und strukturierte Haltungsumgebung mit Fress-, Ruhe- und Aufenthaltsbereich, artgerechte Fütterung mit Raufutter etc.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen10

1

Welche Informationen liegen der Bundesregierung über den Bestand an Kaninchen und die Erzeugung von Kaninchenfleisch in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren vor (bitte einzeln nach Jahren aufschlüsseln)?

2

Wie viele gewerbliche Kaninchenmastbetriebe gibt es nach Informationen der Bundesregierung in Deutschland, und wie hat sich die Anzahl in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte nach Bundesländern und Betriebsgröße aufschlüsseln)?

3

Aus welchen Ländern importiert Deutschland nach Informationen der Bundesregierung Kaninchenfleisch (bitte nach Ländern und Menge aufschlüsseln)?

4

In welche Länder exportiert Deutschland nach Informationen der Bundesregierung Kaninchenfleisch (bitte nach Ländern und Menge aufschlüsseln)?

5

Erachtet die Bundesregierung die Mindestmaße der Käfige bei der konventionellen Kaninchenmast als ausreichend oder sieht sie diesbezüglich Änderungsbedarf (bitte begründen)?

6

Liegen der Bundesregierung Statistiken über den Einsatz von Antibiotika bei der konventionellen Kaninchenhaltung vor, und falls ja, wie hoch war der Antibiotikaeinsatz – aufgeschlüsselt nach einzelnen Jahren – in den vergangenen zehn Jahren?

7

Welche Qualitätssiegel gibt es in Deutschland für Kaninchenfleisch, und wie bewertet die Bundesregierung diese im Einzelnen?

8

Will sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für europaweit artgerechte Mindesthaltungsvorschriften für Mastkaninchen einsetzen, welche Gespräche gab es dazu, und wie ist der aktuelle Stand?

Falls nein, warum nicht?

9

Will sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für eine europaweit verbindliche Herkunftskennzeichnung für Kaninchenfleisch einsetzen, und welche Gespräche gab es dazu (bitte unter Angabe des Teilnehmerkreises, Datums und Ergebnisses des jeweiligen Gespräches)?

Falls nein, warum nicht?

10

Plant die Bundesregierung eine Überarbeitung der Tierschutz- Nutztierhaltungsverordnung, um das Ausüben arteigener Verhaltensweisen (Fortbewegungsverhalten, Sozialverhalten, Erkundungsverhalten) zu ermöglichen, und falls nein, warum nicht?

Berlin, den 9. März 2016

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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