Technologische Leistungsfähigkeit der neuen Bundesländer
der Abgeordneten Dr. Heidi Knake-Werner, Rolf Kutzmutz, Maritta Böttcher, Gerhard Jüttemann und der Fraktion der PDS
Vorbemerkung
Ein wichtiger Indikator der technologischen Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft ist der Entwicklungsgrad der forschungs- und entwicklungs (FuE)-intensiven Leistungen. Die FuE-intensiven Industrien profitieren dabei in ganz besonderem Maße von der starken Auslandsnachfrage. Für die Bundesrepublik Deutschland wird im zusammenfassenden Endbericht 1998 „Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Januar 1999 (Drucksache 14/438) eingeschätzt, daß die Wirtschaftszweige, die Spitzentechnik hervorbringen, anteilsmäßig mit 7 1/2 Prozent an der industriellen Wertschöpfung mittlerweile an vorderster Front liegen.
Auch im Rahmen der internationalen Konkurrenz kann die Bundesrepublik Deutschland bei der Spitzentechnik für sich leichte Positionsverbesserungen verbuchen. Beim Export höherwertiger Technik liegt die Bundesrepublik Deutschland sogar mit einem Anteil von 18 Prozent an der Weltspitze.
Nach dem Wegbrechen der ostdeutschen Industriestruktur haben sich in den letzten zehn Jahren in den neuen Bundesländern neue Unternehmen herausgebildet. Hauptmerkmal der dortigen Industrielandschaft ist es, daß Großunternehmen, die im Westen den Großteil der Investitionen bei FuE-intensiven Leistungen tätigen, hier nur in geringem Umfang vertreten sind. In Ostdeutschland entfallen deshalb nur 35 Prozent der internen FuE-Aufwendungen auf Großunternehmen. Deshalb werden gerade auch durch den Bundeshaushalt innovationsintensive kleine und mittelständische Unternehmen maßgeblich gefördert. Interessant wäre, wie die Entwicklung und der Entwicklungsgrad der FuE-intensiven Leistungen in Ostdeutschland einzuschätzen sind.
Für die neuen Bundesländer wird im o. g. Endbericht eingeschätzt, daß auf dem Gebiet der Produktinnovationen ein Aufholprozeß zu beobachten ist. Allerdings scheint es für ostdeutsche Unternehmen schwierig zu sein, ohne Kooperationen mit anderen Unternehmen und externen Forschungseinrichtungen im Bereich der Forschung und Entwicklung Prozeßinnovationen durchzusetzen. Eine besondere Rolle spielen in Ostdeutschland daher externe Industrieforschungseinrichtungen und innovative Unternehmen bei FuE-Dienstleistungen, denen es anscheinend noch nicht optimal gelungen ist, sich in die internationale Arbeitsteilung zu integrieren und ihren Markt zu finden. Überraschend wird jedoch festgestellt, daß die Zuwachsraten in allen Regionen Ostdeutschlands bei Patentanmeldungen deutlich über der Dynamik liegen, wie sie in Deutschland insgesamt anschlägt.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen29
Wie schätzt die Bundesregierung die Innovationsanstrengungen ostdeutscher Unternehmen in Industrie und Dienstleistungssektor seit 1990 ein?
Wie hat sich die Investitionsneigung bei Sachanlagen und Ausrüstungen in den FuE-intensiven Industrien in den neuen Bundesländern im Vergleich zum früheren Bundesgebiet entwickelt?
Wie hoch ist der Anteil der mittelständischen Unternehmen bei den internen FuE-Aufwendungen?
Wie haben sich die Umsatzzuwächse bei FuE-intensiven Industrien und bei FuE-intensiven Dienstleistungen jährlich entwickelt?
Welche Prognosen kennt die Bundesregierung zur Entwicklung der Innovationsfähigkeit der neuen Bundesländer, zur Investitionsneigung bei Sachanlagen und -ausrüstungen sowie zum Umsatzzuwachs in der FuE-intensiven Industrie und den FuE-intensiven Dienstleistungen?
(Bitte alle Angaben jährlich seit 1990 getrennt nach neue Bundesländer, früheres Bundesgebiet.)
Wie sind die Fortschritte bei der Entwicklung, der Sanierung und der Konsolidierung von alten Unternehmen einerseits sowie von Unternehmensgründungen andererseits in den wissenschaftsintensiven Wirtschaftsbereichen seit 1990 in den neuen Bundesländern zu bewerten (bitte im Vergleich dazu entsprechende Angaben aus dem früheren Bundesgebiet)?
Wie viele innovative Unternehmen wurden durch Hoch- und Fachschulabsolventen in den neuen Bundesländern gegründet (bitte jährlich seit 1995 und Vergleichsangaben aus dem früheren Bundesgebiet)?
Wie viele Selbständige ohne angestellte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigen sich in den neuen Bundesländern in FuE-intensiven Bereichen (bitte jährlich seit 1990, Vergleichszahlen aus dem früheren Bundesgebiet)?
Wie hat sich die Produktion von Spitzentechnik und höherwertiger Technik seit 1990 in den neuen Bundesländern konkret entwickelt?
Welchen Anteil am Export hat Ostdeutschland bei der Spitzentechnik und der höherwertigen Technik?
Welche ostdeutschen Branchen zeigen sich bei Spitzentechnik und höherwertiger Technik besonders exportorientiert?
Welche exportrelevanten Erzeugnisse und Leistungen der Spitzentechnik und der höherwertigen Technik werden in den neuen Bundesländern produziert, und wie hoch ist jeweils ihr Anteil an der Produktion von Spitzentechnik und höherwertiger Technik in der Bundesrepublik Deutschland insgesamt?
In welchem Verhältnis stehen die in den neuen Bundesländern produzierten Anteile der Spitzentechnik und der höherwertigen Technik zur industriellen Wertschöpfung in den neuen Bundesländern (bitte jährlich seit 1990, Vergleichszahlen aus dem früheren Bundesgebiet)?
Wie erklärt sich die Bundesregierung das Phänomen, daß ein Großteil ostdeutscher Produktinnovatoren Forschung und Entwicklung für die Imitation von Produkten anderer Hersteller einsetzt (siehe Endbericht 1998 a. a. O., S. 118)?
Wie schätzt die Bundesregierung die Entwicklung von Marktneuheiten und Produktinnovationen aus Ostdeutschland ein?
In welchen Branchen und Technologiebereichen in den neuen Bundesländern haben sich Produktinnovationen und Marktneuheiten besonders stark entwickelt?
Welche Prognosen kennt die Bundesregierung hinsichtlich des Wachstums der Produktinnovationen und Marktneuheiten in den neuen Bundesländern aus Industrie und Dienstleistungsbereichen?
Auf welche Großunternehmen in Ostdeutschland beziehen sich die im Endbericht „Zur technologischen Leistungsfähigkeit Deutschlands“ genannten 35 Prozent bei den internen FuE-Aufwendungen?
Welche Gründe kennt die Bundesregierung dafür, daß es externen Forschungseinrichtungen und innovativen Unternehmen aus den neuen Bundesländern noch nicht gelungen ist, sich optimal in der internationalen Konkurrenz zu behaupten und ihre Märkte zu finden?
Wie schätzt die Bundesregierung die Entwicklung der Kompetenz- und Gründerzentren in den neuen Bundesländern ein, und welcher Stellenwert kommt diesen Zentren bei den Produkt- und Prozeßinnovationen sowie Marktneuheiten in Industrie und Dienstleistungen zu?
Wie hat sich die FuE-Intensität in den neuen Bundesländern seit 1995 entwickelt?
Welche Erklärung hat die Bundesregierung für die im oben erwähnten Bericht besonders erwähnte hohe Dynamik bei den ostdeutschen Patentanmeldungen, und wie viele Patente wurden in den neuen Bundesländern jährlich seit 1990 angemeldet (bitte Angaben zu Vergleichszahlen in den alten Bundesländern)?
Wie verteilen sich ostdeutsche Patentanmeldungen auf kleine, mittelständische (nach EU-Definition) und große Unternehmen?
Wie verteilen sich ostdeutsche Patentanmeldungen auf externe Industrieforschungseinrichtungen, innovative Unternehmen und Forschungs-GmbH?
Gibt es bestimmte Branchen, Produktgruppen oder Prozeßentwicklungen, auf die sich Patentanmeldungen in den neuen Bundesländern konzentrieren?
Wie hat sich die Dienstleistungsintensität der Industrie in Ostdeutschland von 1990 bis 1996 sowie von 1996 bis 1997 entwickelt (siehe Endbericht 1998 a. a. O., Anhang S. VIII) (Angaben bitte zu Maschinenbau, Kraftwagen und Motoren, Luftfahrzeugbau, Elektrotechnik, Optische Erzeugnisse, Büromaschinen, EDV-Einrichtungen sowie der Verarbeitenden Industrie insgesamt im Vergleich zum früheren Bundesgebiet)?
Wie schätzt die Bundesregierung die Entwicklung der Ausbildungsintensität der Dienstleistungen in den neuen Bundesländern von 1990 bis 1996 sowie von 1996 bis 1997 ein (Angaben bitte zu Maschinenbau, Kraftwagen und Motoren, Luftfahrzeugbau, Elektrotechnik, Optische Erzeugnisse, Büromaschinen, EDV-Einrichtungen sowie der Verarbeitenden Industrie insgesamt im Vergleich zum früheren Bundesgebiet)?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung zur Entwicklung der Ausgebildetenquote in den neuen Bundesländern von 1990 bis 1997, und welche Besonderheiten gegenüber dem früheren Bundesgebiet sind bei der Entwicklung der Ausgebildetenquote zu beobachten (Angaben bitte zu Energie, Wasser, Bergbau, Verarbeitendem Gewerbe, Baugewerbe, Handel, Verkehr/Nachrichtenübermittlung, Dienstleistungen, gewerblicher Wirtschaft)?
Wie schätzt die Bundesregierung die Entwicklung der Quote der Hochqualifizierten von 1990 bis 1996 und 1996 bis 1997 in den neuen Bundesländern ein (Angaben bitte zu Energie, Wasser, Bergbau, Verarbeitendem Gewerbe, Baugewerbe, Handel, Verkehr/Nachrichtenübermittlung, Dienstleistungen, gewerblicher Wirtschaft)?