Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung
der Abgeordneten Priska Hinz (Herborn), Krista Sager, Kai Gehring, Ekin Deligöz, Katrin Göring-Eckardt, Britta Haßelmann, Grietje Staffelt und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Bei der Umsetzung des Leitbilds der nachhaltigen Entwicklung kommt der beruflichen Aus- und Weiterbildung eine Schlüsselrolle zu. Hierauf hat sowohl die Bundesregierung in diversen Verlautbarungen, im Rahmen der Berufsbildungsberichte und Nachhaltigkeitsbildungsberichte, als auch der Deutsche Bundestag insbesondere in seinen Entschließungen zur Bildungs- und Forschungspolitik für eine nachhaltige Entwicklung (vgl. Bundestagsdrucksachen 14/86571, 15/2758 und 15/3472) hingewiesen.
Auf der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2003 in Osnabrück durchgeführten Fachtagung wurde u. a. ein Orientierungsrahmen verabschiedet und ein Aktionsprogramm zur Förderung der Nachhaltigkeit in der Berufsbildung angekündigt. In der Antwort auf die Kleine Anfrage (Bundestagsdrucksache 16/5889 vom 4. Juli 2007) wird ein weiterführendes Aktionsprogramm für die berufliche Bildung in Aussicht gestellt. Auch nach der Föderalismusreform ist die Gestaltungskompetenz im Bereich der beruflichen Bildung weitgehend beim Bund verblieben. Zur Halbzeit der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung wird deshalb nach den bisherigen und künftig geplanten Umsetzungsarbeiten der Bundesregierung speziell in der beruflichen Bildung gefragt.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen23
a) Welche konkrete Ausgestaltung des Leitbilds der nachhaltigen Entwicklung wird im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung zugrunde gelegt?
b) Wie werden die allgemeinen Prinzipien der verwendeten Definition von nachhaltiger Entwicklung operationalisiert, um konkrete Lerninhalte zu formulieren?
a) Welche Aus- und Fortbildungsberufe, die dem Nachhaltigkeitssektor zugeordnet werden können, wurden bisher erlassen bzw. befinden sich im Neuordnungsverfahren?
b) Welchen ordnungspolitischen Handlungsbedarf sieht die Bundesregierung, neue Berufe in der Aus- und Weiterbildung bundeseinheitlich zu regeln, etwa in den Bereichen nachhaltige Energienutzung und Energiemanagement, nachhaltiges Wirtschaften, nachhaltiger Tourismus, Land- und Forstwirtschaft, Biomasse, Mobilität?
c) Welche der in den Ländern erlassenen Assistentenberufe sollen ggf. auch als duale Ausbildungsberufe geregelt werden?
a) Welche nachhaltigkeitsbezogenen Schlüsselkompetenzen oder unmittelbaren, tätigkeitsbezogenen Fachkompetenzen haben integrativ Berücksichtigung gefunden, bei welchen laufenden Überarbeitungen von Ausbildungsberufen?
b) Welche festen Verabredungen z. B. zu Kompetenzen sind hierfür von den Sozialpartnern und der Bundesregierung getroffen worden?
Wie gedenkt die Bundesregierung, die Implementierung des Kultusministerkonferenz-Beschlusses „Orientierungsrahmen Globalisierung gestalten“ als Ergebnis eines Projektes des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die berufliche Bildung voranzutreiben, insbesondere im Hinblick auf den dort enthaltenen Vorschlag für ein Umsetzungs- und Entwicklungsprogramm?
Welche Modellversuche und Projekte hat der Bund im Bereich der Berufsbildung für eine nachhaltige Entwicklung mit welchem Aufwand gefördert?
a) Welche Ergebnisse haben diese Modellversuche und Projekte erbracht?
b) Wie und wie weit sind die Ergebnisse dieser Vorhaben und Projekte bisher verbreitet bzw. umgesetzt worden?
c) Welchen Erfolg hat die erwähnte Good-Practice-Agentur Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (vgl. Bundestagsdrucksache 16/5889), und welche Organisation und welche Ausgaben sind vorgesehen, um die Agentur auf Dauer aufrecht zu erhalten?
Welche Gründe haben dazu geführt, dass der Bund die Förderung von Wirtschaftsmodellversuchen, die jahrelang als nachhaltiges innovatives Förderinstrument für eine qualitative Weiterentwicklung der beruflichen Bildung galten, eingestellt hat?
Welche Konsequenzen wurden aus den verschiedenen Forschungsprojekten des Rahmenprogramms Forschung für Nachhaltigkeit (FONA) des BMBF (z. B. zur nachhaltigen Waldwirtschaft, Produktion und Konsum), die darauf ausgerichtet waren, Bildungs- und Berufsbildungsfragen integrativ zu berücksichtigen, für die berufliche Bildung abgeleitet?
Wie beurteilt die Bundesregierung den u. a. in einer Studie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) festgestellten Fachkräftemangel im Beschäftigungssektor der erneuerbaren Energien, und welche Maßnahmen plant die Bundesregierung, um diesen Mangel zu beheben?
a) Welche Wirkungen und Ergebnisse hat die vom BMU eingeleitete Ausbildungsoffensive im Bereich der Umwelt- und Energietechnik?
b) Welche Materialien, Strategien usw. gibt es, um die Berufsorientierung stärker auf erneuerbare Energien zu lenken?
Welche Maßnahmen unternimmt bzw. plant die Bundesregierung, um das orientierende Instrument der Freiwilligen Jahre und insbesondere das Freiwillige Technische Jahr auch in den Bereichen der nachhaltigen Technik oder generell der Nachhaltigkeit einzusetzen?
Welche Instrumente und Maßnahmen plant die Bundesregierung zur Förderung von Qualifikationen, die für potenzielle Existenzgründungen in den Bereichen mit starken Nachhaltigkeitsbezügen und in der grünen Wirtschaft grundlegend sind?
Welche Maßnahmen werden ergriffen, um bei der Implementierung deutscher Berufsbildungskonzepte und -methoden in Entwicklungs- und Schwellenländer im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit Kriterien der nachhaltigen Entwicklung zu beachten?
a) Welche Rolle spielt die Berufsbildung bei der Umsetzung der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung?
b) Wie werden Fragen der Berufsbildung konkret in die internationale Halbzeitkonferenz der UN-Dekade 2009 in Bonn einbezogen?
Welche konkreten strategischen Planungen hat die Bundesregierung für die restliche Laufzeit der UN-Dekade bis 2014, um die berufliche Bildung insgesamt stärker für Nachhaltigkeit zu profilieren?