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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Frauen in der Informatik - Ein Blick in die Bildungskette

(insgesamt 29 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

12.10.2018

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/442621.09.2018

Frauen in der Informatik – Ein Blick in die Bildungskette

der Abgeordneten Dr. Anna Christmann, Ulle Schauws, Beate Walter-Rosenheimer, Margit Stumpp, Tabea Rößner, Kai Gehring, Katja Dörner, Erhard Grundl, Dr. Kirsten Kappert-Gonther, Maria Klein-Schmeink, Kordula Schulz-Asche, Canan Bayram, Katharina Dröge, Ekin Deligöz, Britta Haßelmann, Dieter Janecek, Claudia Müller, Beate Müller-Gemmeke, Dr. Konstantin von Notz, Stefan Schmidt und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Die Digitalbranche ist nach wie vor eine Männerdomäne. Seit Jahren hat sich der Anteil von Frauen in der Digitalbranche kaum verändert. Laut Bundesregierung waren nur 29,1 Prozent der Angestellten in der IKT-Branche im Jahr 2016 Frauen – genauso wenige wie 2008 (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 74 der Abgeordneten Dr. Anna Christmann auf Bundestagsdrucksache 19/1126). Bei den Selbstständigen in der Branche ist das Verhältnis noch schlechter: Nur 11 Prozent waren 2016 weiblich. Der Anteil der Gründerinnen in der Digitalbranche lag im Jahr 2016 bei ebenso niedrigen 11,7 Prozent. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit nur 16,6 Prozent Frauenanteil auf Platz 20 von 41 ausgewerteten OECD- und EU-Ländern (vgl. https://de.statista.com/infografik/13283/frauen-in-der-tech-branche/).

Der Mangel an Frauen in IT-Fächern zeigt sich schon an den Universitäten deutlich. Im Bereich Informatik liegt der Frauenanteil derzeit bei unter 20 Prozent (www.che.de/cms/?getObject=5&getNewsID=2157&getCB=398&getLang=de). Dabei haben Mädchen durchaus Interesse an Informatik, wie entsprechende Wettbewerbe für Jugendliche zeigen. So haben beim Jugendwettbewerb Informatik in den Stufen eins bis vier fast genauso viele Mädchen teilgenommen wie Jungen (https://bwinf.de/fileadmin/JwInf/JwInf_2017/2017_teilnahmestatistik_jwinf.pdf). Nur nimmt dieses Interesse eben mit jeder Klassenstufe ab, so dass in der Oberstufe nur noch knapp 28 Prozent der Teilnehmenden Schülerinnen sind. Diese Zahlen zeigen den enormen Handlungsbedarf.

Die Unterrepräsentanz von Frauen in der Branche hat auch weitreichende Folgen für die Gestaltung der Digitalisierung selbst. So kommen Forscherinnen und Forscher zu dem Schluss, dass der Frauenmangel in der IT-Sicherheit (der Frauenanteil der IT-Sicherheitsbranche beträgt laut einer Kaspersky Studie in Europa nur 7 Prozent vgl. https://iamcybersafe.org/gisws/) zu echten Sicherheitslücken führt. Denn die Sicherheitsbedürfnisse von vielen Bürgern – und vor allem Bürgerinnen – werde so übersehen (www.wired.de/collection/science/die-cybersecuritybraucht-mehr-frauen). Der geringe Frauenanteil ist damit ein Problem für die Branche, der dringend benötigte Fachkräfte fehlen, und für die Gesellschaft, die bei der Entwicklung und Gestaltung der digitalen Zukunft um den wichtigen Input der Frauen gebracht wird.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen29

1

Welche Programme bzw. Initiativen existieren nach Kenntnis der Bundesregierung, um Mädchen und Jungen schon im Vorschulalter für digitale Themen und Informatik zu interessieren?

a) Welche dieser Programme bzw. Initiativen sind Bundesprogramme?

b) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Mädchenanteil an diesen Programmen bzw. Initiativen (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

c) Welche dieser Programme sind generell oder in Teilen besonders auf Mädchen bzw. Frauen ausgerichtet?

2

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von Schülerinnen und Schülern, die

a) in der Grundschule,

b) in der Mittelstufe bzw. Sekundarstufe 1 und

c) in der Oberstufe bzw. Sekundarstufe 2

an einem Fach wie Informatik, Programmieren oder Digitalkunde teilnehmen (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

3

Wie viele der Lehrkräfte, die Fächer wie Informatik, Programmieren oder Digitalkunde

a) in der Grundschule,

b) in der Mittelstufe bzw. Sekundarstufe 1 und

c) in der Oberstufe bzw. Sekundarstufe 2

unterrichten, sind jeweils Frauen (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

4

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Einfluss von weiblichen Role Models als Lehrende in Fächern wie Informatik, Programmieren oder Digitalpakt auf die Lernenden in Primar- sowie Sekundarstufe I und II?

5

Welche Programme bzw. Initiativen (inklusive Wettbewerbe) existieren nach Kenntnis der Bundesregierung darüber hinaus, um Schülerinnen und Schüler

a) in der Grundschule,

b) in der Mittelstufe bzw. Sekundarstufe 1 und

c) in der Oberstufe bzw. Sekundarstufe 2

für digitale Themen und Informatik zu interessieren?

6

Welche der Programme bzw. Initiativen aus Frage 5 sind Bundesprogramme?

7

Welche der Programme bzw. Initiativen aus den Fragen 5 und 6 sind generell oder in Teilen besonders auf Mädchen bzw. Frauen ausgerichtet?

8

Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Anteil von Schülerinnen an den Programmen bzw. Initiativen aus Frage 3, 5 und 6 (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

9

Wie stellen sich die Zahlen aus den Antworten zu den Fragen 1 bis 8 jeweils im internationalen Vergleich dar?

10

Welche Programme bzw. Initiativen existieren nach Kenntnis der Bundesregierung, um Schülerinnen und Schüler für eine Berufsausbildung im Digitalbzw. Informatikbereich zu interessieren?

a) Welche dieser Programme bzw. Initiativen sind Bundesprogramme?

b) Welche dieser Programme bzw. Initiativen sind generell oder in Teilen besonders auf Mädchen bzw. Frauen ausgerichtet?

c) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Anteil junger Frauen an diesen Programmen bzw. Initiativen (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

11

Wie haben sich die 25 häufigsten Ausbildungsberufe von Frauen und Männern jeweils in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte pro Jahr jeweils den prozentualen Anteil und absolute Anzahl neu geschlossener Ausbildungsverträge angeben)?

12

Wie viele Frauen und Männer haben jeweils in den letzten zehn Jahren eine Berufsausbildung im Digital- bzw. Informatikbereich

a) begonnen und

b) abgeschlossen

(bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben)?

13

Welche Rolle spielen nach Kenntnis der Bundesregierung die Berufsbezeichnungen bei der Wahl des Ausbildungsberufes, und inwieweit führen bestimmte Berufsbezeichnungen dazu, dass sich gerade Mädchen und Frauen gegen eine Berufsausbildung im IT-Bereich entscheiden?

14

Welche Programme bzw. Initiativen existieren nach Kenntnis der Bundesregierung, um Schülerinnen und Schüler für ein Studium im Digital- bzw. Informatikbereich zu interessieren?

a) Welche dieser Programme bzw. Initiativen sind Bundesprogramme?

b) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Anteil junger Frauen an diesen Programmen bzw. Initiativen (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

c) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Anteil junger Frauen an diesen Programmen bzw. Initiativen (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

15

Wie haben sich die 25 häufigsten Studienfächer von Frauen und Männern jeweils in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte pro Jahr jeweils den prozentualen Anteil und absolute Anzahl der Neueinschreibungen angeben)?

16

Wie viele Frauen und Männer haben jeweils in den letzten zehn Jahren ein Studium im Digital- bzw. Informatikbereich

a) begonnen und

b) abgeschlossen

(bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben)?

17

Wie stellen sich die Zahlen aus den Antworten zu den Fragen 10 bis 16 jeweils im internationalen Vergleich dar?

18

Wie viele Frauen und Männer haben in den letzten zehn Jahren jeweils an einer Weiterbildung im Digital- bzw. Informatikbereich teilgenommen (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bildungsgrad der Teilnehmenden aufschlüsseln)?

19

Wie viele Frauen und Männer haben jeweils in den letzten zehn Jahren im Bereich der Informatik promoviert (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

20

Welche Programme und Initiativen existieren nach Kenntnis der Bundesregierung, um Studentinnen und Studenten für eine Promotion im Digital- bzw. Informatikbereich zu interessieren?

a) Welche dieser Programme bzw. Initiativen sind Bundesprogramme?

b) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Frauenanteil an diesen Programmen bzw. Initiativen (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

c) Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung jeweils der Anteil junger Frauen an diesen Programmen bzw. Initiativen (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

21

Wie viele Frauen und Männer lehren jeweils als Professorinnen bzw. Professoren im Bereich Informatik (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

22

Wie viele Frauen und Männer sind nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit

a) als Angestellte und

b) als Selbstständige

in der Digitalbranche und in den IT-Kernberufen tätig (bitte jeweils absolute Zahl und prozentualen Anteil angeben), und wie haben sich Anzahl und Anteil jeweils in den letzten zehn Jahren entwickelt?

23

Wie hat sich der Fachkräftebedarf in der IT-Branche in Deutschland und im internationalen Vergleich in den letzten 20 Jahren entwickelt?

24

Wie haben sich die Anzahl der unbesetzten Stellen und die Dauer, wie lange diese Stellen im Durchschnitt unbesetzt blieben, in der IT-Branche in Deutschland und im internationalen Vergleich in den letzten 20 Jahren entwickelt?

25

Wie viele Frauen und Männer haben jeweils in den letzten zehn Jahren ein Unternehmen im Digitalbereich gegründet (bitte jeweils prozentualen Anteil an allen Gründungen, an allen Gründungen im Digitalbereich und absolute Zahlen angeben und nach Bundesländern aufschlüsseln)?

26

Wie hat sich der Anteil von Akademikerinnen in den IT-Kernberufen in den letzten zehn Jahren im Vergleich zum Anteil an Frauen an allen Akademikerinnen und Akademikern auf dem bundesdeutschen Arbeitsmarkt entwickelt (bitte jeweils prozentualen Anteil und absolute Zahlen angeben)?

27

Wie stellen sich die Zahlen aus den Antworten zu den Fragen 18 bis 26 jeweils im internationalen Vergleich dar?

28

Welche Nachteile birgt eine starke Unterrepräsentanz von Frauen in der Digitalbranche nach Einschätzung der Bundesregierung für

a) die Branche selbst und

b) die Gesellschaft?

29

Welche konkreten Maßnahmen plant die Bundesregierung über die Bildungskette hinweg im Bereich

a) Schule,

b) Aus- und Weiterbildung und

c) Hochschule,

um mehr Mädchen und Frauen für den Bereich Informatik zu interessieren und ihre Potenziale zu fördern?

Berlin, den 10. September 2018

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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