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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Munitions- und Rüstungsexporte über den Hamburger Hafen im vierten Quartal 2019
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Datum
03.03.2020
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/1719614.02.2020
Munitions- und Rüstungsexporte über den Hamburger Hafen im vierten Quartal 2019
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Zaklin Nastic, Doris Achelwilm, Christine Buchholz, Dr. Diether
Dehm, Fabio De Masi, Klaus Ernst, Andrej Hunko, Eva-Maria Schreiber, Kathrin
Vogler und der Fraktion DIE LINKE.
Munitions- und Rüstungsexporte über den Hamburger Hafen im vierten
Quartal 2019
Aus Hamburg werden Munitions- und Rüstungsladungen in Häfen von Ländern
geliefert, in denen Bürgerkrieg herrscht (beispielsweise Cartagena in
Kolumbien) sowie an direkt beteiligte Länder des Jemenkrieges (Jebel Ali in den
Vereinigten Arabischen Emiraten). Selbst in Staaten, mit denen die Bundesrepublik
Deutschland keine offiziellen diplomatischen Beziehungen hat, wird Munition
geliefert (Kaohsiung auf Taiwan) (vgl. http://daten.transparenz.hamburg.de/Dat
aport.HmbTG.ZS.Webservice.GetRessource100/GetRessource100.svc/825bf41
f-2a34-4049-a478-18c6b276b376/Akte_HmbTG_-_zu_veroeffentlichende_Do
kumente.pdf).
Die Lürssen Werft GmbH & Co. KG ist eine Schiffswerft mit Hauptsitz in
Bremen. Zur Firmengruppe gehören unter anderem die Lürssen Logistics sowie
Niederlassungen in Schacht Audorf, in Wilhelmshaven, die Peene-Werft in
Wolgast sowie Blohm und Voss und die Norderwerft in Hamburg. Die Werft ist
bekannt für den Bau militärischer Schnellboote und ziviler Großjachten.
Aus Presseberichten von „Report München“, „Stern“ und der „Tagesschau“
geht hervor, dass Lürssen Mitarbeiter in Saudi-Arabien beschäftigt, die bei der
Ausbildung von Schiffsmannschaften und am Unterhalt von Patrouillenbooten
beteiligt sind. Es sei eine neue Ankerwinde als Ersatz für eine defekte Winde
„eingebaut und getestet“ worden. Darüber hinaus organisierte der Konzern
„Report München“ zufolge den Ersatz für defekte Schiffsschrauben eines
Bootes, das auf Grund gelaufen war. Im Dezember 2018 waren demnach
29 Lürssen-Mitarbeiter in Saudi-Arabien tätig (www.tagesschau.de/investiga
tiv/report-muenchen/luerssen-saudi-arabien-101.html).
Saudi-Arabien hatte bei Lürssen 33 Patrouillenboote bestellt. „Bei der
Abwicklung des Hauptvertrages“ kommt es laut „Report München“ und „Stern“ „in
erheblichem Umfang zur Durchführung von Aktivitäten in Saudi-Arabien“.
„Zwar wurden wegen des Ausfuhrstopps nur 15 Patrouillenboote geliefert,
doch das Ausbildungsprogramm für die Crews der exportierten Schiffe lief
weiter“ (www.tagesschau.de/investigativ/report-muenchen/luerssen-saudi-arabi
en-101.html).
Im „Stern“ hieß es im November 2019 zudem: Bei einem Angriff im
September 2018 beschädigten sogenannte Huthi-Rebellen „sowohl eines der
Patrouillenboote aus Wolgast wie außerdem ein Landungsboot aus dem Hause Lürssen,
das 189 Meter entfernt im selben Hafenbecken in Jizan lag.“ An einem Gebäu-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/17196
19. Wahlperiode 14.02.2020
de an der Kaimauer – unweit des dortigen Lürssen-Büros – sei sogar „schwerer
Schaden” entstanden (www.stern.de/politik/deutschland/luerssen-werft-sah-leb
ensgefahr-fuer-mitarbeiter-in-saudi-arabien-9013008.html).
„Zu den Aspekten des Rüstungs-Deals, die bisher im Verborgenen geblieben
waren, gehören auch einige auffällig umständliche Firmenkonstruktionen im
Hintergrund. Das betrifft etwa die Deeside Logistics Services Limited im
britischen Wales. Sie wurde im April 2015 gegründet, als das Saudi-Arabien-
Projekt gerade Konturen annahm. Offenbar handelt es sich bei Deeside
Logistics Services Limited um keine reine Briefkastenfirma, denn das Unternehmen
erarbeitet teilweise die sogenannte Ablieferungsdokumentation für die Schiffe“,
so der „Stern“. Laut dem Magazin „sollte Deeside wiederholt auch Aufträge
der Lürssen-Filiale in Saudi-Arabien annehmen und diese dann an die
Unternehmenszentrale in Bremen weiterreichen.“ Deeside kaufe bei Lürssen in
Deutschland ein, um für die Filiale in Saudi-Arabien als „Lieferant“ aufzutreten
(www.stern.de/politik/deutschland/luerssen-werft-sah-lebensgefahr-fuer-mitarb
eiter-in-saudi-arabien-9013008.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Welche Güter mit den HS-Codes beginnend mit 8710, 9301, 9302 (bitte
alle spezifischen HS-Codes der Positionen inklusive der Bezeichnung,
Wertangabe – bitte auch angeben, wenn in anderen Währungen als Euro und
bitte wenn nicht alle Wertangaben bekannt sind, diejenigen angeben, die
bekannt sind – und Zielländer falls bekannt mit angeben) wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung in welcher Anzahl jeweils in den Monaten
Oktober, November und Dezember 2019 über den Hamburger Hafen
ausgeführt (vgl. Schriftliche Frage 29 auf Bundestagsdrucksache 18/4044)?
2. Welche Güter mit dem HS-Code 8906 1000 (bitte Bezeichnung,
Wertangabe – bitte auch angeben, wenn in anderen Währungen als Euro und bitte
wenn nicht alle Wertangaben bekannt sind, diejenigen angeben, die
bekannt sind – und Zielländer falls bekannt mit angeben) wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung in welcher Anzahl jeweils in den Monaten
Oktober, November und Dezember 2019 über den Hamburger Hafen
ausgeführt (vgl. Schriftliche Fragen 29, 30 und 31 auf Bundestagsdrucksache
18/4044)?
3. Wie viele Güter, die unter die in den Fragen 1 und 2 erfragten HS-Codes
fallen, wurden in den Monaten Oktober, November und Dezember 2019
nach Kenntnis der Bundesregierung vor der Ausfuhr im Hamburger Hafen
einer weitergehenden Überprüfung durch den Zoll unterzogen bzw.
gestoppt (bitte die einzelnen Fälle inklusive HS-Codes, Bezeichnung,
geplante Zielländer und betreffenden Monat angeben) ausgeführt (vgl.
Schriftliche Frage 32 auf Bundestagsdrucksache 18/4044)?
4. Welche sonstigen Güter, die unter Abschnitt XIX, Kapitel 93 der
Zolltarifnummern des Warenverzeichnisses des Außenhandels fallen, wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung für die Monate Juli, August und September
2019 jeweils ausgeführt (bitte einzelne HS-Codes und dazugehörige
Bezeichnung, Umfang, Wertangabe und Zielländer nennen)?
5. Welche sonstigen Güter, die unter Abschnitt XIX, Kapitel 93 der
Zolltarifnummern des Warenverzeichnisses des Außenhandels fallen, wurden nach
Kenntnis der Bundesregierung für die Monate Oktober, November und
Dezember 2019 jeweils ausgeführt (bitte einzelne HS-Codes und
dazugehörige Bezeichnung, Umfang, Wertangabe und Zielländer nennen)?
6. Welche Waffen, welche Munition und welche Dual-Use-Güter in jeweils
welchem geldwerten Umfang wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
im Jahr 2019 über den Hamburger Hafen in die Republik China (Taiwan)
geliefert (bitte nach Waffensystem bzw. Munitionstyp, Empfängerstaat
bzw. Zielregion, Jahr und Summe in Euro auflisten)?
7. Wurden nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2010 neben
Schiffen und Schiffsteilen der Peene-Werft auch Schiffe oder Schiffsteile
von Blohm und Voss oder der Norderwerft direkt oder indirekt nach Saudi-
Arabien geliefert und/oder im Auftrag Saudi-Arabiens gebaut (bitte nach
Blohm und Voss und Norderwerft aufschlüsseln)?
8. Waren nach Kenntnis der Bundesregierung Blohm und Voss und die
Norderwerft zum Beispiel durch Zulieferung von Teilen oder den Austausch
von Personal am Bau oder an der Lieferung der in der Vorbemerkung der
Fragesteller erwähnten 15 Patrouillenboote beteiligt, und wenn ja, in
welchem Umfang, und wie genau (bitte nach Blohm und Voss und
Norderwerft aufschlüsseln)?
9. Waren oder sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2015 Mitarbeiter
von Blohm und Voss oder der Norderwerft im Lürssen-Büro im
saudiarabischen Jizan beschäftigt (bitte nach Blohm und Voss und Norderwerft
aufschlüsseln)?
10. Waren oder sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2015 Mitarbeiter
von Blohm und Voss oder der Norderwerft an der Ausbildung von
Schiffsmannschaften in Saudi-Arabien beteiligt (bitte nach Blohm und Voss und
Norderwerft aufschlüsseln)?
11. Waren oder sind nach Kenntnis der Bundesregierung seit 2015 Mitarbeiter
von Blohm und Voss oder der Norderwerft an der Wartung oder dem
Unterhalt der Patrouillenboote oder weiterer Marineschiffe in Saudi-Arabien
beteiligt (bitte nach Blohm und Voss und Norderwerft aufschlüsseln)?
12. Arbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung Blohm und Voss oder die
Norderwerft mit Deeside Logistics Services Limited im britischen Wales
zusammen, und wenn ja, auf welche Weise (bitte nach Blohm und Voss
und Norderwerft aufschlüsseln)?
Berlin, den 15. Januar 2020
Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
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