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Kleine AnfrageWahlperiode 14Beantwortet

Männer und die Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf (G-SIG: 14010093)

Inanspruchnahme von Erziehungsurlaub durch Vater, Ursachen für die geringe Inanspruchnahme, Bedarf für Neuregelungen, u.a. beim Arbeitszeitgesetz und Arbeitsförderungsgesetz

Fraktion

PDS

Datum

03.02.1999

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache14/30315. 01. 99

Männer und die Vereinbarkeit von Elternschaft und Beruf

der Abgeordneten Christina Schenk und der Fraktion der PDS

Vorbemerkung

Das Bundeserziehungsgeldgesetz in seiner jetzigen Ausgestaltung verhindert die partnerschaftliche Teilung der Erziehungsarbeit. Es fördert ein Lebensmodell, das einerseits Männer auf die Ernährerrolle festschreibt und sie in großer Mehrheit zu „abwesenden Vätern“ werden läßt und andererseits den beruflichen Abstieg bzw. Ausstieg von Frauen präjudiziert. Die jetzige Ausgestaltung von Erziehungs„urlaub“ und -geld hat die Vereinbarkeit zu einem ausschließlichen Problem von Frauen gemacht. Der Anteil der Väter, die Erziehungs„urlaub“wahrnehmen, hat die 2-%-Marke nie überschritten. Studien haben ergeben, daß der Übergang in die Vaterschaft die Berufstätigkeit der Männer kaum beeinflußt.

Gleichzeitig wird immer deutlicher, daß Maßnahmen zur Förderung von Frauen in der Erwerbstätigkeit nur eine begrenzte Wirkung haben, solange Männer ihre Erwerbsbiographie resistent gestalten gegenüber Veränderungen in der familiären Situation. Das Recht von Frauen auf Chancengleichheit im Erwerbsleben läßt sich nur in dem Maße verwirklichen wie Männer gleichberechtigt teilhaben an der Hausarbeit und Kinderbetreuung.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen11

1

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung gegenwärtig der Anteil von Vätern an den Inanspruchnehmenden von Erziehungsurlaub (bitte nach Ost und West unterscheiden)?

2

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Erwerbs- und Einkommenssituation, aus der heraus Väter in den Erziehungsurlaub gehen?

3

Wie lange nahmen die betreffenden Männer den Erziehungsurlaub durchschnittlich in Anspruch?

4

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zur Situation von Vätern bezüglich ihrer Erwerbssituation nach dem Erziehungsurlaub vor?

Wie hoch ist der Anteil der Männer, die nach dem Erziehungsurlaub in ihr altes Beschäftigungsverhältnis zurückkehren?

5

Was sind nach Auffassung der Bundesregierung die Gründe für die geringe Inanspruchnahme des Erziehungsurlaubs durch Männer?

6

Liegen bereits Untersuchungen vor, die die Motivation von Vätern zur Wahrnehmung bzw. Nichtwahrnehmung des Erziehungsurlaubs bzw. zur tatsächlichen Reduzierung der täglichen Arbeitszeit untersuchen?

Wenn nein, plant die Bundesregierung entsprechende Untersuchungen in Auftrag zu geben?

7

Welche Veränderungen hält die Bundesregierung bei der Neuregelung von

a) Elterngeld und

b) Elternurlaub

für notwendig, um Väter für ein stärkeres Engagement bei der Betreuung ihrer Kinder zu motivieren bzw. zu verpflichten?

8

Sieht die Bundesregierung einen Handlungsbedarf bezüglich einer elternfreundlicheren Ausgestaltung des Arbeitszeitgesetzes?

Wenn ja, bezüglich welcher Einzelregelungen?

9

Welche Maßnahmen bzw. rechtlichen Regelungen plant die Bundesregierung im Bereich der Teilzeitarbeit, damit Männer ihren vielfach verbal geäußerten Wunsch nach kürzerer täglicher Arbeitszeit auch wirklich in die Realität umsetzen?

10

Sieht die Bundesregierung einen Handlungsbedarf bezüglich einer elternfreundlicheren Ausgestaltung des Arbeitsförderungsgesetzes?

Wenn ja, bezüglich welcher Einzelregelungen?

11

Welche, über den in den Antworten zu den Fragen 7 bis 10 bereits genannten Reformbedarf hinausgehenden rechtlichen Neuregelungen, Fördermaßnahmen und Kampagnen hält die Bundesregierung für erforderlich, um die Erwerbszentrierung männlicher Lebensentwürfe aufzubrechen und die Teilhabe von Männern in den Bereichen Haushalt und Kindererziehung zu erhöhen?

Bonn, den 14. Januar 1999

Christina Schenk Dr. Gregor Gysi und Fraktion

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