[Deutscher Bundestag Drucksache 18/8753
18. Wahlperiode 01.06.2016
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl, Annalena Baerbock, Bärbel Höhn,
Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Steffi Lemke, Peter Meiwald,
Dr. Julia Verlinden, Matthias Gastel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Mögliche Störfallszenarien in Druckwasserreaktoren infolge eines Dampferzeuger-
Heizrohrlecks
Während der Atomunfallserie im japanischen Fukushima wurde vom 13. bis
15. März 2011 mehrfach Neutronenstrahlung außerhalb der betroffenen
Atomkraftwerke (AKW) gemessen, vgl. Meldung „Neutron beam observed 13 times“
der Nachrichtenagentur KYODO NEWS vom 24. März 2011. Deshalb
vermuteten mehrere Experten wie Professor Yukio Yamaguchi von der Universität Tokyo
und der Nuklearingenieur Arnold Gundersen oder auch die amerikanische
Nuclear Regulatory Commission NRC, dass sich nicht nur rein chemische
Wasserstoffexplosionen sondern darüber hinaus auch eine unkontrollierte
Überkritikalität mit unkontrollierter Leistungsexkursion – also eine starke Zunahme der
nuklearen Kettenreaktion und damit einhergehenden Energiefreisetzung – ereignet
haben könnten, vgl. beispielsweise den Onlinebericht „Gundersen Postulates Unit
3 Explosion May Have Been Prompt Criticality in Fuel Pool“ vom 26. April 2011
auf
www.fairewinds.org und die ARTE-TV-Dokumentation „Fukushima – Die
Wahrheit hinter dem Super-GAU“. Als Ursache wurde angenommen, dass das
Einspeisen von nicht boriertem Wasser zu Notkühlzwecken zu einer zu starken
Reaktivitätszufuhr und im Extremfall zu einer prompten Überkritikalität geführt
haben könnte.
Nach Einschätzung des ehemaligen Betriebsleiters des AKW Biblis B und
Störfallexperten Helmut J. L. Mayer, Energiebüro Gorxheimertal, kann ein solches
Phänomen auch in deutschen Druckwasserreaktoren (DWR) auftreten, wenn bei
einem Dampferzeuger-Heizrohrleck (DEHL) infolge der Druckabsenkung und
nicht auszuschließender Kavitation die Hauptkühlmittelpumpen ausfallen. Dies
ist z. B. eingetreten beim Störfall im amerikanischen AKW Three Mile Island am
28. März 1978, der zu einer partiellen Kernschmelze geführt hat.
Helmut J. L. Mayer beschrieb das postulierte Störfallszenario für deutsche
Druckwasserreaktoren im März 2014 und stellte es am 17. April 2015 während der
Conference on Nuclear Risk NURIS 2015 der International Nuclear Risk
Assessment Group (INRAG) in Wien einem internationalen Expertenkreis mit dem
Vortrag „Risk of Uncontrollable Re-Criticality due to a Steam Generator Tube
Rupture” vor.
Mit Schreiben vom 19. Februar und 18. März 2013 an die Reaktor-
Sicherheitskommission (RSK) und vom 21. Mai 2013 an das seinerzeitige
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (heute Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, BMUB) bat er um
wissenschaftlich-technische Untersuchungen. Daraufhin befassen sich seit nunmehr
etwa drei Jahren mehrere Experten mit diesem Störfallszenario, unter anderem
neben der RSK deren Ausschuss Anlagen- und Systemtechnik (AST), das
BMUB, das Büro für Atomsicherheit (BfA), das Institut für Sicherheits- und
Risikowissenschaften (ISR) an der Universität für Bodenkultur Wien und andere.
Es wurden Analysen von der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit
(GRS), vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und vom
Physikerbüro Bremen gemeinsam mit dem Ökoinstitut Darmstadt erstellt, und
schließlich wurden Versuche an der AKW-Versuchsanlage Rossendorf Coolant Mixing
Model (ROCOM) durchgeführt.
In einer Stellungnahme vom 23. Januar 2014 kam das ISR zu dem Ergebnis, dass
„ohne eingehendere Analysen nicht mehr angenommen werden kann, dass ein
DEHL sicher beherrscht werden kann.“
Um bei bereits eingefallenen Steuerstäben eine unkontrollierbare Rekritikalität zu
verhindern, ist aus Sicht der Reaktor-Sicherheitskommission ein
Mindestborgehalt von über 600 bzw. 850 ppm nötig und aus Sicht der GRS sogar von
1 100 ppm lokal am Kerneintritt, vgl. RSK-Stellungnahme „Empfehlungen zur
maximalen zulässigen kritischen Borkonzentration zur Sicherstellung der
Unterkritikalität nach ‚Reflux-Condenser-Betrieb‘ beim kleinen Leckstörfall“,
446. Sitzung, 5. April 2012). Dagegen ermittelte die GRS in der Analyse „Risiko
durch Deionatpfropfen beim Dampferzeugerheizrohrleck in einem DWR“ vom
16. September 2013 bei dem einzigen von ihr untersuchten Ablauf, dass ein
minderborierter Deionatpfropfen von ca. 8 000 Litern mit weniger als 100 ppm in den
Kern eindringt.
Aus diesen Daten ergibt sich sind nach Auffassung der Fragestellerinnen und
Fragesteller die Schlussfolgerung, dass bei dem von Helmut J. L. Mayer postulierten
Störfallszenario die Gefahr einer nicht mehr kontrollierbaren Rekritikalität mit
starker Leistungsexkursion und unabsehbaren Folgen besteht.
Bei der Beratung und Analyse der Problematik sind nach Auffassung der
Fragestellerinnen und Fragesteller an verschiedenen Stellen divergierende
Expertenauffassungen zutage getreten und darüber hinaus sicherheitsrelevante Fragen und
Aspekte noch offen bzw. unklar. Soweit die in dieser Kleinen Anfrage
referenzierten Quellen nicht online verfügbar sind, wurden sie der Abgeordneten Sylvia
Kotting-Uhl vom Energiebüro Gorxheimertal zur Verfügung gestellt; ebenso
mündliche Auskünfte, auf denen beispielsweise die Fragen 39 und 40 beruhen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Beratungen der Reaktor-Sicherheitskommission
1. Was waren im Einzelnen die unterschiedlichen Auffassungen, die im
Rahmen der Beratungen des RSK-Ausschusses AST zu dessen Stellungnahme
„Ausbildung und Auswirkungen eines Deionatpfropfens beim
Dampferzeugerheizrohrleck“ vom 11. Dezember 2014 hinsichtlich der analytischen
Nachweisführung und den zu unterstellenden Anfangs- und
Randbedingungen bestanden (bitte nicht nur eine beispielhafte bzw. zusammenfassende
Kurzangabe machen, sondern eine vollständige und ausführliche, rein
inhaltliche – nicht eine die AST-Diskussion wiedergebende – Darlegung aller
Punkte; vgl. hierzu BMUB-Schreiben vom 10. Februar 2015 an das
Energiebüro Gorxheimertal)?
2. Welche Laufzeit hat der Beratungsauftrag, den das BMUB der RSK aufgrund
der in Frage 1 genannten unterschiedlichen Auffassungen erteilt hat (vgl.
hierzu o. g. BMUB-Schreiben vom 10. Februar 2015 an das Energiebüro
Gorxheimertal)?
Wie lautet der Beratungsauftrag inhaltlich (bitte vollständige Angabe im
Wortlaut machen)?
3. Hält das BMUB die Ergebnisse der vom AST durchgeführten
Grenzbetrachtung am Beispiel eines aktuellen Betriebshandbuchs (BHB) einer
Vorkonvoi-Anlage sowohl in Bezug auf die noch im Leistungsbetrieb befindlichen
anderen beiden Vorkonvoi- und drei Konvoi-Anlagen für
a) ausreichend übertragbar und
b) abdeckend
(zu den Ergebnissen siehe o. g. AST-Stellungnahme vom 11.
Dezember 2014)?
Falls ja, warum?
An welchem Betriebshandbuch welcher Anlage wurde die Betrachtung
durchgeführt?
4. Welche kürzeste und welche längste Störfallverlaufsdauer hat der RSK-
Ausschuss AST bei seiner Stellungnahme vom 11. Dezember 2014 ermittelt bzw.
angenommen?
Welche Werte für die Mindestborkonzentration wurden für diese beiden
Zeitspannen jeweils ermittelt bzw. angenommen (vgl. hierzu die in der
Vorbemerkung der Fragesteller genannte RSK-Stellungnahme vom 5. April 2012, in
der 600 ppm bzw. lokal am Kerneintritt 1 100 ppm als
Mindestborkonzentrationen im Primärkühlmittel für den Zustand „heiß“ gelten)?
Übergeordnete Ergebnisse der Untersuchungen
5. Sind die Ergebnisse der Analysen und Untersuchungen nach Auffassung der
Bundesregierung so ausreichend, dass das beschriebene Störfallszenario im
Wesentlichen abgeschlossen ist und dass auch bei konservativen Annahmen
und unterschiedlichen Abläufen eine bei bereits eingefallenen Steuerstäben
nicht mehr kontrollierbare Rekritikalität mit hinreichender Sicherheit
ausgeschlossen werden kann?
Oder haben bzw. können sich durch die weiteren AST-Beratungen nach der
AST-Stellungnahme vom 11. Dezember 2014 noch Erkenntnisse ergeben,
die die Beherrschbarkeit infrage stellen?
6. Wie viele unterschiedliche Störfallabläufe wurden bislang untersucht, und
kann bei allen untersuchten Störfallabläufen eine Rekritikalität mit
Sicherheit ausgeschlossen werden?
7. Wurden zusätzlich zu einem 2-F-Bruch eines Heizrohres auch
Störfallabläufe mit kleineren Lecköffnungen betrachtet, bei denen dennoch die
sekundärseitigen Aktivitätsmessungen ansprechen und somit der
Primärdruck sehr nahe an den Siedeabstand und somit an die Kavitationsgrenze der
Hauptkühlmittelpumpen abgesenkt wird?
8. Wie groß ist nach Ansicht des BMUB unter realistischen Annahmen die
maximale Deionatmenge, die als nicht borierter oder zumindest minderborierter
Pfropfen in den Kern eindringen kann?
9. Ist eine ausreichende Unterkritikalität des Reaktors bei der maximal
eingetretenen Deionatmenge auch dann noch sichergestellt, wenn ein zusätzlicher
Reaktivitätsgewinn durch den negativen Kühlmitteltemperaturkoeffizienten
beim Abkühlen der Anlage bis zur Übernahme durch das Not- und
Nachkühlsystem erfolgt?
10. Gibt es eine oder mehrere fundierte Untersuchungen, die die Aussage von
Helmut J. L. Mayer sicher widerlegen, dass das postulierte Störfallszenario
ein hohes Risiko darstelle wegen der einerseits hohen
Eintrittswahrscheinlichkeit aufgrund der Vielzahl der Dampferzeuger-Heizrohre bei gleichzeitig
erheblichen möglichen Auswirkungen durch unkontrollierbare
Überkritikalität wegen der bereits eingefallenen Steuerstäbe?
Falls ja, welche?
Dampferzeuger-Heizrohre
11. Wie viele Dampferzeuger-Heizrohre gibt es ungefähr in den zurzeit noch im
Leistungsbetrieb befindlichen sechs Druckwasserreaktoren in Deutschland?
12. Wurden in diesen sechs Druckwasserreaktoren bereits Dampferzeuger-
Heizrohre wegen erkannter Vorschädigungen abgedichtet, und wie viele
abgedichtete Heizrohre sind es?
13. Gibt es in den in Deutschland noch laufenden Druckwasserreaktoren außer
den bereits in der 447. Sitzung der RSK bekannten Heizrohrschäden (vgl.
RSK-Stellungnahme „Zu unterstellende Leckagen an Dampferzeuger(DE)-
Heizrohren, Mehrfachrohrbruch/Lecköffnung wanddickengeschwächter
DE-Heizrohre“ vom 3. Mai 2012) noch weitere Vorschädigungen, und wie
groß sind die höchsten bekannten Wanddickenschwächungen?
Hauptkühlmittelpumpen
14. Kann die Bundesregierung praktisch ausschließen, dass bei dem von Helmut
J. L. Mayer postulierten Störfallszenario die Hauptkühlmittelpumpen
ausfallen?
15. Wie groß ist bei dem postulierten Störfallablauf der Abstand zur Kavitation
der Hauptkühlmittelpumpen, wenn sowohl konservative und im realen
Betrieb realistische Schwankungen durch die nicht sicherheitstechnisch
ausgelegten Anlagenteile, wie z. B. die Frischdampf-Umleitstation, angenommen
werden und gleichzeitig ungünstige Messtoleranzen vorliegen?
16. Wie viel Zeit ist im ungünstigsten Fall anzunehmen, wenn die
Hauptkühlmittelpumpen ausfallen, bis ggf. wieder eine erste Hauptkühlmittelpumpe
zugeschaltet werden kann?
17. Kann grundsätzlich ausgeschlossen werden, dass die Hauptkühlmittelpumpe
im defekten Loop nach Klärung der Ausfallursachen und somit nach längerer
Zeit und bei bereits weitgehend abgesenkter Primärkreistemperatur wieder
zugeschaltet wird und somit dem Reaktorkern sehr schnell eine sehr hohe
Reaktivität zugeführt wird, die zu einer schnellen Leistungsexkursion führen
kann?
Reaktivitätszufuhr
18. Wie hoch ist die zusätzliche Reaktivitätszufuhr durch die Abkühlung des
Primärkreislaufs bis zur Übernahme durch das Not- und Nachkühlsystem?
19. Wie hoch muss nach Auffassung des BMUB die notwendige
Borkonzentration sein, wenn im Gegensatz zu den 600 bzw. 850 ppm im heißen Zustand
die Anlage bereits bis zur Übernahme durch die Not- und Nachkühlsysteme
gemäß Betriebshandbuch abgekühlt worden ist?
20. Ab welcher Größenordnung eines minderborierten Deionatpfropfens mit
weniger als 100 ppm, wie er in der in der Vorbemerkung der Fragesteller
erwähnten GRS-Studie ermittelt wurde, ist nach Einschätzung der
Bundesregierung mit einer nicht mehr kontrollierbaren partiellen Überkritikalität im
Reaktorkern zu rechnen?
GRS-Analyse vom 19. September 2013
21. Hält das BMUB es für ausreichend, dass in der in der Vorbemerkung der
Fragesteller genannten Analyse der Gesellschaft für Reaktorsicherheit vom
19. September 2013 nur ein einziger Störfallablauf an nur einer einzigen
Anlage mit nur einzigartigen Handeingriffen in einzigartigen Zeitabständen
betrachtet wird und andere Störfallabläufe mit unterschiedlichen
Gegebenheiten außer Acht gelassen werden (bitte mit Begründung)?
22. Kann nach Auffassung des BMUB darauf verzichtet werden, auch einen
Störfallablauf zu untersuchen, bei dem, wie es in den Betriebshandbüchern
für Dampferzeuger-Heizrohrlecks ohne Zusatzstörung vorgesehen ist, der
Druckhalter-Füllstand nicht unter den Reaktorschutz-Grenzwert abfällt und
somit die hinsichtlich der rechnerischen Borkonzentration hilfreiche
Einspeisung der Sicherheitseinspeisepumpen nicht angeregt wird?
23. Wurde die in der GRS-Analyse ermittelte bzw. unterstellte Annahme der
Anregung der Sicherheitseinspeisepumpen in die bestehenden
Betriebshandbücher mit „normalem“ Ablauf übernommen?
24. Ist der Reaktor auch dann noch sicher unterkritisch, wenn der von der GRS
errechnete Deionatpfropfen nicht bei heißem Reaktorkühlkreislauf, sondern
bei bereits auf die Temperatur kurz vor Übernahme durch das Not- und
Nachkühlsystem abgekühlt und somit die zusätzliche Reaktivität aufgrund
des negativen Kühlmitteltemperaturkoeffizienten aufgetreten ist?
25. Welche maximale Menge kann der in den Reaktor eintretende minderborierte
Pfropfen erreichen, und welchen minimalen Borgehalt kann er haben, wenn
die Abfolgen der automatischen Anregungen und insbesondere der
Handeingriffe des Betriebspersonals nicht in den von der GRS angenommenen
Zeitabständen erfolgen, sondern sich aufgrund verschiedener Gegebenheiten
zeitlich verschieben?
26. Ist es nach Auffassung des BMUB hinreichend sicher und zu akzeptieren,
wenn in der GRS-Analyse auf „wissensbasierte Entscheidungen“ und
„wissensbasierte Handlungen“ in den extremen Stresssituationen im Ablauf einer
solchen Störfallsituation in einer Realanlage hilfsweise verwiesen wird?
Betriebshandbücher für Dampferzeuger-Heizrohrlecks
27. Welche Betriebshandbücher der insgesamt sechs deutschen Vorkonvoi- und
Konvoi-Druckwasserreaktoranlagen, die noch eine Berechtigung zum
Leistungsbetrieb haben, liegen dem BMUB und/oder der das BMUB beratenden
GRS und/oder dem ebenfalls das BMUB beratenden Bundesamt für
Strahlenschutz vor (bitte je Betriebshandbuch mit Angabe zur Aktualität der BHB-
Fassung)?
28. Ist nach Kenntnis des BMUB das postulierte Störfallszenario in diesen sechs
Druckwasserreaktoren in den Betriebshandbüchern jeweils abgedeckt?
29. Wie wird sich bei dem postulierten Störfallablauf nach Auffassung des
BMUB das Betriebspersonal verhalten, falls ein zutreffendes
Betriebshandbuch nicht vorliegt und infolge nicht vorhandener Messungen und fehlender
Schulungen die Gefahr des Eindringens von minderboriertem Kühlmittel in
den Kern nicht erkannt wird?
Abschätzung der minimalen Bormischkonzentration
30. Sind die in der Abschätzung der minimalen Bormischkonzentration vom
10. September 2014 seitens des Physikerbüros Bremen und des Ökoinstituts,
die das BMUB mit Schreiben vom 3. Dezember 2015 an Helmut J. L. Mayer
übermittelte, genannten fehlenden Festlegungen, welche Maßnahmen und
Einrichtungen im Einzelnen kreditiert werden dürfen, und die AST-seitig
ungeklärten Fragestellungen zu den zu unterstellenden Randbedingungen
mittlerweile geklärt, und falls ja, welche Festlegungen wurden getroffen, und
welche Klärungen wurden erzielt?
Ausländische und insbesondere benachbarte Druckwasserreaktoren
31. Kann das von Helmut J. L. Mayer postulierte Störfallszenario nach
Einschätzung der Bundesregierung auch in internationalen und insbesondere auch in
grenznahen Druckwasserreaktoren eintreten?
32. Ist das postulierte Störfallszenario nach Kenntnis des BMUB auch
internationalen Atomexperten bzw. Atomkraftwerksbetreibern hinreichend bekannt?
Falls nein, plant das BMUB, die zuständigen Atomaufsichtsbehörden über
die hierzulande durchgeführten Untersuchungen und Beratungen zu
informieren, und wenn ja, inwiefern?
33. Ist nach Einschätzung des BMUB in 3-Loop-Anlagen eine noch stärkere
Auswirkung und somit ein noch höheres Risiko als in 4-Loop-Anlagen
anzunehmen (bitte mit Begründung)?
34. Welche Aspekte könnten nach Ansicht des BMUB bei ausländischen
Anlagen zu erhöhter Eintrittswahrscheinlichkeit im Vergleich zu den sechs
deutschen Druckwasserreaktoren führen?
35. Welche Aspekte könnten nach Ansicht des BMUB bei ausländischen
Anlagen zu geringeren Abständen zur Kritikalität führen, als sie bei der
RSK-AST-Grenzbetrachtung für deutsche Anlagen ermittelt wurden?
36. In welchen im (Leistungs-)Betrieb befindlichen Druckwasserreaktoren in
unseren Nachbarstaaten, insbesondere in grenznahen Anlagen, sind nach
Kenntnis des BMUB heute noch Dampferzeuger mit Heizrohren aus dem
Werkstoff Inconel 600 im Einsatz?
Allgemeine bzw. weitere Fragen zu den Untersuchungen und der Thematik
37. Wurden für die bisherigen Untersuchungen ausreichend Ressourcen zur
Verfügung gestellt, so dass erfahrene Experten angemessen intensiv die
vorhandenen Anlagentechniken, die möglichen Störfallabläufe, die relevanten
Betriebshandbücher und die zu erwartenden Handeingriffe des
Betriebspersonals in die Betrachtungen einbeziehen konnten?
38. Wie hoch sind die Kosten der vom BMUB zu der Thematik bislang
vergebenen Analyse-/Untersuchungsaufträge, und wie hoch schätzt das BMUB die
zusätzlichen Kosten, wie z. B. für die Erstellung des umfangreichen
Schriftverkehrs und die erforderlichen Arbeitszeiten des BMUB und anderer
Institutionen, die neben den expliziten Auftragskosten angefallen sind (grobe
Schätzung reicht)?
39. Warum wurde der Initiator der Erforschung des Problems (siehe
Vorbemerkung der Fragesteller) Helmut J. L. Mayer – abgesehen von seiner Anhörung
in der RSK – trotz unbestrittener Kompetenz vom BMUB nicht in die
Untersuchungen einbezogen – zum Beispiel in Form von Besprechungen beim
BMUB?
40. Wurden die von Helmut J. L. Mayer vorgeschlagenen Maßnahmen zur
Minderung des Risikos und zur Beherrschung des postulierten Störfalls
durchgeführt oder zumindest in Betracht gezogen (falls nein, bitte mit Begründung)?
41. Sind die Untersuchungen mit den vorliegenden Papieren nach Auffassung
der Bundesregierung endgültig abgeschlossen oder sind – abgesehen von den
in den Fragen 1 und 2 thematisierten AST-Beratungen, die im Winter
2014/2015 vom BMUB in Auftrag gegeben wurden – noch weitere
Maßnahmen vorgesehen, wie zum Beispiel weitere Analysen mit variierten
Störfallabläufen zusätzlich zu dem bisher einzigen Verlauf der in der
Vorbemerkung der Fragesteller genannten GRS-Untersuchung, und falls ja, welche
jeweils, durch wen und bis wann?
42. Kann auf Basis der bislang vorliegenden Erkenntnisse zu der Problematik
praktisch ausgeschlossen werden, dass eine ausreichende
Kühlmitteldurchmischung mit insgesamt einer noch intakten Hauptkühlmittelpumpe nicht
mehr möglich ist, falls im Störfallablauf bereits eine temperatur- und/oder
dampfblasenbedingte Unterbrechung des Kühlmittelumlaufs im Primärkreis
eingetreten ist?
Falls ja, warum?
Falls nein, welche Konsequenzen will das BMUB daraus ziehen?
43. Welche Beispiele für Schäden an Dampferzeuger-Heizrohren aus dem
Werkstoff Inconel 600 sind dem BMUB und/oder der das BMUB beratenden GRS
und/oder dem ebenfalls das BMUB beratenden Bundesamt für
Strahlenschutz bekannt?
44. Aus welchem Werkstoff waren die Dampferzeuger-Heizrohre im bereits
stillgelegten deutschen AKW Stade?
Berlin, den 1. Juni 2016
Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken,
www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim,
www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]