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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Erwerbstätige Arme in Deutschland

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

18.06.2018

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/221117.05.2018

Erwerbstätige Arme in Deutschland

der Abgeordneten Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Beate Müller-Gemmeke, Sven Lehmann, Markus Kurth, Corinna Rüffer, Ekin Deligöz, Claudia Müller, Stefan Schmidt und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

In Deutschland erleben wir derzeit mit 44 Millionen Erwerbstätigen eine Rekordbeschäftigung. Die Bundesagentur für Arbeit vermeldet, dass die Zahl der Erwerbslosen auf knapp unter 2,5 Millionen gesunken ist, was im Vergleich mit den anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union (EU) einer der niedrigsten Erwerbslosenquoten entspricht. Diese Entwicklung hat allerdings auch Schattenseiten, die weite Teile der erwerbstätigen Bevölkerung betreffen.

Für Millionen von Erwerbstätigen reicht ihre Erwerbsarbeit nicht aus, um davon leben zu können. Deutschland verzeichnet im EU-Vergleich den höchsten Zuwachs an Armut trotz Erwerbstätigkeit. Im Dezember 2017 waren über eine Million oder 27 Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende erwerbstätig (https://statistik.arbeitsagentur.de/Statistikdaten/Detail/201804/arbeitsmarktberichte/monatsbericht-monatsbericht/monatsbericht-d-0-201804-pdf.pdf). Das kann verschiedene Gründe haben.

Wenn Kinder im Haushalt zu versorgen sind oder nur in Teilzeit gearbeitet wird, reicht das erzielte Erwerbseinkommen oft nicht aus, um die Familie existenzsichernd zu versorgen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen18

1

Wo liegt nach Kenntnis der Bundesregierung die Armutsrisikoschwelle (60 Prozent des nettoäquivalenzgewichteten Medianeinkommens nach Erhalt von Sozialleistungen) derzeit bei Single- und Paar-Haushalten? Um wie viel erhöht sich diese Schwelle für jedes Kind?

2

Wie viele erwerbstätige Personen verfügen nach Kenntnis der Bundesregierung über ein Einkommen unterhalb der Armutsrisikoschwelle, und wie haben sich die Zahlen seit 2005 entwickelt?

a) Wie viele davon gehen einer Vollzeitbeschäftigung nach, wie viele einer Teilzeitbeschäftigung über der Geringfügigkeitsgrenze und wie viele einer geringfügigen Beschäftigung?

b) Wie viele davon sind Selbständige?

c) Wie viele davon sind alleinstehend, Alleinerziehende, Paare ohne Kinder und Paare mit Kindern?

3

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Armutsrisikoquoten von Erwerbstätigen seit 2005 (bitte auch nach Bundesländern aufschlüsseln) entwickelt?

a) insgesamt,

b) von abhängig Beschäftigten und Selbständigen,

c) nach Umfang der Erwerbstätigkeit (Vollzeit, mehr als geringfügige Teilzeit, geringfügige Beschäftigung) und

d) nach Haushaltstyp (Alleinstehende, Alleinerziehende, Paare ohne Kinder, Paare mit Kindern) entwickelt?

4

Wie viele Kinder leben nach Kenntnis der Bundesregierung in einem Haushalt mit einem Einkommen unter der Armutsrisikoschwelle (bitte auch nach Bundesländern aufschlüsseln)?

a) In wie vielen davon ist mindestens ein Haushaltsmitglied erwerbstätig?

b) Wie viele Kinder davon leben in einem Alleinerziehendenhaushalt (bitte nach Umfang der Erwerbstätigkeit – Vollzeit, mehr als geringfügige Teilzeit, geringfügige Beschäftigung, keine Beschäftigung – aufteilen)?

c) Wie viele Kinder davon leben in einem Paarhaushalt und wie viele davon in einem Paarhaushalt, in dem mindestens eine Person in Vollzeit erwerbstätig ist?

5

Wie viele erwerbstätige Personen beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung zusätzlich zu ihrem Erwerbseinkommen ergänzende Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) (bitte als absolute Zahl und als Anteil von allen Arbeitslosengeld-II-Beziehenden auf Basis der verfügbaren Daten und aufgeschlüsselt nach Bundesländern ausgeben)?

a) Wie viele davon sind abhängig Beschäftigte, und wie viele Selbständige?

b) Welchen Umfang hatte deren Erwerbstätigkeit (Vollzeit, mehr als geringfügige Teilzeit, geringfügige Beschäftigung)?

c) Welche Bildungsabschlüsse haben die erwerbstätigen Leistungsberechtigten (Schulabschluss, Ausbildung, Studienabschluss)?

d) Wie viele davon waren alleinstehend, Alleinerziehende, Paare ohne Kinder, Paare mit Kindern?

e) Was sind die fünf Branchen mit dem höchsten Anteil an Leistungsberechtigten unter allen Beschäftigten?

6

Welchen Umfang haben nach Kenntnis der Bundesregierung die ergänzenden Leistungen durchschnittlich je erwerbstätigem Leistungsbezieher als auch insgesamt?

7

Wie hat sich die Zahl der erwerbsfähigen Arbeitslosengeld-II-Beziehenden insgesamt sowie der erwerbstätigen Arbeitslosengeld-II-Beziehenden seit 2005 bis heute entwickelt (bitte als Jahresdurchschnitte in absoluten Zahlen als auch als Anteil im Zeitverlauf für den Bund ausgeben)?

8

Wie hat sich die Zahl der erwerbstätigen Arbeitslosengeld-II-Beziehenden, die im Niedriglohnsektor tätig sind (d. h. sie erzielen einen Bruttolohn, der geringer ist als zwei Drittel des mittleren Lohns) seit 2005 entwickelt (bitte als Jahresdurchschnitte und als Anteil an der erwerbstätigen Bevölkerung im jeweiligen Jahr ausgeben)?

9

Wie viele Erwerbstätige haben nach Kenntnis der Bundesregierung ein Brutto-Arbeitseinkommen

a) unter 500 Euro,

b) unter 1 000 Euro,

c) unter 1 500 Euro,

d) unter 2 000 Euro und

e) über 2 000 Euro? Wie viele beziehen davon jeweils Leistungen nach dem SGB II, und wie viele haben jeweils ein Nettoäquivalenzeinkommen unter der Armutsrisikogrenze?

10

Wie hat sich die Zahl der erwerbstätigen Arbeitslosengeld-II-Beziehenden, die in einer Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einem Kind unter 18 Jahren leben, nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2005 entwickelt (bitte als Jahresdurchschnitte ausgeben)?

11

Wie viele Kinder unter 18 Jahren leben nach Kenntnis der Bundesregierung in einer Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einer erwerbstätigen Person (bitte auf Basis der jüngst verfügbaren Daten und unterschieden nach Typen von Bedarfsgemeinschaften ausgeben)?

12

Wie viele Kinder unter 18 Jahren leben nach Kenntnis der Bundesregierung in einer Bedarfsgemeinschaft mit mindestens einer in Vollzeit erwerbstätigen Person (bitte auf Basis der jüngst verfügbaren Daten und unterschieden nach Typen von Bedarfsgemeinschaften ausgeben)?

13

Wie hat sich die Zahl der Kinder unter 18 Jahren, die mit mindestens einer erwerbstätigen Person in einer Bedarfsgemeinschaft leben, nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2005 bis heute entwickelt (bitte als Jahresdurchschnitte unterschieden nach Typen von Bedarfsgemeinschaften und Kinderanzahl ausgeben)?

14

Wie hoch ist die durchschnittliche Verweildauer von erwerbstätigen Arbeitslosengeld-II-Beziehenden im Leistungsbezug (bitte als Jahresdurchschnitt für 2016 und unterschieden nach Typen von Bedarfsgemeinschaften ausgeben)?

15

Wie viele der erwerbstätigen Leistungsbezieher wurden durch die Arbeitsagenturen und Jobcenter in ihre aktuelle Beschäftigung vermittelt?

16

Mit welchen Maßnahmen und in welchem Umfang unterstützen die Jobcenter erwerbstätige Leistungsbezieher dabei, ihr Einkommen zu verbessern?

17

Welche Untersuchungen sind der Bundesregierung zur Inanspruchnahmequote von Arbeitslosengeld II, insbesondere auch von Erwerbstätigen, bekannt, und wie hoch ist danach die Dunkelziffer der Nichtinanspruchnahme insgesamt und für Erwerbstätige?

18

Wie viele Erwerbstätige beziehen nach Kenntnis der Bundesregierung Wohngeld oder Kinderzuschlag (bitte in absoluten Zahlen und als Anteil an den Erwerbstätigen auf Basis der jüngst verfügbaren Daten sowie nach Bundesländern aufschlüsseln)? Welche Untersuchungen sind der Bundesregierung zur Inanspruchnahmequote von Wohngeld und Kinderzuschlag bekannt, und wie hoch ist danach die Dunkelziffer der Nichtinanspruchnahme?

Berlin, den 14. Mai 2018

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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