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Kleine AnfrageWahlperiode 16Beantwortet

Koi-Herpesvirus

<span>Wirtschaftsfaktor Karpfenzucht, Verbreitungs- und Durchseuchungsgrad mit dem Koi-Herpesvirus (KHV-1) in Karpfenbeständen, Größenordnung des wirtschaftlichen Schadens, weitere betroffene Fischarten, Folgen für den Naturschutz aufgrund notwendiger Desinfektionsmaßnahmen, Übertragungsweg, Maßnahmen, Impfstoffentwicklung</span>

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Datum

18.11.2008

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 16/1067617. 10. 2008

Koi-Herpesvirus

der Abgeordneten Cornelia Behm, Ulrike Höfken, Nicole Maisch, Hans-Josef Fell, Winfried Hermann, Bettina Herlitzius, Peter Hettlich, Bärbel Höhn, Dr. Anton Hofreiter, Sylvia Kotting-Uhl, Undine Kurth (Quedlinburg) und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Eine durch das Koi-Herpesvirus (KHV) ausgelöste Erkrankung führt inzwischen nahezu weltweit zu Fischsterben in Karpfen- und Koibeständen. Seit einigen Jahren greift diese Fischseuche auch in den Nutzkarpfenbeständen deutscher Teichwirtschaften immer mehr um sich. Ausbrüche der Koi-Herpesvirus-Infektion (KHV-Infektion) führen innerhalb der betroffenen Karpfenbestände zu Fischverlusten von bis zu 100 Prozent. Neben Ihrer Bedeutung als Wirtschaftsfaktor im ländlichen Raum spielt die traditionelle Karpfenteichwirtschaft über die Bereitstellung und Erhaltung charakteristischer Biotope auch eine wichtige Rolle für den Naturschutz auf nationaler und europäischer Ebene. Neben den durch die Krankheit entstehenden wirtschaftlichen Schäden für die Teichwirtschaft stellen die anschließend notwendigen Desinfektionsmaßnahmen massive Eingriffe in sensible Feuchtbiotope dar. Die mit der Erkrankung verbundenen wirtschaftlichen Einbußen für die Teichwirte gefährden die Rentabilität der Karpfenproduktion und damit auch den Fortbestand der Teichlandschaften.

Hauptverbreitungsweg für das Virus ist offensichtlich der Handel mit latent infizierten Fischen, die dann als Satzfische in andere Gewässer gelangen. Trotz aller bisherigen Bemühungen der Verantwortlichen um eine Eindämmung scheint sich das Koi-Herpesvirus in der Bundesrepublik Deutschland weiter auszubreiten.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen11

1

Welche finanzielle Wertschöpfung realisiert die Karpfenteichwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland jährlich?

2

Wie ist der Verbreitungs- und Durchseuchungsgrad bezüglich der KHV-Infektion in Karpfenbeständen in der Bundesrepublik Deutschland?

3

In welchen finanziellen Größenordnungen bewegen sich jährlich die direkten und indirekten Schäden, die durch die KHV-Infektion in deutschen Karpfenteichwirtschaften anrichtet wurden?

4

Sind neben Karpfen weitere Fischarten von dieser Krankheit betroffen und als mögliche Überträger des Erregers anzusehen?

5

Welche Folgen ergeben sich aus der Ausbreitung der KHV-Infektion und den resultierenden Schäden in den Teichwirtschaftsbetrieben für den Naturschutz in der Bundesrepublik Deutschland?

6

Gibt es Untersuchungen zum Nachweis möglicherweise latent infizierter Zucht-Karpfen-Bestände?

7

Wie weit sind Fischbestände anderer Gewässer außerhalb der Teichwirtschaften bereits mit dem KHV infiziert?

8

Wurde bezüglich der Wildfische eine Risikoanalyse zur Übertragung des KHV auf Nutzkarpfen erstellt?

9

Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung zur Bekämpfung und Eindämmung dieser Karpfenseuche?

10

Ist die klassische Bekämpfungsstrategie von Fischkrankheiten unter Nutzung der üblichen seuchenhygienischen Maßnahmen (eigene Aufzucht, Desinfektion, kein Zukauf etc.) in Bezug auf die KHV-Infektion in der Bundesrepublik Deutschland noch möglich?

11

Besteht die Möglichkeit der Impfung gegen die KHV-Infektion, und wenn ja, wie unterstützt die Bundesregierung die Entwicklung eines entsprechenden Impfstoffes?

Berlin, den 17. Oktober 2008

Renate Künast, Fritz Kuhn und Fraktion

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