Tierschutzrelevante Befunde aus Verarbeitungsbetrieben für tierische Nebenprodukte
der Abgeordneten Friedrich Ostendorff, Renate Künast, Markus Tressel, Matthias Gastel, Stefan Gelbhaar, Steffi Lemke, Ingrid Nestle, Dr. Julia Verlinden, Daniela Wagner und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Verschiedene Erhebungen (zum Beispiel „‚Gefallene Tiere‘ aus Tierschutz-Sicht – Erhebungen in Tierkörperbeseitigungsanlagen“ www.ign-nutztierhaltung.ch/sites/default/files/PDF/IGN_FOKUS_2016_web_klein%20%281%29.pdf) legen nahe, dass zahlreiche Nutztiere als so genannte Falltiere in Verarbeitungsbetrieben für tierische Nebenprodukte (VTN) enden.
Der Zustand einer maßgeblichen Anzahl von Tieren in diesen Studien weist auf ungerechtfertigtes, erhebliches und langanhaltendes Leiden hin. Für dieses Leid kann eine unterlassene oder unzureichende Behandlung beziehungsweise nicht rechtzeitige Nottötung verantwortlich sein.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen14
Wie viele Tiere (Schweine/Ferkel, Rinder/Kälber, Geflügel/Küken) wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2013 jährlich in VTN verbracht?
Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung umfassende systematische Erhebungen oder Stichprobenanalysen zum Zustand der Kadaver (Schweine/ Ferkel, Rinder/Kälber, Geflügel/Küken) bei Anlieferung in VTN?
Was sind nach Kenntnis der Bundesregierung die drei am häufigsten auftretenden Ursachen für das Verenden, die bei Schweinen in VTN zu finden sind?
Was sind nach Kenntnis der Bundesregierung die drei am häufigsten auftretenden Ursachen für das Verenden, die bei Rindern in VTN zu finden sind?
Was sind nach Kenntnis der Bundesregierung die drei am häufigsten auftretenden Ursachen für das Verenden, die bei Geflügel in VTN zu finden sind?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Tiere, die fachgerecht auf den landwirtschaftlichen Betrieben notgetötet wurden und in VTN entsorgt werden?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Tiere, die nach veterinärmedizinischer Beurteilung vor dem Verenden beziehungsweise der Tötung unnötige Schmerzen und langanhaltende Leiden zu erdulden hatten?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von Schweinen in VTN, deren Kadaverzustand auf nicht sachkundige Tötung in den tierhaltenden Betrieben schließen lassen?
Teilt die Bundesregierung die Meinung von Fachtierärztinnen und Fachtierärzten, dass dem wenig beachteten Schicksal der gefallenen Tiere deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss (siehe Baumgartner, J. (2014): Falltiere – verborgene Indikatoren für unzumutbares Tierleid. DVG, 19. Internationale Fachtagung zum Thema Tierschutz, 20. – 21. Februar 2014, S. 187 – 196)?
Ist die Bundesregierung mit den Fragestellerinnen und Fragestellern der Meinung, dass die hohe Zahl so genannter Falltiere reduziert werden muss? Falls nein, warum nicht?
Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die Anzahl der Falltiere zu reduzieren?
Wann konkret wird die Bundesregierung ein bundeseinheitliches Prüf- und Zulassungsverfahren für serienmäßig hergestellte Tierhaltungssysteme bei Nutztieren vorlegen, wie dies bereits im Koalitionsvertrag 2013 angekündigt und nicht eingehalten wurde?
Ist die Bundesregierung der Meinung, dass ein bundesweites System zur Erfassung von Tierschutzverstößen in den Tierkörperbeseitigungsanstalten notwendig ist, um tierschutzrelevante Verstöße zu ahnden und zu vermeiden? Falls nein, warum nicht?
Ist die Bundesregierung der Meinung, dass durch Schulungen und Fortbildungen die Sachkunde der Tierhalterinnen und Tierhalter gefördert werden muss? Falls nein, warum nicht?