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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Arbeitsbedingungen im Hotel- und Gastgewerbe

(insgesamt 19 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Datum

07.03.2019

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/793420.02.2019

Arbeitsbedingungen im Hotel- und Gastgewerbe

der Abgeordneten Stefan Schmidt, Beate Müller-Gemmeke, Markus Tressel, Claudia Müller, Ekin Deligöz, Dr. Wolfgang Strengmann-Kuhn, Markus Kurth, Corinna Rüffer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Das Hotel- und Gastgewerbe ist mittelständisch geprägt wie kaum eine andere Branche, und bildete 2016 mit 1,6 Prozent an der Bruttowertschöpfung und einem Beschäftigungsanteil von 4,3 Prozent einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor in Deutschland (vgl. DEHOGA-Gutachten, www.dehoga-bundesverband.de/fileadmin/ Startseite/06_Presse/Pressemitteilungen/IW_Studie/Studie_IW_Consult_Bedeutung_ Hotel-Gasttaettengewerbe_final_171019.pdf, S. 5) Gerade auch der Tourismusstandort Deutschland lebt von einem vielfältigen und starken Hotel- und Gastgewerbe. Trotz der großen Bedeutung der Branche kämpft das Gewerbe mit einem zunehmenden Mangel an Arbeits- bzw. Fachkräften und Auszubildenden. Die Abbrecherquote bei den Ausbildungsberufen im Hotel- und Gastgewerbe ist besonders hoch. Zu den entscheidendsten Gründen für den großen Mangel an Auszubildenden, Arbeits- und Fachkräften gehören die weniger attraktiven Arbeitsbedingungen in der Branche. Viele Arbeitsnehmerinnen und Arbeitnehmer werden durch die niedrige Bezahlung sowie regelmäßige Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit abgeschreckt. Als Folge des Personalmangels müssen Gastronomen unfreiwillig Ruhetage einführen und die Öffnungszeiten verkürzen, Hoteliers müssen Angebote einschränken (vgl. www.wiwo.de/lifestyle/personalnot- wennkellner-und-koeche-in-der-gastronomie-fehlen/23756640.html).

Unter dem Arbeits- und Fachkräftemangel leiden Branche, Tourismus und Volkswirtschaft gleichermaßen. Ein starkes Hotel- und Gastgewerbe braucht ausreichend und gutes Personal. Um dem Personalmangel entgegenzuwirken, muss die Attraktivität des Hotel- und Gastgewerbes für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steigen. Nur mit guten Arbeitsbedingungen kann die Branche Personal gewinnen und dauerhaft halten. Von attraktiven Arbeitsbedingungen im Hotel- und Gastgewerbe profitieren nicht nur Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sondern auch die Betriebe, der Tourismus und die Volkswirtschaft.

Auch die Bundesregierung sieht den zunehmenden Mangel an Auszubildenden und Fachkräften im Hotel- und Gastgewerbe. Dabei sieht sie die Verantwortung, beispielsweise im Wettbewerb um Auszubildende, in erster Linie auf Arbeitgeberseite (vgl. Tourismuspolitischer Bericht der Bundesregierung, www.bmwi.de/ Redaktion/DE/Publikationen/Tourismus/tourismuspolitischer-bericht.pdf?__blob= publicationFile&v=28, S. 21/29).

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen19

1

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl und die Größe der Unternehmen im Hotel- und Gastgewerbe (bitte in Schritten bis zehn, elf bis 50, 51 bis 250 und ab 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angeben) in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben)?

2

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung Umsatz und Gewinn der Unternehmen im Hotel- und Gastgewerbe in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland, sowie nach Größenklassen der Unternehmen wie in Frage 1 angeben)?

3

Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Vollzeit bzw. in Teilzeit, und nach Beschäftigung im Minijob aufschlüsseln)?

4

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der Auszubildenden und die Ausbildungsquote im Hotel- und Gastgewerbe in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach den Ausbildungsberufen Hotelfachfrau bzw. Hotelfachmann, Restaurantfachfrau bzw. Restaurantfachmann, Koch bzw. Köchin, Fachfrau bzw. Fachmann für Systemgastronomie, Hotelkauffrau bzw. Hotelkaufmann, Fachkraft im Gastgewerbe aufschlüsseln)?

5

Wie viele Auszubildende haben ihre Ausbildung im Hotel- und Gastgewerbe in den letzten zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung abgebrochen, und wie hoch sind die Abbrecherquoten (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach den Ausbildungsberufen Hotelfachfrau bzw. Hotelfachmann, Restaurantfachfrau bzw. Restaurantfachmann, Koch bzw. Köchin, Fachfrau bzw. Fachmann für Systemgastronomie, Hotelkauffrau bzw. Hotelkaufmann, Fachkraft im Gastgewerbe sowie nach Ausbildungsabschnitten aufschlüsseln)?

Welche Gründe wurden für den Abbruch vorgebracht (bitte aufschlüsseln)?

6

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne im Hotel- und Gastgewerbe in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach den Berufen Hotelfachfrau bzw. Hotelfachmann, Restaurantfachfrau bzw. Restaurantfachmann, Koch bzw. Köchin, Fachfrau bzw. Fachmann für Systemgastronomie, Hotelkauffrau bzw. Hotelkaufmann, Fachkraft im Gastgewerbe aufschlüsseln)?

7

Wie stark wich der in Frage 6 erfragte Bruttostundenlohn in den letzten zehn Jahren vom durchschnittlichen Bruttostundenlohn in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung ab (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben)?

8

Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die durchschnittlichen Ausbildungslöhne der Auszubildenden im Hotel- und Gastgewerbe in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach den Berufen Hotelfachfrau bzw. Hotelfachmann, Restaurantfachfrau bzw. Restaurantfachmann, Koch bzw. Köchin, Fachfrau bzw. Fachmann für Systemgastronomie, Hotelkauffrau bzw. Hotelkaufmann, Fachkraft im Gastgewerbe und zusätzlich nach Ausbildungsjahren aufschlüsseln)?

9

Wie stark wich der in Frage 8 erfragte Ausbildungslohn in den letzten zehn Jahren vom durchschnittlichen Ausbildungslohn in Deutschland nach Kenntnis der Bundesregierung ab (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach Ausbildungsjahren aufschlüsseln)?

10

Wie viele Beschäftigte im Hotel- und Gastgewerbe waren in den letzten zehn Jahren nach Kenntnis der Bundesregierung an einen Tarifvertrag gebunden, und wie viele Beschäftigte waren nach Kenntnis der Bundesregierung gewerkschaftlich organisiert (bitte bundesweit und für jedes Bundesland und zusätzlich in Prozent angeben)?

11

Wie viele Personalstellen im Hotel- und Gastgewerbe sind aktuell vakant, und wie haben sich die offiziellen Vakanzen nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren entwickelt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach Beherbergungsbetrieben und Gastronomiebetrieben aufschlüsseln)?

12

Wie viele Kontrollen haben die Aufsichtsbehörden der Länder zur Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren im Hotel- und Gastgewerbe durchgeführt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach Beherbergungsbetrieben und Gastronomiebetrieben aufschlüsseln)?

13

Wie viele Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten zehn Jahren im Hotel- und Gastgewerbe festgestellt, und in welcher Höhe wurden Bußgelder, Geldstrafen bzw. Freiheitsstrafen verhängt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach Beherbergungsbetrieben und Gastronomiebetrieben aufschlüsseln)?

14

Hat die Bundesregierung Zahlen darüber, wie viele Betriebe im Hotel- und Gastgewerbe von ganzjähriger Öffnung auf einen Saisonbetrieb umstellen und umgekehrt, wie viele von saisonal auf ganzjährige Öffnung umgestellt haben und ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ganzjährig beschäftigen (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach Betriebsgrößen wie in Frage 1 aufschlüsseln)?

15

Welche Kenntnis hat die Bundesregierung von der Entwicklung der Anzahl der Genehmigungen der Arbeitsschutzbehörden der Länder für tägliche Arbeitszeiten über zehn Stunden für Saison- und Kampagnenbetriebe (nach § 15 Absatz 1 des Arbeitszeitgesetzes) im Hotelbereich (bitte bundesweit und nach Bundesländern für die letzten zehn Jahre aufschlüsseln), und wie bewertet die Bundesregierung diese Entwicklung?

16

Wie viele Kontrollen zur Einhaltung von Mindestlöhnen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) seit 2015 im Hotel- und Gastgewerbe durchgeführt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach Beherbergungsbetrieben und Gastronomiebetrieben aufschlüsseln)?

17

Wie viele Verstöße gegen das Mindestlohngesetz wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2015 im Hotel- und Gastgewerbe festgestellt, und in welcher Höhe wurden Bußgelder, Geldstrafen bzw. Freiheitsstrafen verhängt (bitte bundesweit und für jedes Bundesland angeben und nach Beherbergungsbetrieben und Gastronomiebetrieben aufschlüsseln)?

18

Wie bewertet die Bundesregierung die Attraktivität des Hotel- und Gastgewerbes für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer?

19

Plant die Bundesregierung Initiativen, um die Attraktivität des Hotel- und Gastgewerbes für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erhöhen?

Wenn ja, welche?

Wenn nein, warum nicht?

Berlin, den 29. Januar 2019

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

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